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Ein Franke will gegen den BR klagen

Der Bamberger Rechtsanwalt Manfred Hofmann sieht in der Südlastigkeit des Bayerischen Rundfunks einen Verstoß gegen geltendes Recht.
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Auf München konzentrierte Medienmacht - das Funkhaus des Bayerischen Rundfunks Foto: dpa
Auf München konzentrierte Medienmacht - das Funkhaus des Bayerischen Rundfunks Foto: dpa
Er wirkt im persönlichen Gespräch eher ruhig, bedächtig, überlegt. Hat so gar nichts von einem Eiferer, oder gar Spinner - der Bamberger Rechtsanwalt Manfred Hofmann. Ob er denn wirklich gegen den bayerischen Rundfunk juristisch zu Feld ziehen wolle. Hofmann überlegt kurz, erklärt dann: Mittel- bis langfristig ja. Auf einen genauen Zeitpunkt will er sich nicht festlegen lassen. Dafür verdeutlicht er, worum es ihm bei seiner Klage geht. Da werde manches kolportiert, bewusst falsch dargestellt. Hofmann sieht im Programmgebaren des BR einen Verstoß gegen den Gleichbehandlungsgrundsatz. "Schauen Sie sich Artikel 4 des bayerischen Rundfunkgesetzes an. Darin heiße es, "die Sendungen des bayerischen Rundfunks sollen...der Eigenart Bayerns gerecht werden." Zu dieser Eigenart des Freistaats gehöre auch seine Heterogenität. Da gebe es neben den Altbayern eben auch noch Franken, Schwaben und Oberpfälzer. Insbesondere in BR-Serien und Fernsehfilmen werde diese Vielfalt einfach nicht berücksichtigt.

Ein verzerrtes Bild des Landes

Fatal sei das, weil andernorts in der Republik der Verdacht aufkommen könnte Bayern bestehe in der Tat nur aus Altbayern und die Region um München. Ein vollkommen verzerrtes Bild des Landes werde da gezeichnet. Zum Beweis listet Hofmann eine ganze Reihe bekannter und beliebter Serien und Filme der letzten Jahre auf. Angefangen von den "Münchner Geschichten" über "Kir Royal", die Serien "Irgendwie und sowieso" bis zum "Monaco Franze" spielten oder spielen nahezu alle Beiträge in Bayerns Süden. Und Fränkisches? Findet praktisch nicht statt. Und das ärgert Hofmann. Nicht, weil er ander Qualität dieser Serien Zweifel hätte. Im Gegenteil, die hätten ihm auch sehr gut gefallen, oft genug Kultstatus erlangt. Aber es gebe eben nicht nur das imageprägende Altbayern, sondern etwa auch Bamberg, Würzburg oder Bayreuth. Welterbestätten, die sich durchaus auch als Drehorte anbieten würden.

Dass der BR regelmäßig Nachrichten aus der Region sendet, dass es eigene Sendestudios in Nürnberg und Würzburg gibt, bestreitet der Jurist ja gar nicht. Es geht ihm um Spielfilme und Serien. Schon vor zehn Jahren hat er mal ein Jahr ausgewertet, erzählt Hofmann. Insgesamt gut 138 Stunden Filme mit altbayerischem Hintergrund hätte es da gegeben. Aus Franken sei nahezu nichts gekommen.

Damals habe er auch alle fränkischen Landtagsabgeordneten angeschrieben und um Unterstützung gebeten. Gerade mal ein Drittel habe reagiert. Der Tenor: neben einiger Ungläubigkeit habe die Haltung überwogen erst einmal abzuwarten.

Das will auch Manfred Hofmann. Zumindest noch eine Weile. Er setzt auf den Mainstream. Den könnten auch mit einiger zeitlicher Verzögerung Richter am Bundesverfassungsgericht nicht ignorieren. Und da sich immer mehr Leute fänden, die ebenfalls die Südlastigkeit des BR kritisieren, sieht Hofmann im Faktor Zeit einen Verbündeten.
Wenn der Zeitpunkt gekommen ist, mittel- oder langfristig, will er klagen.

Info:

Erfolgsaussichten
Spielraum Experten gehen davon aus, dass einer Feststellungsklage kaum Erfolg beschieden sein dürfte. Weil es stets einen Ermessensspielraum des Senders gebe, in dessen Rahmen darüber befunden werde, wie das Programm genau zu gestalten ist.

Ermessen Allerdings könnte ein Rundfunksender durch ein Verwaltungsgericht dazu aufgefordert werden, seinen Ermessensspielraum neu zu definieren. Konkreter könnte ein Gericht jedoch nicht werden. Da genügt schon ein Hinweis auf die Rundfunkfreiheit.


Beweise für die Südlastigkeit des BR
Ein Ergebnisprotokoll von Manfred Hofmann, erstellt zwischen September 2004 und August 2005 über Spielfilme und Serien, die nach Ort, Handlung, Sprache und Kultur
a) einen Bezug zu Franken haben
b) einen Bezug zu Altbayern haben.
Ergebnis zu a: null Sendungen
Ergebnis zu b: (ein Auszug)

1. Cafe Meineid, Gerichtsserie um die Fälle eines Münchner Richters
2. Der Millionenbauer, Serie um einen Bauer aus der Nähe Münchens
3.Die Hausmeisterin, Serie um eine Münchner Hausmeisterin
4.Die seltsamen Methoden des Franz Josef Wanninger, Krimiserie um einen Münchner Polizeiinspektor
5. Irgendwie und Sowieso, Serie um den Sohn eines oberbayerischen Großbauern
6.Königlich Bayerisches Amtsgericht, Serie um Gerichtsverhandlungen in Altbayern
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8.Rußige Zeiten, Serie um eine Münchner Schornsteinfeger