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Bad Breisig
Todesfall

Dreijähriger verlässt Kita unbemerkt und ertrinkt - hätte das Unglück verhindert werden können?

Ein Dreijähriger büxt aus einer Kita aus und ertrinkt in einem Teich. Nun versuchen die Ermittler zu klären, ob das Unglück hätte verhindert werden können.
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Ein Dreijähriger büxt aus einer Kita aus und ertrinkt in einem Teich. Nun versuchen die Ermittler zu klären, ob das Unglück hätte verhindert werden können. Foto: Thomas Frey/dpa
Ein Dreijähriger büxt aus einer Kita aus und ertrinkt in einem Teich. Nun versuchen die Ermittler zu klären, ob das Unglück hätte verhindert werden können. Foto: Thomas Frey/dpa
Kerzen, Blumen und Trauerkarten am Kita-Eingang: Nach dem Tod eines Dreijährigen steht Bad Breisig unter Schock. "Das ist das Schlimmste, was einem Kindergarten passieren kann", sagt der Bürgermeister der Verbandsgemeinde in Rheinland-Pfalz, Bernd Weidenbach. Der kleine Junge hatte am Montagvormittag den Kindergarten Regenbogen unbemerkt durch eine unverschlossene Hintertür verlassen. Als sein Fehlen auffällt, beginnt eine Suchaktion. Später wird er in einem nahen, privaten Gartenteich gefunden, im Wasser treibend. Trotz Wiederbelebung stirbt er später im Krankenhaus.

Die Staatsanwaltschaft Koblenz ordnet eine rechtsmedizinische Untersuchung der Leiche an, um den vermuteten Tod durch Ertrinken zweifelsfrei zu klären. Geprüft wird auch, ob womöglich die Aufsichtspflicht verletzt wurde. Der städtische Kindergarten bleibt bis zum Wochenende geschlossen.

Erinnerungen an andere tragische Unglücke werden wach: 2010 wurde bei einem Kindergartenausflug nahe Bad Kreuznach ein sechsjähriges Mädchen von einem rollenden Baumstamm getötet, auf den es geklettert war. 2015 fiel im nordrhein-westfälischen Porta Westfalica ein 16 Monate alter Junge in einen mit nur wenigen Zentimetern Wasser gefüllten Maurerkübel - und ertrank.

Der Dreijährige in Bad Breisig ist Stadtbürgermeisterin Gabriele Hermann-Lersch zufolge durch eine von innen zu öffnende und den Kindern eigentlich unbekannte Fluchttür bei einem Lagerraum entwischt. Bei einem Feuer soll die Tür eigentlich Leben retten. "Das Kind ist sofort gesucht worden und trotzdem nicht gefunden worden", sagt Hermann-Lersch. Der Teich sei nur wenige Schritte von der Kita entfernt - aber in dem eingewachsenen Garten von außen nicht zu sehen. "Wir sind jetzt wie in einer Schockstarre. Das ist nicht zu begreifen." Der Junge sei das Nesthäkchen einer Familie mit zwei weiteren Söhnen im Alter von fünf und acht Jahren gewesen.

Der Kindergarten Regenbogen mit seinen fröhlichen bunten Blumen an den Fenstern hat rund 100 Kinder und 15 Erzieher. Personalnot habe es nicht gegeben, versichert die Bürgermeisterin der Stadt Bad Breisig, die gut 9000 Einwohner zählt. Notfallseelsorger kümmern sich um die Erzieher. An diesem Donnerstagabend ist ein Elternabend geplant, um Fragen zu beantworten. Verbandsbürgermeister Weidenbach sagt: "Es kann ja keine Schockstarre bleiben."

Der Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Rheinland-Pfalz, Klaus-Peter Hammer, weiß: "Erzieher haben eine sehr hohe Verantwortung. Ihre Aufsichtspflicht ist ein ganz heikles Thema. Sie stehen immer in dem Spannungsfeld, Kindern Freiraum zu lassen und sie zu behüten."

Oberstaatsanwalt Wissen betont, das sogenannte Todesermittlungsverfahren richte sich gegen keine bestimmte Person. "Wir versuchen, da sorgfältig und mit Ruhe ranzugehen." Der Tod kleiner Kinder sei auch für Polizisten und Staatsanwälte belastend.