Frankfurt am Main
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Börsen im Höhenrausch: Wie lange hält die Dax-Party an?

Die Börsen sind im Höhenrausch. Die Notenbanken fluten die Märkte weiter mit extrem billigem Geld, ein Ende der Krisenpolitik ist nicht in Sicht. Was viele Anleger freut, birgt langfristig Gefahren.
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Symbolbild: dpa
Symbolbild: dpa
Wohin mit dem billigen Geld? Für viele Profi-Anleger ein klarer Fall: An die Börse. Kaum verwunderlich also, dass der deutsche Leitindex Dax zum zweiten Mal binnen vier Monaten einen Höchststand eroberte: Am Montag kletterte das Börsenbarometer zeitweise auf 8626,11 Punkte - Rekord in der 25-jährigen Dax-Geschichte. Gar schon länger auf der Überholspur ist in diesem Jahr der kleine Bruder MDax: Der Index der 50 mittelgroßen Werte knackte im Mai die Marke von 14.000 Punkten und notiert inzwischen über 15.000 Zählern. Börsenkenner warnen jedoch: Ewig geht die Party nicht weiter.

Fachleute wie Robert Halver, Marktstratege der Baader Bank, erklären die derzeit gute Stimmung so: "Die weltweite Konjunktur bleibt stabil, die Finanzwelt steht immer noch brusthoch in Liquidität, und die Renditen auf Zinstitel sind uninteressant." Heißt: Weil Notenbanken die Märkte mit billigem Geld fluten und gleichzeitig
klassische Sparprodukte wie Tages- und Festgeld kaum Zinsen abwerfen, ist die Börse für Anleger so interessant wie selten.

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat klar gemacht, dass sie den Geldhahn so schnell nicht zudrehen wird. Der Leitzins im Euroraum werde für längere Zeit auf dem aktuellen Rekordtief von 0,5 Prozent verharren oder sogar noch sinken. Und in den USA macht der Rückzug des frühere Wirtschaftsberaters von US-Präsident Barack Obama, Larry Summers, für den Chefposten der Notenbank Fed Anlegern Hoffnung auf ebenfalls weiterhin weit geöffnete Geldschleusen. Damit wäre auch in den nächsten Monaten viel Geld unterwegs, das angelegt werden muss.

Experten sehen daher trotz der jüngsten Kursgewinne an der Börse noch Luft nach oben: Sie sehen den Dax jenseits von 9000 Punkten. "Das Ende der Fahnenstange ist offensichtlich noch nicht erreicht", meint Fidel Helmer, Leiter des Wertpapierhandels der Privatbank Hauck & Aufhäuser. Doch aus jahrzehntelanger Erfahrung weiß der Börsenkenner: "Je höher der Dax steigt, umso größer wird die Gefahr, dass es wieder einen kräftigen Rückschlag gibt."

Auch die Ökonomen des Frankfurter Bankhauses Metzler treten auf die Euphoriebremse. Vor allem billiges Zentralbankgeld im Kampf gegen Rezession und Schuldenkrise sei der Grund für den "Scheinaufschwung": "Dass solch eine Politik zu Krisen führt, haben zuletzt die Schwellenländer erfahren müssen. Künstlich gedrückte Zinsen und stark ausgeweitete Geldmengen sorgen für ein Aufblähen der Preise von Aktien und Anleihen". Das verführe wiederum Investoren, immer stärker ins Risiko zu gehen.

Es offenbare sich eine immer größere Abhängigkeit von der Politik des billigen Geldes, konstatierten die Metzler-Experten: "Angesichts weiter steigender Verschuldung kommen die Märkte unseres Erachtens nicht mehr ohne Doping aus."

Privatanleger in Deutschland lassen sich von der Aussicht auf schnelle Gewinne bisher denn auch weniger locken. Zwar stieg im ersten Halbjahr 2013 die Zahl derer, die direkt in Aktien investierten, auf rund 4,9 Millionen und damit auf den höchsten Stand seit 2003. Doch nach jüngsten Zahlen des Deutschen Aktieninstituts sank zugleich die Zahl der Anleger, die über Fonds indirekt Geld in Aktien steckten.

Unter dem Strich hatten somit rund 9,4 Millionen Anleger in Deutschland direkt und/oder indirekt Geld am Aktienmarkt investiert. Im Durchschnitt des Jahres 2012 waren es noch 9,5 Millionen. Zu tief sitzt der Schock des Börsencrashs Anfang dieses Jahrtausends, zu präsent ist vielen noch etwa der Absturz der "Volksaktie" Telekom.

Die Profis an der Börse legen andere Maßstäbe an: Das endgültige Signal zum Sturm auf das Rekordhoch kam vergangene Woche aus Moskau und Washington. Seit sich Russland und die USA in Sachen Syrien annähern, setzt der Markt auf eine diplomatische Lösung des Konflikts. Und schließlich nährt der Höhenflug den Höhenflug: Hedgefonds-Manager Sven Kleinhaus erklärt, Profi-Anleger seien angesichts steigender Kurse gezwungen, ihr Geld in den Aktienmarkt zu stecken - damit sich ihre Produkte nicht schlechter als andere Anlageangebote entwickeln. dpa