München
Bundestagswahl

Endlich Sonntag: Deutschland wählt

Der Wahlkampf ist vorbei, Deutschland wählt heute einen neuen Bundestag. 61,8 Millionen Menschen dürfen ihre Stimmen abgeben. Es wird ein knappes Rennen erwartet.
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Fotos: dpa
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Unter den Stimmberechtigten sind drei Millionen Erstwähler. Die Wahllokale sind bis 18 Uhr geöffnet. In Hessen ist am Sonntag gleichzeitig Landtagswahl.

Umfragen zufolge kann Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) auf weitere vier Jahre an der Spitze der Bundesregierung hoffen - mit welchem Partner ist offen. Seit Tagen zeichnet sich ein äußerst knappes Rennen ab. Den Demoskopen zufolge gibt es zwischen dem schwarz-gelben Regierungslager und der Opposition praktisch ein Patt.

FDP muss zittern
Als wahrscheinlichste Koalitionsmöglichkeiten gelten entweder eine Fortsetzung von Schwarz-Gelb oder eine große Koalition.
Für Rot-Grün dürfte es nicht reichen; Rot-Rot-Grün scheidet aus, weil SPD und Grüne eine Koalition mit der Linkspartei ausgeschlossen haben.



Die FDP muss den Demoskopen zufolge um den Einzug in den Bundestag zittern, Chancen hat die eurokritische Partei Alternative für Deutschland. Als mitentscheidend für den Ausgang gilt die Wahlbeteiligung, die 2009 bei 70,8 Prozent lag.

Kopf-an-Kopf-Rennen in Hessen
Spannung gibt es auch in Hessen, wo mit der Landtagswahl ein zweiter Wahlkrimi stattfindet. Die Meinungsforscher erwarten ein Kopf-an-Kopf- Rennen zwischen der regierenden schwarz-gelben Koalition und der rot-grünen Opposition. Sollte die Linke ebenfalls wieder in den Landtag in Wiesbaden einziehen, könnte es in dem wirtschaftsstarken Bundesland zu "hessischen Verhältnissen" kommen, also zu einer unklaren Konstellation.

Für den Bundestag kandidieren 4451 Bewerber in 299 Wahlkreisen, rund 900 mehr als 2009. 30 Parteien treten dabei mit Landeslisten an, 4 weitere mit Kreiswahlvorschlägen. Jeder Wähler kann zweimal sein Kreuz machen: mit der Erststimme bei einem Direktkandidaten und mit der Zweitstimme bei einer Liste mit mehreren Kandidaten. Die Zweitstimme entscheidet darüber, wie stark eine Partei im Bundestag vertreten ist.

Punkt 18 Uhr strahlen die TV-Sender ihre Prognosen aus, kurz darauf folgen die ersten Hochrechnungen. Das vorläufige amtliche Endergebnis wird für die Nacht zum Montag erwartet. Voraussichtlich am 9. Oktober stellt der Bundeswahlausschuss dann das endgültige Ergebnis fest. Spätestens am 22. Oktober muss der neu gewählte Bundestag erstmals zusammentreten. In der zweiten Sitzung wählen die Abgeordneten den Bundeskanzler.

9,5 Millionen Wähler in Bayern
Auch in Bayern sind um Punkt 8 Uhr die Wahllokale geöffnet worden. Rund 9,5 Millionen Bürger im Freistaat sind aufgerufen, den nächsten Deutschen Bundestag zu wählen. Um einen Sitz im Parlament bewerben sich in Bayern insgesamt 716 Frauen und Männer. 20 Parteien stehen zur Wahl.

In Bayern wird insbesondere mit Spannung erwartet, ob die CSU an ihren Landtagswahl-Triumph vom vergangenen Sonntag anknüpfen kann und ob die FDP im Freistaat nun mehr als fünf Prozent der Stimmen holt.
Die CSU hofft auf eine Wiederholung oder Steigerung ihres Landtagswahlergebnisses von 47,7 Prozent und eine Neuauflage von Schwarz-Gelb in Berlin. Die SPD hat 24 Prozent als Wunsch-Ziel ausgegeben, und auch die Grünen und die bei der Bayern-Wahl gescheiterte FDP hoffen auf ein Plus. Die Freien Wähler, die erstmals überhaupt bei einer Bundestagswahl antreten, haben Umfragen zufolge keine Chance, bundesweit die Fünf-Prozent-Hürde zu überspringen.

Die Bundestagswahl 2009 war für CSU und SPD ein Desaster gewesen: Die CSU hatte im Freistaat lediglich 42,5 Prozent geholt, die SPD nur 16,8 Prozent. Demgegenüber dürfen beide Parteien nun mit deutlichen Zuwächsen rechnen. Die FDP dagegen wird keine Chance haben, an ihr Traumergebnis von vor vier Jahren heranzukommen - damals hatte sie in Bayern 14,7 Prozent geholt. Die Grünen lagen bei 10,1 Prozent.