München
Schule

G8 am Ende: Bayern kehrt zum neunjährigen Gymnasium zurück

Der jahrelange Streit soll endgültig ein Ende haben: Die CSU besiegelt das Ende des achtjährigen Gymnasiums. Nach knapp 15 Jahren kehrt Bayern zu G9 zurück.
Artikel drucken Artikel einbetten
Der jahrelange Streit soll endgültig ein Ende haben: Die CSU besiegelt das Ende des achtjährigen Gymnasiums. Nach knapp 15 Jahren kehrt Bayern zu G9 zurück. Foto: Armin Weigel/dpa
Der jahrelange Streit soll endgültig ein Ende haben: Die CSU besiegelt das Ende des achtjährigen Gymnasiums. Nach knapp 15 Jahren kehrt Bayern zu G9 zurück. Foto: Armin Weigel/dpa
Bayerns Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) setzt darauf, dass die nun geplanten Gymnasial- und Bildungsreformen für 25 Jahre halten. "Das ist jetzt etwas, was für ein Vierteljahrhundert trägt", sagte Spaenle der Deutschen Presse-Agentur in München.

Die CSU-Fraktion will am Mittwoch nach jahrelangen Diskussionen das Zurück zum neunjährigen Gymnasium (G9) in Bayern beschließen. Eine breite Zustimmung gilt inzwischen als sicher - auch, weil die Reform jetzt Teil eines größeren Bildungspakets für alle Schularten ist. So sollen in den kommenden Jahren gut 1800 zusätzliche Lehrerstellen geschaffen werden - ungefähr 1000 an den Gymnasien und etwa 800 an den anderen Schularten.
"Das ist schon ein großes Paket", sagte Spaenle und lobte die Zusammenarbeit mit allen Beteiligten, zwischen Staatsregierung und CSU-Fraktion in den vergangenen Wochen und Monaten: "Es war ein intensiver Dialog, der jetzt gemeinsame Früchte tragen kann."


Start der Reform zum Schuljahr 2018/19

Fast 15 Jahre nach der Einführung des G8 kehren die bayerischen Gymnasien damit wieder zur neunjährigen Regeldauer zurück. Schüler, die dies wollen, sollen aber die Möglichkeit haben, das Abitur wie bisher nach acht Jahren abzulegen. Start der Reform soll zum Schuljahr 2018/19 sein, dann gleich für die Klassenstufen fünf und sechs. Die jetzigen Viertklässler, die im Herbst aufs Gymnasium wechseln, werden also der erste Jahrgang des neuen G9 sein.

"Das zusätzliche Jahr wird den Schülerinnen und Schülern guttun. Es bewirkt größere Nachhaltigkeit, mehr Vertiefungsmöglichkeiten und wird die Qualität des Gymnasiums noch einmal steigern", sagte Michael Schwägerl, Vorsitzender des Bayerischen Philologenverbandes am Mittwoch im Bayerischen Rundfunk. Der Philologenverband habe sich nie mit dem G8 anfreunden können. Schwägerl geht davon aus, dass bereits die jetzigen Viertklässler das neunjährige Gymnasium absolvieren können. "Die Pläne sehen vor, ab dem Schuljahr 2018/2019 mit der fünften und sechsten Jahrgangsstufe zu starten, so dass man ungefähr 2025 das erste Abitur im neunjährigen Gymnasium hätte."

Die CSU hatte sich jahrelang gegen eine Rückkehr zum neunjährigen Gymnasium gewehrt. Nach mehreren meist missglückten Reformversuchen am G8 war der Druck für ein flächendeckendes Zurück zum G9 aber immer weiter gewachsen. Dennoch waren die internen Widerstände innerhalb der Landtags-CSU noch bis vor kurzem groß - und konnten erst durch die Verständigung auf ein größeres Bildungspaket minimiert werden. Das anschließende Gesetzgebungsverfahren gilt dann als Formsache.


Die Eckpunkte der G9-Reform und des Bildungspakets

LEHRER/STELLEN: Durch die gesamte Reform werden nach jüngsten Angaben aus der CSU gut 1800 zusätzliche Lehrerstellen geschaffen - ungefähr 1000 an den Gymnasien und etwa 800 an den anderen Schularten, etwa für die Inklusion von Kindern und Jugendlichen mit Behinderungen. Ein weiterer Schwerpunkt sollen dabei auch die Förderschulen sein.

SCHULLEITUNGEN: Mehr Anrechnungsstunden für Schulleiter und zusätzliche Stellen für Sekretärinnen sollen die Schulverwaltungen und Schulleiter entlasten - hier hatte es zuletzt Klagen gegeben.

INVESTITIONEN: Es soll nicht nur in zusätzliche Stellen investiert werden, sondern auch Geld etwa für das Thema Digitalisierung fließen.

ZURÜCK ZUM G9: Das Kultusministerium hatte zuletzt argumentiert, die "Spielräume" zur Weiterentwicklung des G8 seien "in den entscheidenden Punkten erschöpft". Man wolle aber nicht das alte G9, sondern ein "zeitgemäßes, auf neun Jahre ausgerichtetes Gymnasium".

FÄCHER: Über die Jahre gerechnet soll die Zahl der Wochenstunden im Vergleich zum derzeitigen G8 um etwa 18 Stunden steigen - und nicht einfach die aktuelle Stundenzahl von acht auf neun Jahre gedehnt werden. Unter anderem sollen die Kernfächer gestärkt werden. Kein Fach wird schlechtergestellt. Und: Informatik soll in Zukunft Pflichtfach in allen Ausbildungsrichtungen werden. Die Profilbildung (beispielsweise sprachliches/naturwissenschaftlich-technologisches Gymnasium) soll auch weiterhin zur 8. Klasse erfolgen.

NACHMITTAGSUNTERRICHT: Der Pflichtunterricht am Nachmittag wird deutlich reduziert: In der Unter- und Mittelstufe etwa soll es kaum mehr Nachmittagsunterricht geben. Die Kinder sollen damit mehr Zeit für andere schulische Angebote, Musik, Sport und Ehrenamt haben.

FREMDSPRACHEN: Es bleibt bei der Mindestvorgabe von zwei Pflicht-Fremdsprachen. Und es soll auch dabei bleiben, dass die erste Fremdsprache in der 5. und die zweite in der 6. Klasse startet.

NEUE ELFTE KLASSE: Der elften Klasse soll künftig eine ganz besondere Bedeutung zukommen: Hier soll stärker als bisher vorwissenschaftliches Arbeiten geübt werden. Das Projekt-Seminar zur Studien- und Berufsorientierung soll in die neue 11. Klasse vorgezogen werden. Auch Auslandsaufenthalte bieten sich dann besonders an. Und: Die elfte Klasse soll "ausgelassen" werden können.

"ÜBERHOLSPUR": Schüler, die das Abitur auch weiterhin nach acht Jahren ablegen wollen, sollen die elfte Klasse auslassen dürfen. Die betreffenden Schüler sollen zwei Jahre lang auf das "Überspringen" vorbereitet werden, und zwar mit Zusatzkursen am Nachmittag.

OBERSTUFE: Das Konzept der Oberstufe bleibt, und es bleibt auch beim Fünf-Fächer-Abitur. Es sollen aber "Möglichkeiten zur vertieften Profilbildung" geprüft werden, heißt es im Konzept des Ministeriums.

START DER REFORM: Das neue G9 soll zum Schuljahr 2018/19 eingeführt werden - und zwar dann gleich für die Jahrgangsstufen fünf und sechs.

MITTELSTUFE PLUS: Derzeit erproben 47 Pilot-Gymnasien in Bayern das Modell der "Mittelstufe plus". Dort haben Schüler schon jetzt die Möglichkeit, das Abitur erst nach neun Jahren abzulegen. Damit es dort keine "Lücke" zwischen den beiden neunjährigen Varianten (Mittelstufe plus und neues G9) gibt, sollen die 47 Schulen drei Jahre länger als geplant die jetzige Wahlmöglichkeit bieten können.

KOSTEN: Bei der Aufteilung der Kosten zwischen Freistaat und Kommunen etwa für neue Schulbauten zeichnet sich ein Lösungsvorschlag ab: Die Kommunen sollen dem Vernehmen nach die Kosten vom Freistaat erstattet bekommen, die nachweislich auf die G9-Reform zurückzuführen sind.