Bamberg
Vorsorge

Darmkrebs ist ein heimlicher Killer - aber es gibt Hoffnung

Rechtzeitig erkannt kann die Erkrankung geheilt werden. Deshalb wurde der März zum Darmkrebsmonat erklärt.
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Die Darmspiegelung (Koloskopie) ist die sicherste Methode zur Früherkennung bei Darmkrebs. Zur Untersuchung des Darms nutzt der Arzt einen flexiblen Schlauch. Foto: Darmkrebszentrale
Die Darmspiegelung (Koloskopie) ist die sicherste Methode zur Früherkennung bei Darmkrebs. Zur Untersuchung des Darms nutzt der Arzt einen flexiblen Schlauch. Foto: Darmkrebszentrale
Darmkrebs ist der zweithäufigste bösartige Tumor bei Frauen und Männern. Etwa 26 000 Menschen sterben jährlich daran. Das müsste nicht sein: Darmkrebs ist heilbar, wenn er frühzeitig erkannt wird. Um auf die - in manchen Fällen lebensrettende - Notwendigkeit der Vorsorgeuntersuchungen aufmerksam zu machen, wird heuer zum 16. Mal der März zum "Darmkrebsmonat" erklärt.

Initiator ist die international aktive Felix Burda Stiftung in München. Sie wurde 2001 von Christa Maar und Verleger Hubert Burda gegründet und trägt den Namen ihres 2001 an Darmkrebs verstorbenen Sohnes. Auf ihr Betreiben hin wurde 2002 die kostenlose Vorsorge-Darmspiegelung eingeführt, seit 2003 zeichnet sie herausragende Projekte auf dem Gebiet der Darmkrebsvorsorge mit dem Felix Burda Award aus. Zu den Stiftungs-Projekten gehören neben dem Darmkrebsmonat auch Europas größtes Darmmodell und die Unterstützung der betrieblichen Darmkrebsvorsorge.


Themenabend

Unter dem Titel "Darmgesundheit - Grundvoraussetzung für ein langes Leben" findet am Donnerstag, 9. März, um 18.30 Uhr ein Vortrag in der Zentrale der Mediengruppe Oberfranken (Gutenbergstraße 1, Bamberg) statt. Heilpraktiker Wolfgang Spiller gibt Tipps für einen gesunden Darm, zeigt Faktoren auf, die das Darmsystem schädigen sowie Möglichkeiten zur Vorbeugung. Der Eintritt beträgt 12 Euro für Abonnenten und 15 Euro für Nichtabonnenten. Anmeldung unter www.infranken.de/abovorteil oder unter der kostenlosen Hotline: 0800/5005080.


Das Wichtigste im Überblick

Im Rahmen des Darmkrebsmonats März fassen wir im Folgenden die wichtigsten Punkte dieser Erkrankung zusammen.


1. Darmkrebs ist eine stille Krankheit und verursacht zunächst keine Symptome.

Darmkrebs ist heilbar, jedoch nur, wenn er frühzeitig erkannt wird. Deshalb sind regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen so wichtig. "Leider nehmen viel zu wenige den kostenlosen Check beim Arzt in Anspruch", sagt der Gastroenterologe Prof. Michael Sackmann, Chefarzt am Bamberger Klinikum.
"Wenn die ersten Symptome von Darmkrebs wie Blut im Stuhl, Leibschmerzen oder Durchfall und Verstopfung im Wechsel auftreten, ist oft schon viel Zeit vergangen, in der man die Krankheit hätte wirksam bekämpfen können."


2. Der Begriff Darmkrebs bezeichnet einen bösartigen Tumor im Dickdarm oder Mastdarm.

Bösartige Tumoren im Dünndarm sind im Gegensatz dazu äußerst selten. Darmkrebs tritt in den verschiedenen Abschnitten des Dickdarms (Kolonkarzinom) unterschiedlich häufig auf. Mehr als die Hälfte aller Darmtumoren findet man im letzten Darmabschnitt, dem Mastdarm (Rektumkarzinom) und dem angrenzenden Sigma.


3. Darmkrebs zählt zu den am besten erforschten Krebsarten beim Menschen.

Etwa 90 Prozent der Darmkrebserkrankungen entwickeln sich aus zunächst gutartigen Darmpolypen. Diese Entartung vom Darmpolyp (Adenom) zum Krebs (Karzinom) kann rund zehn Jahre dauern. "Wir bezeichnen dieser Entwicklung als Adenom-Karzinom-Sequenz", erklärt Sackmann.
Ursache dafür sind aufeinander folgende Genveränderungen an den Schleimhautzellen der Darmwand. "Sie führen schließlich zum Verlust der natürlichen Wachstumskontrolle der Zellen, sodass diese sich als Krebszellen bösartig und zerstörerisch ausbreiten können."


4. Eine wichtige Aufgabe der Vorsorge ist es, die Darmpolypen rechtzeitig zu entdecken und zu entfernen, bevor sie sich zu einem Darmkrebs entwickeln können

Darmpolypen verursachen quasi keine Beschwerden und können nur mit Hilfe der Darmkrebsvorsorge aufgespürt werden. "Durch eine rechtzeitige Vorsorge lässt sich die Erkrankung zu nahezu 100 Prozent verhindern", sagt Sackmann.


5. Darmkrebs ist der zweithäufigste bösartige Tumor bei Frauen und Männern.

Jährlich erkranken in Deutschland circa 63 000 Menschen neu daran, etwa 26 000 sterben jedes Jahr an den Folgen. Darmkrebs gibt es selten bei jüngeren Menschen, häufiger ab 50 bis 60 Jahren.


6. Bei ca. 30 Prozent der Darmkrebsfälle liegt ein familiäres Risiko zu Grunde, weil in der Familie bereits Fälle von Darmkrebs oder Darmpolypen bekannt sind.

Damit erhöht sich das Risiko für andere Familienmitglieder, insbesondere für Verwandte ersten Grades wie Großeltern, Eltern und Kinder, selbst an Darmkrebs zu erkranken - auch in jungen Jahren. Es bedeutet aber nicht, dass Verwandte zwangsläufig an Darmkrebs erkranken werden.


7. Außer familiärer Vorbelastung, Blut im Stuhl oder bereits entfernten Polypen gibt es weitere Risikofaktoren

Fehlende Bewegung, Übergewicht und Alkohol. "Auch eine ungesunde Ernährung mit viel rotem Fleisch, Fett und Zucker, wenig Obst, Gemüse oder Vollkornprodukten ist ungünstig", warnt Sackmann.


8. Mit dem Alter steigt das statistische Risiko für Darmkrebs.

Deshalb gibt es folgende gesetzliche Vorsorgeleistungen: Ab 50 Jahren die jährliche Durchführung eines Stuhltests (Hausarzt) und ab 55 Jahren eine Darmspiegelung (Gestroenterologe). Sie muss bei negativem Befund in der Regel erst nach zehn Jahren wiederholt werden.


9. Je früher Darmpolypen und Darmkrebs entdeckt werden, desto größer sind die Heilungschancen.

Genauso wichtig ist es, einen einmal entdeckten Tumor genau abzuklären. "Um Darmkrebs sowie etwaige Metastasen zielgenau und mit den passenden Mitteln zu behandeln, ist ein exaktes Bild der Erkrankung wichtig", erklärt Sackmann. Neben den Standardmethoden zur Vorsorge wie Stuhluntersuchung, Bluttest und Darmspiegelung stehen Ultraschall und Röntgen sowie moderne Hightech-Diagnoseverfahren wie Computer- und Magnetresonanztomographie, Positronen-Emissions-Tomographie und die virtuelle Koloskopie zur Verfügung.


So läuft eine Darmspiegelung ab

So mancher Patient hat Angst vor der Darmspiegelung - weil er nicht genau weiß, was auf ihn zukommt. Gut aufgeklärt kann man beruhigter in die Untersuchung gehen.


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