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Frost im April - Horror für die Obstbauern in Franken

Obstbauexperten rechnen heuer nach dem Kälteeinbruch im April mit starken Einbußen in ganz Franken. Die Winzer dürfen sich dagegen noch Hoffnung machen.
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April 2017: Schnee auf Kirschblüten in der Fränkischen Schweiz Foto: Barbara Herbst
April 2017: Schnee auf Kirschblüten in der Fränkischen Schweiz Foto: Barbara Herbst
Die Winzer in Unterfrankens Weinregionen dürfen sich noch Hoffnung machen - anders die Obstbauern: Sie müssen aufgrund des überraschenden Wintereinbruchs im April und Temperaturen bis zu minus sechs Grad mit starken Ernteausfällen bis hin zum Totalausfall rechnen. Und das in Unter- wie in Oberfranken. In der Nacht zum 20. April waren die Temperaturen deutschlandweit aufgrund polarer Luftzufuhr, die sich bis weit in den Süden vorgearbeitet hatte, auf Temperaturen weit unter dem Gefrierpunkt gefallen.

Thomas Riehl, der für Franken zuständige Obstbauberater am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Kitzingen, zieht jetzt wenige Tage später eine ernüchternde Bilanz. In der Region um Wiesentheid, hier waren die Temperaturen auf bis zu minus sechs Grad gefallen, müssen die Obstbauern wohl mit Ernteausfällen bis zu 80 Prozent rechnen. Weil die jungen Früchte von Zwetschge und Kirsche, die aufgrund der warmen Witterung im März bereits ausgetrieben waren, schwarz wurden und diesen strengen Aprilforst nicht mehr überstanden.


Regionale Unterschiede

Andernorts wären die Obstbauern glimpflicher davongekommen, so Riehl. Beispielsweise in der Gegend um Volkach, wo die Temperaturen nur auf minus zwei Grad absackten. Aber das könnten die Blüten und jungen Triebe gerade noch wegstecken, so der Obstbauexperte.

Ohne sich auf Zahlen festlegen zu wollen diagnostizierte Riehl eine ähnliche Situation wie in Unterfranken auch für die Obstbauregionen Oberfrankens, insbesondere den Raum um Forchheim und die Fränkische Schweiz. Auch hier seien die Obstbauern von dem späten Frost betroffen, und auch hier müsse wohl in regional unterschiedlicher Ausprägung mit Ernteverlusten gerechnete werden.


Frost europaweit ein Problem

So weit gehen die Weinbaufachleute noch nicht. Hermann Mengler, Weinfachberater des Bezirks Unterfranken, hofft, dass sich der strenge Aprilfrost in den fränkischen Weinbergen nur marginal bemerkbar gemacht hat. Wobei er schon feststellt, dass in diesem Jahr die Winzer in ganz Europa mit den Folgen des späten Frosts kämpfen müssten. Selbst im italienischen Piemont und in Südtirol sei es zu kalt gewesen.

Aber: Die Rebstöcke könnten mit zu niedrigen Temperaturen einigermaßen umgehen. Wenn es zu Frostschäden komme, bleibe immer noch die Möglichkeit, dass für die abgestorbenen Triebe in den nächsten Tagen und Wochen neue Triebe nachwachsen. Eine Einschränkung muss jedoch auch Mengler machen. In einigen Lagen dürfte es sicher kältebedingt zu Schädigungen in den Weinbergen gekommen sein.

Ein einzigartiges und seltenes Ereignis sei der Frosteinfall im April jedenfalls nicht gewesen, warnt Thomas Riehl mit Blick auf den Klimawandel. Auf die Tatsache, dass die Obstbäume inzwischen zwei Wochen früher austreiben als bislang üblich, müsse man sich künftig als immer häufiger erwartbar einstellen.


Info: Was tun gegen Frost

Viel Möglichkeiten haben Obstbauern und Winzer nicht, wenn die Temperaturen eisig werden.

Einige gibt es dennoch:

Kerzenwärme Große Kerzen in Eimern in der Obstplantage sollen helfen. Auch mit Paraffin gefüllte Feuereimer.

Beregnung Wenn das Wasser in der Plantage oder im Weinberg gefriert, entsteht Wärme.