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Entführung Milliardärssohn Würth: Profil des Täters immer klarer

Zwei Jahre ist der Entführungsfall Würth her. Die Polizei trat nun an die Öffentlichkeit. Sie hat neue Erkenntnisse und hofft auf einen Fahndungserfolg.
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Das «Hofgut Sassen» in Schlitz (Hessen), aufgenommen am 18.06.2015. Zwei Jahre ist der Entführungsfall Würth her. Die Polizei trat nun an die Öffentlichkeit. Sie hat neue Erkenntnisse und hofft auf einen Fahndungserfolg. Foto: Arne Dedert/dpa
Das «Hofgut Sassen» in Schlitz (Hessen), aufgenommen am 18.06.2015. Zwei Jahre ist der Entführungsfall Würth her. Die Polizei trat nun an die Öffentlichkeit. Sie hat neue Erkenntnisse und hofft auf einen Fahndungserfolg. Foto: Arne Dedert/dpa
Fast zwei Jahre ist es her, dass ein Unbekannter den damals 50-jährigen Sohn der Unternehmerfamilie Würth in Schlitz-Sassen entführt. Das Opfer konnte am frühen Morgen des 18. Juni 2015 in einem Waldgebiet bei Würzburg-Kist an einen Baum gefesselt aufgefunden werden.

Seitdem fahnden die Kriminalpolizei Fulda sowie die Staatsanwaltschaft Gießen in einer Sonderkommission (Soko) nach dem oder den unbekannten Entführern. Wichtigste Spur ist eine Tonbandaufzeichnung mit der Stimme des Erpressers. Diese wurde auch noch einmal am Mittwoch bei "Aktenzeichen XY" vorgestellt. Die Ermittler erhoffen sich weitere Hinweise und gehen neuen Spuren nach.


Täterprofil geschärft

Sprachwissenschaftler haben die gesprochenen Worte, sprachliche Eigenheiten sowie den Akzent analysiert und darauf aufbauend gemeinsam mit den Strafverfolgungsbehörden ein Täterprofil erstellt.

Danach handelt es sich bei dem Sprecher um einen 40 bis 52 Jahre alten Mann, der mit hoher Wahrscheinlichkeit in den Ländern Serbien, Kosovo, Montenegro oder Mazedonien geboren und aufgewachsen ist.

Er ist vermutlich bereits vor dem Jahr 2001 nach Deutschland eingereist und hatte mehrere Jahre seinen privaten oder beruflichen Lebensmittelpunkt im Großraum Frankfurt und Offenbach am Main. Möglicherweise lebt der Mann auch heute noch dort.

Beruflich ist der Sprecher wahrscheinlich im Umgang mit Menschen geübt. Die Ermittlerinnen und Ermittler glauben, dass er beispielsweise im Dienstleistungsgewerbe tätig oder tätig gewesen sein könnte. Er könnte auch als Fahrdienstleister für Personen oder als Bote arbeiten bzw. gearbeitet haben. Denkbar ist auch eine Beschäftigung im sozial-karitativen Bereich oder in der Gastronomie.



Die Stimme kann man sich auf der Telefonhotline der Fuldaer Kripo unter der Rufnummer 0800 / 181 2077 noch einmal anhören.

Täter war in mehreren Aldi-Märkten unterwegs
Neben der Stimme haben Polizei und Staatsanwaltschaft eine Vielzahl von Hinweisen und Spuren überprüft und ausgewertet. Der Sprecher hat sich danach offenbar bereits mehrere Monate vor der Entführung im Rhein-Main-Gebiet aufgehalten. In Aldi-Märkten in der Sprendlinger Landstraße in Offenbach, in Frankfurt, Darmstadt und Maintal hat er sogenannte "Cash-Codes" gekauft, um damit ein Guthaben auf sein Handy zu laden.

Mit Ausstrahlung der Fahndung in der Fernsehsendung "Aktenzeichen XY" starteten Staatsanwaltschaft und Polizei eine neue Öffentlichkeitsfahndung nach dem oder den Entführern.

Zugleich haben sich die Beamtinnen und Beamten mit persönlichen Anschreiben an Menschen, die aus dem ehemaligen Jugoslawien stammen und die nun im Rhein-Main-Gebiet wohnen, gewandt. Für Hinweise, die zur Ergreifung des Täters oder der Täter führen, ist eine Belohnung in Höhe von insgesamt 30.000 Euro ausgesetzt.

Hinweise erbittet die Polizei in Fulda unter der Telefonnummer 0800 / 181 2077.