Palma de Mallorca
Gastronomie

Ekelessen, Etikettenschwindel, Wucher: Kneipen-Skandal auf Mallorca

Die Restaurant-Mafia auf der Ferieninsel hat Urlauber mit Ekel-Essen, vergammelten Speisen, Etikettenschwindel und Wucherpreisen betrogen.
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Mallorca (im Bild der MegaPark in Arenal) ist bei Urlaubern beliebt. Ermittlungen zufolge haben sich unseriöse Geschäftemacher unter die Gastronomiebetriebe gemischt. Berichte über Etikettenschwindel und Gammel-Essen könnten Urlaubern den Appetit verderben.  Foto: Julian Stratenschulte, dpa
Mallorca (im Bild der MegaPark in Arenal) ist bei Urlaubern beliebt. Ermittlungen zufolge haben sich unseriöse Geschäftemacher unter die Gastronomiebetriebe gemischt. Berichte über Etikettenschwindel und Gammel-Essen könnten Urlaubern den Appetit verderben. Foto: Julian Stratenschulte, dpa
Wo viele Touristen unterwegs sind, treiben sich erfahrungsgemäß auch unseriöse Geschäftemacher herum, die nur darauf warten, Urlauber über den Tisch zu ziehen. Das ist vermutlich in den meisten Ferienhochburgen so.

Auch Mallorca, Europas beliebteste Ferieninsel, scheint da keine Ausnahme zu sein, wie ein großer Gastronomie-Skandal zeigt. Jahrelang sollen auf Mallorca Urlauber in dutzenden Touristenlokalen mit minderwertigen und verdorbenen Speisen, mit Etikettenschwindel bei Getränken und Wucherpreisen betrogen worden sein.
Ermittlungen in Mallorcas Inselhauptstadt Palma brachten derart Haarsträubendes an den Tag, dass die Inselpresse von "Ekel-Essen" und einer "Gastro-Mafia" sprach, die ihr Unwesen vor allem in Palmas Altstadt und in der Umgebung der Strandpromenade trieb. Allein 30 Lokale eines bekannten Großgastronomen sollen betroffen sein. Ein Untersuchungsrichter ermittelt inzwischen wegen Gesundheitsgefährdung, Verstößen gegen die Hygienevorschriften, Betrugs und Bildung einer kriminellen Vereinigung.

Den Untersuchungen zufolge wurden in etlichen dieser Wirtschaften systematisch Speisen in fragwürdigem Zustand "recycelt". Etwa indem Essensreste, die ein Gast auf dem Teller gelassen hatten, dem nächsten Kunden erneut vorgesetzt wurden. Genauso wie verschimmelte Produkte für die Speisezubereitung verwertet worden sein sollen. Oder auch Lebensmittel, deren Haltbarkeitsdatum abgelaufen war. "Der Geschäftsführer zwang uns, alles wiederzuverwerten - sogar wenn das Essen auf den Boden gefallen war", sagte eine Restaurant-Angestellte vor dem Ermittlungsrichter in Palma aus.


"Hier wird nichts weggeworfen"

"Hier wird nichts weggeworfen", habe der Lokalchef angeordnet. Um den unappetitlichen Anblick oder den schlechten Geruch mancher Gerichte zu verbergen, sei alles mit kräftigen Soßen überdeckt worden. Zudem habe es jede Menge Ungeziefer in der Küche gegeben.

Etikettenschwindel sei auch mit Getränken betrieben worden, berichtete die Inselzeitung "Diario de Mallorca": Fruchtsäfte seien mit vergammelten Früchten zubereitet und mit Leitungswasser verdünnt worden. "Um den unangenehmen Geschmack zu verschleiern, wurden große Mengen Zucker hinzugegeben", schrieb die Zeitung. Flaschen von Markenweinen habe man mit billigem Tischwein gefüllt. Genauso wie andere auf der Karte angepriesene Markengetränke, egal ob Softdrinks, Bier oder Spirituosen, heimlich durch Billigprodukte ersetzt worden seien.

Zudem wurden Urlauber in diesen Nepplokalen mit Wucherpreisen über den Tisch gezogen. Etwa indem ihnen keine Preisliste ausgehändigt wurde und sie dann für ein Erfrischungsgetränk sechs statt drei Euro bezahlen mussten. Opfer dieser Masche seien vor allem Ausländer geworden, "da bei ihnen die Gefahr von Reklamationen geringer war", schrieb das "Mallorca Magazin".

Die Ermittlungen waren bereits Ende 2015 ins Rollen gekommen, nachdem mehrere Restaurant-Angestellte Anzeige wegen ihrer miserablen Arbeitsbedingungen erstattet hatten. Der Gastronomieverband Mallorcas verurteilte derweil die aufgeflogenen Praktiken. Die Vereinigung versicherte aber, dass es sich angesichts von mehr als 10 000 Lokalen auf der Insel um "Einzelfälle" handele.