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Gesundheit

Diskussion um Grippe: Wenn impfen nicht hilft

Geschützt und doch erkrankt - nicht ungewöhnlich, weil ein Restrisiko bleibt. Das Berliner Robert-Koch-Instituts empfiehlt dennoch eine Impfung.
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Geschützt und doch erkrankt - nicht ungewöhnlich, weil ein Restrisiko bleibt. Das Berliner Robert-Koch-Instituts empfiehlt dennoch eine Impfung. Foto: Fredrik von Erichsen/dpa
Geschützt und doch erkrankt - nicht ungewöhnlich, weil ein Restrisiko bleibt. Das Berliner Robert-Koch-Instituts empfiehlt dennoch eine Impfung. Foto: Fredrik von Erichsen/dpa
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Überlastete Notfallambulanzen, volle Wartezimmer in den Arztpraxen - das war die Lage vor zwei Wochen, als die Grippewelle im Land ihrem Höhepunkt zusteuerte. Der scheint inzwischen nach vorsichtiger Einschätzung der Experten des Robert-Koch-Instituts (RKI) allerdings überschritten.

Dennoch fragen sich einige Grippeschutzgeimpfte, was das mit der Impfung überhaupt noch soll, wenn man dennoch an Grippe erkrankt.

Susanne Glasmacher, Pressesprecherin des Berliner Robert-Koch-Instituts, wo auch die Geschäftsstelle der ständigen Impfkommission des Bundes untergebracht ist, versucht zu beruhigen. Eine Grippeimpfung wirkt nie so komplett, wie man das gerne hätte. Und sie erklärt auch, warum. Derzeit würden neben H1N2- besonders H3N2-Virustypen kursieren.

Letztere könnten gerade bei älteren Menschen oft Komplikationen auslösen. Diese zirkulierenden Viren würden im Robert-Koch-Institut genauestens untersucht und die Ergebnisse an die Weltgesundheitsorganisation (WHO) weitergeleitet. Dort würden dann - zumeist im Februar - Empfehlungen an die Impfstoffproduzenten für den Impfstoff der nächsten Saison ausgegeben.

Nur: Grippeviren könnten sich schnell verändern, neue Varianten entwickeln. Dann bestehe der Impfschutz eben nicht mehr in der gewünschten Form. Experten gehen dann von einem Impfschutz von nur noch etwa 25 Prozent aus. Ein solch mäßiger Impfschutz wäre aber immer noch besser als gar keiner, wirbt die RKI-Sprecherin dennoch für die Grippeschutz-Impfung.

Zumal es seit einigen Jahren gegenüber dem bisher üblichen Dreifachimpfschutz auch einen vierfachen gebe. Der sei allerdings wesentlich teurer. Kein Problem für den, der privat versichert ist. Hier trägt die Kasse die Kosten für den Vierfach-Impfstoff.


Gesetzlich Versicherte außen vor

Bei gesetzlich Versicherten ist das anders. Hier werde der teurere Impfstoff nach Aussage der AOK Bayern generell von der Kasse nicht übernommen. Wer auf Nummer sicher gehen will, muss sich den Impfstoff auf Privatrezept selbst besorgen. Die Kosten: Zwischen 20 und 25 Euro. Auch Hausmittel können helfen.

So habe der Gerbstoff des griechischen Cystus-Tees grippehemmende Wirkung, haben Wissenschaftler der Uni Münster herausgefunden. Römische Wissenschaftler setzen dagegen auf Rotwein. Mittags und abends sollte ein Glas getrunken werden. Das im Wein befindliche Resveratrol verhindere die Verbreitung des Grippevirus im Körper. Eine zumindest schmackhafte Therapie.


Das sagt ein Hersteller

Anke Helten, Sprecherin der GlaxoSmithKline GmbH & Co.KG in München, plädiert für einen verstärkten Einsatz des innovativen Vierfach-Grippe-Impfstoffs. Klar, ihr Unternehmen stellt diesen Impfstoff seit dem Jahr 2013 im Dresdner Werk des Pharmaunternehmens her.

Ihre Begründung ist freilich nachvollziehbar. Die bisher eingesetzten trivalenten Standard-Impfstoffe enthielten drei Virusstämme: die beiden Influenza- A-Subtypen und einen B-Subtyp. Seit einigen Jahren kursierten jedoch weltweit überwiegend vier verschiedene Virustypen.

So wurde bei der letzten Grippewelle in Deutschland mehr als die Hälfte aller Influenzaerkrankungen durch einen B-Virustyp verursacht, der im herkömmlichen Impfstoff nicht enthalten war. Ihr Fazit: Der Vierfach-Grippe-Impfstoff sei zwar teurer, schütze jedoch besser.


Das sagen die Kassen

Laut Aussage der AOK Bayern richten sich die Hersteller der Grippeimpfung bei der Zusammenstellung des Impfstoffs nach den Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Laut Ständiger Impfkommission (STIKO) seien Drei- und Vierfachimpfstoff gleichwertig, es gebe keine besondere Empfehlung für den Vierfachimpfstoff.

Die AOK führe in Bayern für die Arbeitsgemeinschaft der Krankenkassenverbände (ARGE) eine Ausschreibung bei den Herstellern durch. Der Zuschlag ergehe dann in der Regel an den günstigsten Anbieter. Seitens der AOK wird darauf hingewiesen, dass sich bei der Ausschreibung auch Hersteller von Vierfachimpfstoffen hätten bewerben können. Es habe allerdings keine entsprechenden Angebote gegeben. Aktuell gebe es auf dem deutschen Markt nur einen einzigen Vierfachimpfstoff mit geringem Marktanteil.


Das sagt das Ministerium

In Bayern wurden dem Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit allein in den ersten Wochen des Jahre 2017 11189 Grippefälle gemeldet. Diese labortechnisch bestätigten Fälle stellen in der Regel jedoch immer nur die Spitze des Eisbergs dar, die Dunkelziffer echter Influenzafälle liegt weitaus höher.

Bestätigt wurden vom Ministerium für die ersten Wochen des Jahres insgesamt 23 Grippetote im Freistaat. Die meisten davon gab es Niederbayern (8) und Oberbayern (7). Oberfranken (2) und Mittelfranken (4) kamen glimpflicher davon. Die zuständige Ministerin Melanie Huml (CSU) weist darauf hin, dass man sich neben der Impfung auch mit hygienischen Maßnahmen vor einer Ansteckung schützen kann. Dazu gehöre, sich nach Fahrten mit Bahn oder Bus die Hände zu waschen. Bei Grippesymptomen einen Arzt aufsuchen.