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Gesundheit

Ebola-Fall in Berlin unwahrscheinlich - In Afrika bislang 1229 Tote

Die Sicherheitsmaßnahmen waren groß - der Ebola-Verdacht in Berlin ging aber wohl auf eine Magen-Darm-Erkrankung zurück. Anders in Afrika: Dort bekämpfen Einsatzkräfte die weiter steigenden Opferzahlen mit riesigen Quarantänezonen.
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Notarztwagen der Feuerwehr stehen am Dienstag vor einem Jobcenter in Berlin. Eine Frau, die aus Afrika kommt, wird wegen Verdachts auf Ebola von Notärzten behandelt. Foto: Maurizio Gambarini/dpa
Notarztwagen der Feuerwehr stehen am Dienstag vor einem Jobcenter in Berlin. Eine Frau, die aus Afrika kommt, wird wegen Verdachts auf Ebola von Notärzten behandelt. Foto: Maurizio Gambarini/dpa
Ein Ebola-Verdacht hat am Dienstag in Berlin stundenlang für Aufregung gesorgt. Erst am Nachmittag gab es dann vorläufige Entwarnung: Experten der Charité gingen davon aus, dass die 30-jährige Frau, die etwa eine Woche zuvor in Nigeria gewesen war, an einer Magen-Darm-Erkrankung litt. Die Resultate eines Bluttests standen am frühen Abend aber noch aus. In Afrika versuchen Helfer derweil, das Virus durch riesige Quarantänezonen unter Kontrolle zu bringen - die Zahl der Kranken und Toten stieg laut neuen Zahlen weiter deutlich an.

Die 30-jährige Frau hatte am Vormittag in einem Berliner Jobcenter über hohes Fieber geklagt. Sie wurde nach dem Notruf von Mitarbeitern zuerst in einem Notarztwagen isoliert und dann zur Untersuchung in die Infektionsabteilung der Charité gebracht. Die Polizei riegelte die Zufahrten zum Krankenhaus ab. Wegen des Ebola-Verdachts wurden auch sechs Menschen, die mit der Patientin Kontakt hatten, vorsichtshalber ins Krankenhaus gebracht. Alle anderen Besucher der Jobcenters, die zunächst im Haus bleiben mussten, durften das Gebäude nach rund zwei Stunden wieder verlassen, berichtete ein Feuerwehrsprecher.

Bislang erwies sich kein Verdacht außerhalb von Westafrika als Ebola. Auch zwei vermutete Fälle in Spanien und Belgien bestätigten sich am Dienstag nicht. Die ersten Anzeichen für Ebola ähneln mit hohem Fieber und Kreislaufproblemen den Symptomen vieler anderer Erkrankungen wie Grippe oder Malaria. Ebola ist aber weit weniger ansteckend als Grippe, das Virus wird durch den Kontakt mit Körperflüssigkeit eines Infizierten übertragen, die in Wunden oder Schleimhäute gelangt.

Durch die Ebola-Epidemie in Westafrika sind wahrscheinlich bereits mindestens 1229 Menschen umgekommen. Aus den vier direkt betroffenen Ländern Guinea, Liberia, Nigeria und Sierra Leone seien zwischen dem 14. und 16. August 113 neue Fälle gemeldet worden, teilte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) am Dienstag mit. 84 dieser Patienten seien gestorben.

Von den 1229 registrierten Todesfällen seien 760 eindeutig als Folge einer Infektion mit dem Virus bestätigt, bei den anderen Fällen bestehe ein begründeter Verdacht. Die WHO geht davon aus, dass die tatsächlichen Fallzahlen höher liegen, da vor allem in ländlichen Gebieten längst nicht alle Erkrankungen und Sterbefälle von den nationalen Gesundheitsbehörden registriert werden.

Die Bemühungen um die Eindämmung der Epidemie seien weiter verstärkt worden, berichtete die WHO. So hätten die Regierungen der betroffenen Länder inzwischen mehrere Quarantänezonen eingerichtet. Dazu gehörten auch ganze Städte - unter anderem Guéckédou in Guinea, Kenema und Kailahun in Sierra Leone sowie Foya in Liberia. Dort werden bereits rund eine Million Menschen vom Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen (WFP) mit Lebensmitteln versorgt.

In Nigeria - dem bevölkerungsreichsten Land Afrikas - teilte das Gesundheitsministerium mit, dass noch 195 Patienten wegen Ebola-Verdachts unter Beobachtung stehen. Bislang seien 12 Fälle bestätigt. Vier Ebola-Patienten hätten sich erholt und das Krankenhaus verlassen.

Derweil gab es in Liberia, wo bereits mehr als 460 Todesfälle registriert wurden, eine Teilentwarnung: Alle 17 mutmaßlich an Ebola erkrankten Patienten, die am Samstag aus einer von Plünderern angegriffenen Isolierstation in Monrovia geflohen waren, seien gefunden und in einer medizinischen Einrichtung untergebracht worden, berichtete der Sender BBC. Sie hätten sich freiwillig dort eingefunden, sagte Liberias Informationsminister Lewis Brown dem Sender. Die Flucht hatte Angst vor einer weiteren Ebola-Ausbreitung in der Hauptstadt ausgelöst.
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