Müllrose
Geständnis

24-Jähriger gesteht Tötung von Oma und Polizisten in Brandenburg

Der Täter, der seine Oma und zwei Polizisten getötet hat, war der Justiz wegen psychischer Auffälligkeiten bekannt und auf Bewährung. Nun hat er gestanden.
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Hier hat ein Mann bei der Flucht von einem Tatort in Müllrose zwei Polizisten überfahren und getötet. Foto: Patrick Pleul(dpa
Hier hat ein Mann bei der Flucht von einem Tatort in Müllrose zwei Polizisten überfahren und getötet. Foto: Patrick Pleul(dpa
Nach dem gewaltsamen Tod einer 79-Jährigen und zweier Polizisten in Brandenburg hat der 24-jährige Tatverdächtige die Taten gestanden. Er habe in der Vernehmung die Tötung seiner Großmutter zugegeben und erklärt, dass beide zuvor um Geld gestritten hätten, sagte Staatsanwältin Ricarda Böhme am Mittwoch in Frankfurt an der Oder. Die Frau verblutete.


Er wollte nicht erschossen werden

Der Mann habe auch gestanden, am Dienstag auf seiner Flucht die beiden Polizisten an einer Kontrollstelle in Oegeln im Landkreis Oder-Spree überfahren zu haben. Er habe befürchtet, nach einem Stopp von ihnen erschossen zu werden. In allen Fällen nehmen die Ermittler Mord aus niedrigen Beweggründen an. "Wer so schnell auf Polizisten zurast und sie umfährt, hat das Auto als Waffe genutzt", betonte Böhme.

Der 24-Jährige war den Behörden schon seit einiger Zeit als psychisch auffällig bekannt. Mitte November 2016 musste er sich unter anderem wegen Raubs, Diebstahls und Fahrens ohne Fahrerlaubnis vor dem Landgericht Frankfurt an der Oder verantworten, wie die Staatsanwaltschaft am Mittwoch mitteilte.

Die Anklage habe auf eine Unterbringung in der geschlossenen Psychiatrie gedrängt, sagte eine Sprecherin der Behörde. Das Gericht sei diesem Antrag zwar gefolgt, habe die Maßnahme aber zur Bewährung ausgesetzt. Der Mann soll stark drogen- und alkoholabhängig gewesen sein.


Am Unfallort Spuren gesichert

Als er bei Oegeln nahe Beeskow von der Polizei gestoppt werden sollte, überfuhr er die beiden Polizisten, die gerade ein Nagelbrett ausgelegt hatten. Die beiden 49 und 52 Jahre alten Väter, die sich auf einem Radweg befanden, waren auf der Stelle tot.

Am Mittwoch sicherte die Kriminalpolizei am Unfallort bei Oegeln weitere Spuren. Etwa 30 Beamte suchten mit Metalldetektoren und Spürhunden den Radweg und die angrenzenden Grundstücke an der Bundesstraße 168 ab. Kriminaltechniker nahmen sich zudem den sichergestellten Wagen der 79-Jährigen vor. Seelsorger kümmerten sich um die Beamten, die am Dienstag in Oegeln im Einsatz waren.


Schweigeminute für Polizisten

Der Brandenburger Landtag gedachte mit einer Schweigeminute der beiden getöteten Polizisten. "Fassungslos stehen wir vor dieser Gewalttat. Aus einem ganz normalen Diensttag wurde ein Alptraum", sagte Landtagspräsidentin Britta Stark am Mittwoch. Auch im Polizeipräsidium gab es eine Schweigeminute. Viele Polizeiautos auch außerhalb Brandenburgs zeigten einen Trauerflor. Am Abend sollte in der Stadtkirche von Beeskow ein Gedenken für die Opfer der Gewalttaten abgehalten werden.

Der Martin-Heinze-Fonds richtete ein Spendenkonto für die Hinterbliebenen ein. Der Fonds ist benannt nach dem Brandenburger Polizisten Martin Heinze, der im August 1995 auf Zivilstreife von einem Einbrecher erstochen worden war.