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Hitzewelle

Franken schwitzt: So kommen Sie gut durch die heißen Tage

Schön, dass endlich Sommer ist - wäre es nur nicht gleich wieder so extrem. Mit unseren Tipps vom Sonnencreme-Test bis zum Sturmschaden kommen Sie gut durch die heißen Tage.
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Das Fränkische Seenland ist in diesen Tagen ein beliebtes Ausflugsziel. Auf dem Trimaran am Brombachsee können Kinder ihr Kapitänspatent machen. Foto: Tourismusverband Fränkisches Seenland/Andreas Hub
Das Fränkische Seenland ist in diesen Tagen ein beliebtes Ausflugsziel. Auf dem Trimaran am Brombachsee können Kinder ihr Kapitänspatent machen. Foto: Tourismusverband Fränkisches Seenland/Andreas Hub
Endlich Sommer! Freuen könnte, sollte man sich, wenn die Sonne scheint und das Vitamin D im Körper sprießen lässt. Wäre es nur nicht gleich wieder so extrem - und so unglaublich heiß! Manchen machen Temperaturen jenseits der 30 und mehr Grad nichts aus, andere schwitzen und schimpfen vor sich hin. Experten gehen aktuell davon aus, dass uns die Hitzewelle noch eine Weile begleiten wird.

Da möchte man im Büro schon mal die Hüllen fallen lassen oder hitzefrei nehmen, ständig kaltes Wasser in sich hineinstürzen oder kleine Aussetzer auf die aufgeheizte Psyche schieben. Was geht, was stimmt und wie man gut durch die Hitze kommt, zeigen unsere Tipps.

Psyche
Wer die Hitze gar nicht aushält, kann schon mal nah am Durchdrehen sein. Peter Walschburger von der Deutschen Gesellschaft für Psychologie mahnt zur Gelassenheit: "Wir sollten froh sein über den schönen Sommer." Man dürfe nicht bei jeder Abweichung von der individuellen Soll-Lage ins Jammern kommen und solle stattdessen die Sonne als Glückserlebnis genießen.

Walschburger empfiehlt, Körper und Geist zu adaptieren: "Viel trinken, Hut aufsetzen und empfindliche Stellen eincremen, dann kann man sich außer in der Mittagshitze gut draußen bewegen. Wenn man sich den Wetterreizen aussetzt, wird das eigene Temperatur-Regulationssystem sensibilisiert." Wer kann, sollte früher mit der Arbeit beginnen und mittags eine Siesta machen. "Aus dem Schatten heraus in das schöne Sonnenlicht zu blicken, hebt die Stimmung."

Problemzonen seien überfüllte Bäder, wo Menschen mit unterschiedlichen Bedürfnissen dicht an dicht liegen. "Da kann es schon zu Aggressionen oder Handgreiflichkeiten kommen", sagt der Psychologe. Sein Tipp: "Eine weniger überlaufene Badestelle wie einen See suchen."

Sonnenschutz
Beim Sonnenschutz sind sich die Experten, ob vom Landesamt für Gesundheit in Erlangen oder der Stiftung Warentest, einig: Viel hilft viel. Creme oder Spray werden reichlich aufgetragen, etwa 35 Gramm für den Körper eines Erwachsenen (knapp drei Esslöffel; Spray innerhalb weniger Minuten zweimal anwenden). Generell sollte das Mittel mehrfach aufgetragen werden, um den Schutz aufrecht zu erhalten - besonders nach dem Aufenthalt im Wasser. Die Schutzzeit kann durch wiederholtes Auftragen nicht verlängert werden. Sonnenschutz mit Menthol hat einen kühlenden Effekt.

Creme-Test
Die Stiftung Warentest hat für ihr Juli-Heft 19 Sonnenschutzmittel getestet. Vorn liegt die klassische Sonnenmilch vor den Sprays. Testsieger mit Sonnenschutzfaktor 30 wurden Douglas Sun, Cien Sun (Lidl) und Today Sun (Penny und Rewe). Bei Schutzfaktor 50 schneiden Sun Spray (Eucerin) und Nivea Sun Protect&Refresh am besten ab.

Sonnenschutzfaktor

Er gibt an, um wie viel Mal sich die Eigenschutzzeit der Haut verlängert, wenn sie mit einem Sonnenschutzmittel eingecremt ist. Rötet sich die Haut nach fünf Minuten in der Sonne, könnte Faktor 30 die Schutzzeit etwa um das 30-fache, auf 150 Minuten, ausdehnen. Jedoch lässt sich die Eigenschutzzeit schwer schätzen und tragen viele nicht genug Sonnencreme auf - so wird der angegebene Schutzfaktor nicht erreicht.

Sonnenbaden
"Gesund" bräunen geht nicht. Bräunung ist eine Schutzreaktion der Haut und erhöht die Eigenschutzzeit nicht eingecremter Haut etwa um den Faktor 6. Selbst wenn die Haut nicht verbrennt, kann sie beim Bräunen Schäden davontragen, die zum Beispiel zu Hautkrebs führen könnten. Sich zum Bräunen längere Zeit in die pralle Sonne zu legen, ist nicht ratsam. Auch Sonnenschutz liefert keinen Freibrief für ausgedehnte Sonnenbäder.

Abkühlung
Wird es Zuhause oder im Büro zu heiß, kann man das Gesicht kurz mit einem Eiswürfel abreiben oder mit einem Feuchtigkeitsspray - belebend: Orangenaroma, beruhigend: Mineralwasser - "benebeln". Körperpuder saugt den Schweiß auf, Haare am besten hochstecken. Zur Abkühlung generell nicht kalt, sondern lauwarm duschen.

Medikamente 1
Medikamente können die Anpassung des Körpers auf Hitze beeinflussen. Darüber sollte man am besten schon vorsorglich mit dem Hausarzt sprechen.

Medikamente 2
Viele Medikamente müssen unter 25 Grad gelagert werden, damit sie ihre Wirkung behalten. Zäpfchen können bei Hitze schmelzen, Spraydosen etwa mit Asthmamedikamenten können explodieren. Unterwegs werden Wärme empfindliche Medikamente am besten in einer Kühltasche - ohne direkten Kontakt zu den Kühlelementen! - gegen die Sonne geschützt. Tipps zur korrekten Lagerung von Medikamenten gibt es in der Apotheke.

Raumtemperatur 1
Lüften sollte man nur morgens und nachts. Tagsüber Fenster und Türen sowie Rollos geschlossen lassen. Der Effekt von elektrischen Klimageräten steht in keinem Verhältnis zum Energieverbrauch. Durch deren Betrieb können laut Verbraucherzentrale bis zum Ende des Sommers mehrere hundert Euro Energiekosten auflaufen.

Raumtemperatur 2 Sonnenschutz an Südfenstern bieten Reflexionsfolien, die nachträglich von innen auf Glasflächen aufgebracht werden. Sie sind allerdings nur begrenzt haltbar.

Raumtemperatur 3 Die Wärmeabstrahlung von Elektrogeräten und Lampen ist nicht zu unterschätzen. Deshalb an heißen Tagen genau überlegen, was eingeschaltet wird.

Schlafen 1
Bei Hitze reicht zum Schlafen ein Laken aus Baumwolle als Zudecke aus. Wer mag, kann sein Bettzeug vorher in die Kühltruhe legen. Nackt schlafen birgt die Gefahr einer Erkältung, weil der Körper nachts trotz Hitze auskühlt.

Schlafen 2
Eine lauwarme Dusche vor dem Zubettgehen oder ein Vollbad mit Lavendel kann beim Einschlafen helfen. Klappt das nicht, keine Panik: Der Körper braucht im Sommer weniger Schlaf, deshalb kann man mit Baldrian nachhelfen, nicht aber mit Schlaftabletten. Arme und Beine können an einer mit kaltem Wasser gefüllten Wärmflasche gekühlt werden.

Autofahren 1
Laut Auto Club Europa kann sich ein Auto nach ein paar Minuten in der prallen Sonne bis auf 70 Grad aufheizen. Deshalb sollte man selbst für einen kurzen Stopp zum Leberkäsbrötchen holen Kinder und Tiere nicht im Wagen zurücklassen.

Autofahren 2
Bei hohen Temperaturen dehnt sich der Kraftstoff im Tank aus. Er kann über die Tanklüftung entweichen und sich im schlimmsten Fall entzünden. Autofahrer sollten deshalb nicht voll tanken. Auch im Auto gelagerte Deosprays könnten explodieren und sollten nicht offen im Auto herumliegen.

Autofahren 3
Durch große Hitze kommt es immer wieder zu aufgeplatzten Stellen in der Fahrbahn, so genannte Blow-Ups. Während Beton bricht und sich zur Sprunschanze "auftürmen" kann, verformt sich Asphalt und es können tiefe Spurrinnen entstehen. Der ADAC empfiehlt, langsamer zu fahren und den Fahrbahnbelag zu beobachten.

Büro 1
Im Büro sind generell Flip-Flops nicht angebracht, bei Damen gilt außerdem: Nichts Durchsichtiges, nicht zu kurz, nicht zu offenherzig, keine Hot Pants. Herren sollten auf Sandalen (schon gar nicht mit Socken) verzichten, auf ärmellose Hemden und kurze Hosen. Unter weiße Hemden zieht man kein Unterhemd an und wenn, dann nur ein hautfarbenes.

Büro 2
Die Arbeitsstättenverordnung sieht vor: Die Temperatur in Arbeitsräumen soll nicht über 26 Grad Celsius liegen. Steigt das Thermometer, muss der Arbeitgeber reagieren und zum Beispiel Kühlgeräte aufstellen, Jalousien schließen, Wärme abstrahlende Geräte abschalten, Dresscode lockern. Beschäftigte können auch bei 30 und über 35 Grad tätig sein, vorausgesetzt, der Arbeitgeber ergreift Schutzmaßnahmen, die eine Gefährdung für Leben und Gesundheit ausschließen. Einen direkten Rechtsanspruch auf klimatisierte Räume oder "Hitzefrei" gibt es nicht.

Unwetterschäden
In Hitzeperioden fallen Gewitter oft heftig aus. Sturmschäden am Gebäude deckt die Wohngebäudeversicherung ebenso ab wie Folgeschäden, zum Beispiel, wenn durch ein abgedecktes Dach Regenwasser ins Haus eindringt. Für sturmbedingte Schäden an Einrichtungsgegenständen kommt die Hausratversicherung auf, unmittelbare Sturm- und Hagelschäden an Autos übernehmen die Kaskoversicherungen. Von Schäden sollte man Fotos machen und unverzüglich die Versicherung benachrichtigen.















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