Bamberg

Chemtrails, Bermuda-Dreieck und Ufos?

Der Staat, die Geheimdienste, Unternehmen: Alle wollen nur das Beste. Und zwar die Daten der Bürger. So richtig sicher kann sich niemand mehr fühlen, sagen Experten. Und die Bürger nehmen diese "Verschwörung" gegen ihre Rechte erstaunlich gelassen, anders als so manche obskure Verschwörungstheorie.
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George Orwells Horrorvision des Überwachungsstaates manifestierte sich im Teleschirm, durch den der "Große Bruder" die Bürger überall und jederzeit im Blick hat. "1984" gab es weder E-Mail noch Suchmaschinen. Diese Technik macht die "Großen Brüder" heute mächtiger, als Orwell je zu fürchten wagte.

"Feind hört mit!" Das war das Motto von Propaganda-Kampagnen während des Zweiten Weltkriegs; zunächst in Nazi-Deutschland, das das Einschalten von "Feindsendern" im Radio unter Strafe stellte, später bei den Alliierten. Nach 1945 wurde das Motto im Kalten Krieg auf den Kopf gestellt: Der große Lauschangriff von West nach Ost fand auch in Franken statt.

Ein Wahrzeichen dieses Wettrüsten mit elektronischen Ohren steht auf dem Zabelstein im Steigerwald. Heute nutzt das Technische Hilfswerk den früheren Horchposten der US-Army offiziell zu "Trainingszwecken". Warum man dazu einen zweireihigen Stacheldrahtzaun braucht, der einen Hauch von Eisernen Vorhang an diesem lauschigen Platz vermittelt, kann/will aber niemand sagen.


Unbegrenzte Möglichkeiten

Auch der Zweck der zahlreichen Antennen auf den beiden Masten ist geheim. Mobilfunk, Betriebsfunk, schnelles Internet "over Air", Katastrophenschutz und Luftwaffe - das sind Stichwörter, die man erhält, wenn man bei Landratsämtern und Mobilfunkanbietern fragt.

Haben die Amerikaner mit dem Fall des Eisernen Vorhangs auch am Zabelstein ihr gesamtes Equipment eingepackt? Ein ehemaliger Fernmeldetechniker der Post hat da seine Zweifel, und die werden mit jeder neuen Schlagzeile über die Lauschattacken von NSA und Co. größer: "Schon vor 25 Jahren, als noch keiner das Internet kannte, waren die Möglichkeiten der Überwachungstechnik unbegrenzt", sagt der Experte im Ruhestand, der unerkannt bleiben will.


Der Kalte Krieg in Franken

Er erinnert zum Vergleich an die geheime Tätigkeit der zivil gekleideten Wallmeister der Bundeswehr im Grenzland zwischen West und Ost: Die in fränkischen Straßen und Brücken vorgehaltenen Sprengschächte und die als "Wasserbehälter" getarnten Sprengstoffdepots waren nur ein Teil des mit allen Mitteln geführten Kalten Krieges.
Und heute? "Die Daten der Bürger sind das Erdöl des 21. Jahrhunderts." Unerschöpflich! Das sagt Thomas Kranig, der Leiter des Landesamtes für Datenschutzaufsicht in Ansbach. Für ihn hat wie für den Datenschutzbeauftragten Thomas Petri der "Lauschangriff" zwei Säulen: zum einen die nahezu ungezügelte Daten-Sammelwut von Unternehmen und staatlichen Stellen, zum anderen den allzu sorglosen Umgang vieler Bürger mit ihrer Privatsphäre.


Grundvertrauen und Verdacht

In sozialen Netzwerken geben die User heute Auskünfte, die bei den letzten Volkszählungen einen Sturm der Entrüstung und eine Flut von Klagen ausgelöst haben. "Wir haben es ein Stück weit in der Hand, beim Umgang mit Daten unsere Privatsphäre zu schützen", sagt Kranig; und bei der gesetzlich beschränkten und kontrollierten Datennutzung durch staatliche Stellen habe er selbst doch ein "gewisses Grundvertrauen".

Die Schlagzeilen zu den NSA-Aktivitäten lassen Kranig aber nicht kalt, auch wenn er die Geheimdienste nicht unter Generalverdacht stellen mag. Aber: "Wenn die es auf mich abgesehen haben, kriegen sie mich." Im "Datenkrieg 21" könnte das Motto lauten: Der Große Bruder lauscht, und Freund hört mit.


Verschwörungstheorien - Mythos und Wahrheit

Ernst Stuhlinger verzweifelte schier an den Gerüchten, die Mondlandung der Nasa habe nie stattgefunden; sie sei in Hollywood gedreht worden. Für den aus dem Main-Tauber-Kreis stammenden Mitarbeiter des Raketenpioniers Wernher von Braun war diese moderne Verschwörungstheorie ein Beweis für die unausrottbare Ignoranz vieler Menschen: "Der Weg zum Glauben ist kurz und bequem, der Weg zum Wissen lang und steinig", sagte er. Heute beobachten Gelehrte, etwa die Skeptiker der Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften (GWUP) in Bamberg, eine Renaissance von pseudoreligiösen und halbwissenschaftlichen Phänomenen. Und das nicht nur in der wachsenden "bildungsfernen" Schicht. Im Internet verbreiten sich neue "Wahrheiten" in Windeseile; je simpler, desto schneller. Wer an die islamistische Weltverschwörung glauben will, verlässt sich lieber auf Facebook-Beiträge als auf die "Lügenpresse" oder auf Fachleute, die als Teil des Systems gelten. Deshalb gibt es eine Flat Earth Society. Der Mond ist ein Fake und die Erde eine Scheibe

Chemtrails

as Gerücht hält sich seit einem guten Jahrzehnt so hartnäckig wie ein Kondensstreifen am Winterhimmel: Geheime Mächte wollen uns mit Chemtrails vergiften - aus Flugzeugen würden tonnenweise Chemikalien oder Mikropartikel aus Aluminium versprüht. Diese Substanzen sollen je nach "Theorie" entweder das Weltklima verändern oder die Gehirnströme manipulieren oder Männer unfruchtbar machen. Als Beleg dienen Aufnahmen der vielen Kondensstreifen am Himmel. Dieser Teil der beinahe religiösen Chemtrails-Mystik hat einen realen Hintergrund: Der Flugverkehr hat in den letzten Jahren enorm zugenommen. Viele Verkehrsflugzeuge sind wegen des Gedrängels am Himmel heute in mehr als 12 000 Metern Höhe unterwegs. Dort bilden sich wegen der Kälte aus den heißen Abgasen der Triebwerke oft sehr langlebige Kondensstreifen. Das ist alles. Wie es überhaupt möglich sein sollte (abgesehen von den enormen Kosten), solche Mengen von Chemikalien heimlich in die Luft zu bringen, bleibt das Geheimnis der Chemtrails-Gemeinde.


Dunkelgräfin

807 erschien in Hildburghausen ein merkwürdiges Paar: ein Herr, der sich Vavel de Versay nannte, und eine Dame, die stets nur tief verschleiert zu sehen war. Beide lebten abgeschieden im Schloss Eishausen. Das Paar zeichnete sich durch Wohltätigkeit aus und wurde zu Lebzeiten zu einem Mythos: Man nannte sie nur Dunkelgraf und Dunkelgräfin. Lange Zeit hielt sich das Gerücht, die Gräfin sei eine Königstochter gewesen und habe sich deshalb in die Abgeschiedenheit Thüringens geflüchtet: Um Madame Royale, die Tochter von Ludwig XVI. und Marie Antoinette von Frankreich, wurde ein ganzer Schleier von Legenden und Spekulationen gesponnen, ähnlich wie um das Ansbacher Findelkind Kaspar Hauser. Heute weiß man, dass der Graf ein holländischer Diplomat namens Leonardus Cornelius van der Valck war. Die Identität der Dame hingegen ist ungeklärt; ein Aufsehen erregendes Wissenschaftsprojekt mit DNA-Analyse und kriminalistischen Methoden lieferte 2014 nur den Beweis dafür, dass die dunkle Gräfin nicht von königlichem Blut war.


John F. Kennedy

Wäre John F. Kennedy einfach nur US-Präsident gewesen, sein gewaltsamer Tod wäre nicht zum Teil eines Mythos geworden. "JFK" war aber auch eine schillernde Persönlichkeit, mit dem Onassis-Clan und Marylin Monroe verbandelt und damit Teil des Jetsets . Das und die zweifellos teilweise chaotischen Untersuchungen nach den tödlichen Schüssen am 22. November 1963 in Dallas, Texas, geben Verschwörungstheorien bis heute Nahrung. Und keineswegs nur in obskuren Kreisen. Jim Garrison, ein Staatsanwalt aus New Orleans, machte die "Kennedy-Verschwörung" 1967 zu einem Kriminalfall mit Ermittlungen und Gerichtsverhandlung (von Oliver Stone mit Kevin Kostner verfilmt: JFK - Tatort Dallas). Tatsache ist: Es gibt Ungereimtheiten um das Attentat auf den 35. US-Präsidenten. Aber niemand konnte bis heute stichhaltige Beweise dafür vorlegen, dass Lee Harvey Oswald Mittäter hatte, gar Teil einer Verschwörung gegen den Präsidenten war. Oswald wurde kurz nach der Tat erschossen - damit starb der wichtigste Zeuge zum "Fall JFK".


11. September 2001

Die Anschläge vom 11. September 2001 in den USA waren eine Verschwörung: Über Jahre planten fanatische Islamisten mit Unterstützung des Terror-Netzwerks El Kaida eine Serie von Anschlägen mit entführten Verkehrsflugzeugen. Wie die Vorbereitungen unentdeckt bleiben und warum die Todesflüge am Ende nicht verhindert werden konnten, ist eine Frage, die nicht nur die Angehörigen der fast 3000 Todesopfer beschäftigt. Tatsache ist, dass die Selbstmordattentäter mit gnadenloser krimineller Energie vier Flugzeuge kaperten und in die Zwillingstürme des World Trade Centers in New York sowie in das Pentagon in Washington lenkten. Die vierte Maschine zerschellte auf freier Flur, nachdem offenbar Passagiere sich gegen die mit Teppichmessern bewaffneten Entführer zur Wehr gesetzt hatten. Trotz der eindeutigen Beweise brodelt die Gerüchteküche: Die CIA oder das US-Militär steckten hinter den Anschlägen, ins Pentagon stürzte ein ferngelenkter Marschflugkörper, keine Passagiermaschine. Alles so geheim, dass es nicht zu beweisen ist .


Sind die Aliens unter uns?

Himmlische Phänomene haben die Menschheit zu allen Zeiten und in allen Kulturen fasziniert - und je mehr der vermeintlichen Rätsel die Wissenschaft zu erklären vermochte, umso eifriger wurde und wird spekuliert. Der Glaube an "fliegende Untertassen" und "kleine grüne Männchen" zählt zu den Klassikern unter Anhängern von Verschwörungstheorien. Die älteste bekannte Darstellung einer Ufo-Sichtung (Ufo steht für unidentifiziertes Flugobjekt) stammt aus der Zeit des ägyptischen Pharaos Thutmosis III (um 1430 vor Christus): Der Chronist berichtet von "Kreisen aus Feuer" am Himmel. Ähnlichen Inhalts ist die Schilderung des "Nürnberger Himmelsspektakels" von 1561. Die moderne Ufo-Geschichte startet 1947, sicher nicht zufällig mit dem Beginn der Ost-West-Krise und dem Wettrüsten auch am Himmel. Eine Frage können Ufo-Gläubige nicht schlüssig beantworten: Wenn sich Wesen aus dem All auf den weiten und beschwerlichen Weg zur Erde machen: Warum betreiben sie dann so eine Geheimniskrämerei und tauchen nur ab und zu auf?


Das Bermuda-Dreieck

Das rätselhafte Schicksal des Fluges MH 370 beweist es: Auch in unserer modernen Welt können Dinge passieren, für die es erst einmal keine vernünftige Erklärung gibt. Und das spurlose Verschwinden eines riesigen Passagierflugzeuges ist in der Tat ein Rätsel. Aber: MH 370 verschwand nicht im berüchtigten Bermuda-Dreieck. Tatsächlich hat es in diesem Seegebiet im westlichen Atlantik nicht mehr unerklärliche Phänomene gegeben als in anderen Regionen der bis weithin unerforschten Ozeane. Für 30 Meter hohe Killerwellen, die bis vor wenigen Jahren als Seemannsgarn galten, gibt es heute wissenschaftliche Belege. Und auch für die wenigen Ereignisse im Bermuda-Dreieck, die tatsächlich bis heute Rätsel aufgeben wie das Verschwinden von Flugzeugen oder Schiffen, lassen sich höchst irdische Erklärungen finden. Populär wurde das "Schwarze Loch" im Ozean durch einen Bestseller von Charles Berlitz in den 70er Jahren. Berlitz wurde daneben vor allem mit seinen teils pseudowissenschaftlichen Veröffentlichungen über Atlantis bekannt.


Fragen zum Datenschutz?

Landesamt Das Bayerische Landesamt für Datenschutzaufsicht ist eine von zwei Stellen in Bayern, an die sich Bürger wenden können, die sich Datenklau ausgesetzt fühlen: www.lda.bayern.de, Telefonnummer 0981/53-1300.
Beauftragter Das Landesamt legt den Schwerpunkt auf den Datenschutz in Firmen, den öffentlichen Bereich hat der Landesbeauftragte für den Datenschutz, Thomas Petri, im Auge: www.datenschutz-bayern.de, Telefon 089/2126720.