Elmau
Gipfeltreffen

Das G-7-Treffen in Elmau bot neben idyllischer Natur auch wegweisende Klimabeschlüsse

Am Anfang sträubten sich noch Kanada und Japan. Doch dann einigte sich die Runde im Schlosshotel auf eine globale Wende: Die Staats- und Regierungschefs wollen das Ende des Zeitalters von Kohle und Öl einläuten, um die Erderwärmung zu begrenzen.
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Bundeskanzlerin Angela Merkel und US-Präsident Barack Obama am 08.06.2015 auf Schloss Elmau in Elmau (Bayern) während eines Gruppenfotos mit den Gästen der Outreach Konferenz. Im Hintergrund stehen der irakische Ministerpräsident Haidar al-Abadi und EU-Ratspräsident Donald Tusk. Im Rahmen der G7 Konferenz treffen die G7 Staatschefs mit Staats- und Regierungschefs afrikanischer und arabischer Staaten zusammen. Foto: Peter Kneffel/dpa
Bundeskanzlerin Angela Merkel und US-Präsident Barack Obama am 08.06.2015 auf Schloss Elmau in Elmau (Bayern) während eines Gruppenfotos mit den Gästen der Outreach Konferenz. Im Hintergrund stehen der irakische Ministerpräsident Haidar al-Abadi und EU-Ratspräsident Donald Tusk. Im Rahmen der G7 Konferenz treffen die G7 Staatschefs mit Staats- und Regierungschefs afrikanischer und arabischer Staaten zusammen. Foto: Peter Kneffel/dpa
Die Erleichterung war Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am Montag deutlich anzumerken. Der G-7-Gipfel im oberbayerischen Schloss Elmau stand unter extremem Sicherheitsaufwand - und war doch fast völlig reibungslos verlaufen. Zwei Tage lang hatten die Staats- und Regierungschefs der sieben führenden Industrienationen umgeben von idyllischer Natur am Fuß der Wettersteinwand ungestört über Weltpolitik beraten.

Am Ende verabschiedeten die Regierungen Großbritanniens, Frankreichs, Deutschlands, Italiens, der USA, Kanadas und Japans eine 16-seitige Erklärung, mit dem Klimaschutz als zentralem Element. Für ihre Vorstöße erhielten die Regierungsvertreter Beifall: Viele Umwelt- und Entwicklungsaktivisten, die in den Tagen zuvor noch gegen die G-7-Politik demonstriert hatten, zeigten sich von den Gipfelergebnissen positiv überrascht.

Gegen den anfänglichen Widerstand Kanadas und Japans setzten Merkel
zusammen mit Frankreichs Staatschef François Hollande und US-Präsident Barack Obama in der G-7-Runde das Ziel durch, im Lauf des Jahrhunderts die weltweiten Kohlendioxid-Emissionen auf Null zu senken. Auf diese Weise soll die Weltgemeinschaft ihr vor langer Zeit formuliertes Vorhaben erfüllen können, die Erderwärmung auf maximal zwei Grad zu begrenzen. Bis 2050 sollen die weltweiten CO2-Emissionen um 40 bis 70 Prozent sinken - angepeilt werde "das obere Ende", berichtete Merkel.

Mit einer großen internationalen Agenda zu Klima, Hunger, Terrorismus bekennen sich die G-7-Staaten zu weltweiter Verantwortung. Dadurch erhofft sich die Gruppe, häufig als "elitärer Club der Reichen und Mächtigen" kritisiert, mehr Legitimität und Gewicht auf der globalen Bühne. Der G-7-Gipfel lieferte zugleich eine ehrgeizige Vorlage für die weiteren Weltkonferenzen, die in diesem Jahr anstehen: Von zentraler Bedeutung ist etwa die UN-Klimakonferenz in Paris im Dezember, auf der die Staatengemeinschaft ein neues Weltklimaabkommen aushandeln will.

Das "Ende des fossilen Zeitalters", das die G-7-Gruppe anstrebe, müsse nun auch innerhalb des Pariser Abkommens beschlossen werden, verlangt die Entwicklungsorganisation Germanwatch. Merkel selbst gab zu bedenken, dass Länder wie China und Indien noch ins Boot geholt werden müssten. Um weltweit die Energiewende hin zu Wind, Sonne und Wasserkraft voranzubringen, bekräftigen die sieben Industrienationen ihre Klimahilfen für Entwicklungsländer und wollen neue Initiativen starten.

Schon im nächsten Monat sollen wichtige Weichen gestellt werden, wenn Mitte Juli bei einer UN-Konferenz im äthiopischen Addis Abeba über Entwicklungsfinanzierung verhandelt wird. Dass den G-7-Ländern die Belange der südlichen Länder ernst sind, versuchte der Gipfel auch am Montag zu demonstrieren: Die Staats- und Regierungschefs Nigerias, Tunesiens, Liberias, Äthiopiens, Senegals sowie des Irak waren am zweiten Gipfeltag zu Gesprächen über Terrorabwehr, Armutsbekämpfung und Flüchtlinge eingeladen.

"Die G-7-Staaten sind seit langem in einer schwierigen Lage", erläutert der kanadische Politikwissenschaftler John Kirton mit Blick auf die Tausenden Demonstranten, die in die Alpen gekommen waren. Er forscht an der Universität von Toronto speziell zum Format der G-7. "Wenn sich eine solche Gruppe von Politikern zusammensetzt, nehmen die Bürger das schnell als Bevormundung wahr", sagte Kirton. Doch noch problematischer wäre es seiner Ansicht nach, wenn die G-7 in drängenden Fragen untätig blieben: "Wir können im Kampf gegen den Klimawandel nicht noch ein Jahr verlieren. Und wer sonst sollte diesen Kampf vorantreiben und finanzieren?"

Die Entwicklungsorganisation One zeigte sich angetan vom Versprechen der G-7, die extreme Armut und den Hunger in der Welt bis 2030 zu beseitigen. "Wird dieses Ziel nun solide finanziert, können wir Teil der Generation sein, die Armut beendet." Allerdings, so die Entwicklungsexperten, sei bis dahin noch ein weiter Weg zurückzulegen. "Das starke Ergebnis von Elmau darf kein Luftschloss sein."
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