Berlin
Ehe für alle

Ehe für alle: Kirchen bewerten Entscheidung unterschiedlich - Schick äußert Bedenken

Die beiden großen Kirchen in Deutschland haben unterschiedlich auf die Bundestagsentscheidung zur "Ehe für alle" reagiert.
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Der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick hat sich via Facebook zur Bundestagsentscheidung zur Ehe für alle zu Wort gemeldet. Foto: Nicolas Armer/dpa
Der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick hat sich via Facebook zur Bundestagsentscheidung zur Ehe für alle zu Wort gemeldet. Foto: Nicolas Armer/dpa

Die beiden großen Kirchen in Deutschland haben am Freitag unterschiedlich auf die Bundestagsentscheidung zur "Ehe für alle" reagiert. Während die katholische Kirche sich kritisch äußerte, begrüßten Vertreter der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) den Beschluss.

Der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm schrieb bei Facebook: "Ich wünsche mir, dass jetzt weder Triumphgefühle auf der einen Seite noch Bitterkeit auf der anderen Seite den Ton angeben." Er wünsche sich vielmehr, dass ein neues Bewusstsein entstehe "für das wunderbare Angebot der Ehe, in lebenslanger Treue und Verbindlichkeit miteinander leben zu dürfen", erläuterte Bedford-Strohm.
 

 

 


Der Berliner Erzbischof Heiner Koch indes erklärte als Vorsitzender der Kommission für Ehe und Familie der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, er bedauere, dass der Gesetzgeber wesentliche Inhalte des Ehebegriffs aufgegeben habe, "um ihn für gleichgeschlechtliche Partnerschaften passend zu machen". Mit der Bundestagsentscheidung sei "eine differenzierte Wahrnehmung unterschiedlicher Partnerschaftsformen" aufgegeben worden, betonte Koch. Dabei bedeute Differenzierung nicht gleich Diskriminierung. Die Väter des Grundgesetzes hätten der Ehe einen so herausragenden Platz in der Verfassung gegeben, "weil sie diejenigen schützen und stärken wollten, die als Mutter und Vater ihren Kindern das Leben schenken wollen". Werde jetzt vor allem der Schutz von Beziehungen und die Übernahme gemeinsamer Verantwortung als Begründung für die Öffnung der Ehe vorgebracht, so bedeute dies eine wesentliche inhaltliche Umgewichtung und eine Verwässerung des klassischen Ehebegriffs, sagte Koch.

Auch der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick äußerte sich auf Facebook kritisch zur Bundestagsentscheidung. Das am Freitag verabschiedete Gesetz müsse gar auf vom Bundesverfassungsgericht auf seine Gesetzmäßigkeit überprüft werden, forderte Schick, denn: "Als das Grundgesetz verabschiedet wurde, hat der Gesetzgeber bei der Ehe die Verbindung von Frau und Mann im Sinn gehabt. [...] 2017 gilt, was 1949 gemeint war: Die Ehe von Mann und Frau und die daraus entstehende Familie genießen den besonderen Schutz des Staates." Schick bezieht sich damit auf Artikel 6 des Grundgesetzes. Allerdings heißt es darin wörtlich nur: "Ehe und Familie stehen unter dem besonderen Schutze der staatlichen Ordnung."

 

 

 





Der hessen-nassauische Kirchenpräsident Volker Jung begrüßte dagegen die Entscheidung des Bundestags vom Freitag. Er erklärte in Darmstadt, damit gehe eine "lange Geschichte der Diskriminierung zu Ende". Zudem stärke der Beschluss die Ehe "als Schutzraum einer verbindlichen, verlässlichen und verantwortungsvoll gelebten Partnerschaft". Seiner Meinung schwächt die "Ehe für alle" nicht die Ehe, wie manche befürchteten, sondern stärke sie in ihrer Eigenschaft als eine auf Dauer angelegte und verantwortungsvoll gelebte Verbindung zweier Menschen.

In der Entscheidung des Bundestags spiegelt sich nach den Worten des Kirchenpräsidenten auch "eine konsequente Weiterentwicklung der Neubewertung gleichgeschlechtlicher Lebenspartnerschaften wider". Jung zählt zu den Pionieren der Gleichstellung von Schwulen und Lesben in der evangelischen Kirche. Die hessen-nassauische Kirche war 2013 die erste Landeskirche in Deutschland, die die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare mit der Trauung heterosexueller Paare gleichgestellt und die Eintragung ins Kirchenbuch ermöglicht hat.

Der Bundestag hatte am Freitagmorgen in Berlin mit einer deutlichen Mehrheit die Öffnung der Ehe für homosexuelle Paare beschlossen.

 

 

 


Dafür stimmten in einer namentlichen Abstimmung 393 Abgeordnete - und damit auch ein gutes Viertel aus den Reihen der Union. Gegenstimmen gab es 226, vier Abgeordnete enthielten sich. epd/ak