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Tourismus

Der Kreuzfahrt-Boom in Franken und seine Folgen

Ober-, Mittel- und Unterfranken vom Wasser aus kennenlernen - das schätzen immer mehr Urlauber. Inzwischen sind auf dem Main-Donau-Kanal regelmäßig 110 Kreuzfahrtschiffe unterwegs.
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Europakanal Nürnberg - hier können fünf Kreuzfahrtschiffe gleichzeitig anlegen. Die Stadt erweitert jetzt um fünf weitere Liegeplätze.  Foto: K.Angerstein
Europakanal Nürnberg - hier können fünf Kreuzfahrtschiffe gleichzeitig anlegen. Die Stadt erweitert jetzt um fünf weitere Liegeplätze. Foto: K.Angerstein
Im Jahr 1992 - also gerade mal vor 23 Jahren - legten im Nürnberger Hafen im Verlauf von 12 Monaten ganze neun Kreuzfahrtschiffe mit etwas über 1000 Passagieren an. In diesem Jahr rechnen die Verantwortlichen in der Frankenmetropole mit 1000 Schiffen. Die Entwicklung hat eine unglaubliche Rasanz angenommen. Per Schiff Franken kennenlernen - das ist offenkundig "in".

Auf dem Main-Donaukanal sind inzwischen knapp 50 Reedereien mit 110 Schiffen unter den Flaggen mehrerer europäischer Staaten unterwegs. Das reicht vom schweizerischen Basel bis zum vorgeblichen Heimathafen La Valetta auf Malta. Und die Schiffe werden immer größer. Sie sind bis zu 135 Meter lang, maximal 11,45 Meter breit. Breiter geht's nicht, weil die Schleusenkammern nur 12 Meter Breite aufweisen. Da muss bei Schleusvorgängen auf Backbord- und Steuerbordseite auf den Zentimeter manövriert werden.

Die Schiffe können bis zu 171 Passagiere aufnehmen. Und das in einem durchweg luxuriösen Kreuzfahrtambiente, das sich auch mit dem messen kann, was man von größeren Kreuzfahrtschiffen auf hoher See gewohnt sein mag. Kapitänsdinner mit festlichem Menü, Begrüßungscocktail, natürlich Vollpension. Wahlmöglichkeit zwischen Innen- und Außenkabine, das sind Selbstverständlichkeiten. Die Kundschaft, zumeist Amerikaner und Kanadier, schätzt im Fränkischen insbesondere die Städtehighlights Würzburg, Bamberg und Nürnberg. In Würzburg können die Schiffe unmittelbar unter der Festung Marienberg und damit in Altstadtnähe anlegen - geradezu ideal. Kein Wunder, dass sich hier die meisten Schiffe einfinden. Waren es im Jahr 2011 noch 627 Schiffe mit 88 000 Passagieren, rechnen die Verantwortlichen für das laufende Jahr mit 1050 Schiffen und 147 000 Passagieren.

Allein von 2013 auf 2014 stieg die Zahl der Anlegevorgänge hier um 40 Prozent. Wie übrigens auch in Nürnberg, wo in diesem Jahr ebenfalls 1000 Schiffe erwartet werden. Auch für Bamberg können sich die Zahlen sehen lassen. Nachdem im Jahr 2011 hier noch 514 Schiffe mit 76 000 Passagieren anlegten. Waren es 2014 bereits 796 Schiffe mit 129 000 Passagieren. Tendenz: Weiter steigend. Wirtschaftlich durchaus interessant, weil jeder Passagier im Schnitt bei einem Landbesuch 30 Euro ausgibt, so Nürnbergs Wirtschaftsreferent Michael Fraas. Aus diesem Grund verdoppelt man derzeit auch die Zahl der Liegeplätze. Kritik gibt's natürlich auch. Weil sich so mancher Franke vom immer weiter anschwellenden Touristenstrom schlicht belästigt fühlt. Dennoch: Wer von Passau nach Frankfurt, oder von Budapest nach Amsterdam unterwegs ist, die Bamberger Altstadt, die Würzburger Residenz oder die Nürnberger Kaiserburg, bleiben für Flusskreuzfahrer halt hochattraktive Reisehöhepunkte.


Am Rande

Ach, geh mir doch wech!

Die Entwicklung ist - schlicht unglaublich. Der Main-Donaukanal, schon immer ein umstrittenes Projekt, das in erster Linie eigentlich einmal für die Frachtschifffahrt vorgesehen war, macht zusehends Furore. Für die Personenschifffahrt. Luxusdampfer - Traumschiffe fürs Binnenrevier - verkehren zwischen Amsterdam und Budapest, und das rudelweise. Meist ältere Amerikaner nutzen die Gelegenheit, um auf diesem Weg fränkisches Kleinod vom Wasser aus zu genießen.

Da kann, vom Oberdeck aus, mit einem Glas Silvaner Richtung Festung Marienberg angestoßen werden. Schön für die Touristen. Mancher Einheimische mag dagegen die Entwicklung mit einer gewissen Skepsis verfolgen. Wenn sich in Bamberg zu den üblichen Touristenströmen auch noch die "Kreuzfahrer" gesellen und die Wege Richtung Domberg ganz und gar verstopfen, dann ist Unmut signalisierendes Geknirsche fränkischer Kauwerkzeuge unüberhörbar.

Aber so ist er halt, der Frank. Der so viel Fremdes in seinen Mauern gar nicht ausstehen mag. Schlimm, dass da jetzt auch noch dieses unkontrollierte Besetzen urfränkischer Gewässer wie Main und Regnitz durch ausländische Riesendampfer hinzu kommt. Was? Wie? Die Touristen bringen Geld mit? Fördern die Wirtschaft und den Handel? Ach, geh mir doch wech!