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Gesundheit

Stress und Druck: Darum haben junge Leute immer öfter Kopfschmerzen

Vor allem junge Erwachsene leider immer häufiger unter Kopfschmerzen und Migräne. Die Gründe sind schnell gefunden.
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Die Zahl der Kopfschmerzpatienten ist laut Barmer Ersatzkasse gestiegen. Foto: Frank May, dpa
Die Zahl der Kopfschmerzpatienten ist laut Barmer Ersatzkasse gestiegen. Foto: Frank May, dpa
Kopfschmerzen können drücken, stechen, pochen oder hämmern - die Medizin kennt 250 Arten. Besonders Migräneanfälle, die mit Lichtempfindlichkeit, Schwindelgefühlen und Übelkeit einhergehen, machen den Betroffenen oft tagelang das Leben zur Hölle.

Immer mehr Deutsche werden regelmäßig von Kopfschmerzen geplagt. Vor allem bei jungen Erwachsenen haben die Beschwerden extrem zugenommen. Das offenbart nun eine Studie.


1,3 Millionen Menschen zwischen 18 und 27 Jahren


Wie aus dem neuen Arztreport der Ersatzkasse Barmer hervorgeht, leiden 1,3 Millionen Bundesbürger im Alter
zwischen 18 und 27 Jahren unter ärztlich diagnostiziertem Kopfschmerz - das sind 42 Prozent mehr als vor zehn Jahren. In der Gesamtbevölkerung ist die Zahl der Diagnosen mit gut zwölf Prozent nicht so stark gestiegen. Insgesamt sind rund 7,6 Millionen Menschen von Kopfschmerz betroffen.

Warum gerade junge Leute so häufig unter Kopfweh leiden, dafür habe man bislang keine Erklärung, sagt Barmer-Vorstandschef Christoph Straub. Sicher sei, dass sich das Phänomen nicht etwa mit den Nachwirkungen alkoholschwangerer Studentenpartys abtun lasse.

Der Druck auf die jungen Leute steigt massiv an

Vielmehr sei zu vermuten, dass der Druck auf die jungen Leute in Gesellschaft, Ausbildung und Beruf massiv angestiegen sei und sich etwa in Form von Spannungs-Kopfschmerzen oder Migräne äußere. Die Zahl der Fälle sei in Wirklichkeit wohl noch deutlich höher, da gerade junge Menschen tendenziell seltener zum Arzt gehen.

Gleichzeitig seien gerade bei jungen Menschen die drohenden Auswirkungen der Kopfschmerzen besonders gravierend. "Wenn der Alltag durch Kopfweh zur Qual wird, kann das die berufliche Existenz oder den Erfolg in Ausbildung oder Studium gefährden", sagt Straub.


Mehr Schmerzmittel werden verschrieben

Besorgniserregend sei auch, dass laut der Studie immer mehr Schmerzmittel gegen Kopfschmerzen verschrieben werden. Sogar bei Kindern nehme der Tablettenkonsum ein bedenkliches Ausmaß an. 40 Prozent der Kinder und Jugendlichen zwischen neun und 19 Jahren greifen bei Kopfweh zu Medikamenten. Insgesamt werden immer mehr Pillen genommen, wobei die Studie nur die verschreibungspflichtigen Medikamente erfasse.

Bei den 18- bis 27-Jährigen ist die Verschreibungsrate von Migränemitteln in zehn Jahren um fast 60 Prozent gestiegen. Zwar sind Medikamente in manchen Fällen sinnvoll, doch ein Dauerkonsum birgt erhebliche Risiken. Eine bestimmte Gruppe von Migränemedikamenten hat als Nebenwirkung ausgerechnet Kopfweh.

"Die Dosis macht das Gift, wer immer wieder zu Medikamenten greift, um Kopfschmerzen loszuwerden, landet im schlimmsten Fall in einem Teufelskreis aus Tablettenkonsum und Dauerkopfschmerzen. Die Betroffenen sitzen dann in einer Pillenfalle", warnt Straub.



Gerade gegen das Volksleiden Kopfschmerz gebe es bewährte Vorbeugungsmaßnahmen. Entspannungstechniken, Sport und gesunde Lebensführung könnten den Betroffenen manches Medikament ersparen.
Die Barmer habe mit Projekten an Schulen, Universitäten und in Firmen die erfreuliche Erfahrung gemacht, dass sich mit Aufklärung und Prävention Kopfschmerzattacken vielfach vermeiden ließen.


Wer mit Migräneattacken kämpft, sollte einen festen Tagesrhythmus einhalten. Das heißt vor allem: zur gleichen Zeit schlafen gehen und aufstehen sowie zu festen Zeiten essen. "Das Nervensystem muss zur Ruhe kommen", erklärt Prof. Hartmut Göbel, Chefarzt der Schmerzklinik Kiel. Deswegen helfe es Migränepatienten auch, spazieren zu gehen, Sport zu treiben oder Entspannungsübungen zu machen.

Während Migräne auf eine genetische Veranlagung zurückgeht, entstehen sogenannte Spannungskopfschmerzen meist durch Fehlhaltungen, zum Beispiel, weil jemand den ganzen Tag am Computer sitzt. "Der Kopfschmerz ist dann als Warnsignal zu verstehen." Wer nicht dagegen arbeitet, indem er regelmäßig aufsteht, Dehnübungen macht oder zum Sport geht, riskiert eine Schmerzkrankheit. Ist der Schmerz erstmal chronisch vorhanden, sei es deutlich schwieriger, ihn zu behandeln, warnt Göbel.

Bernhard Junginger /dpa