Bautzen

Polizei: Gewalt in Bautzen soll von Flüchtlingen ausgegangen sein

Rund 80 offenbar rechtsmotivierte Einheimische und 20 junge Asylbewerber sind in Bautzen aufeinander losgegangen.
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Flüchtlinge und Asylbewerber stehen in Bautzen (Sachsen) auf der "Platte", dem Kornmarkt. Wie die Polizei mitteilte, standen sich am Abend des 14.09.2016 auf dem Platz rund 80 gewaltbereite Männer und Frauen - zum Großteil aus dem politisch rechten Spektrum - sowie 20 junge Asylbewerber gegenüber. Zwischen beiden Lagern kam es zu verbalen und tätlichen Übergriffen. Ein Großaufgebot von rund 100 Polizisten trennte die Gruppen und forderte sie auf, den Platz zu verlassen. Foto: Xcitepress/dpa
Flüchtlinge und Asylbewerber stehen in Bautzen (Sachsen) auf der "Platte", dem Kornmarkt. Wie die Polizei mitteilte, standen sich am Abend des 14.09.2016 auf dem Platz rund 80 gewaltbereite Männer und Frauen - zum Großteil aus dem politisch rechten Spektrum - sowie 20 junge Asylbewerber gegenüber. Zwischen beiden Lagern kam es zu verbalen und tätlichen Übergriffen. Ein Großaufgebot von rund 100 Polizisten trennte die Gruppen und forderte sie auf, den Platz zu verlassen. Foto: Xcitepress/dpa
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Die gewalttätigen Ausschreitungen am Mittwoch zwischen Flüchtlingen und Einheimischen in der sächsischen Stadt Bautzen sind nach Angaben der Polizei von Asylsuchenden ausgegangen. Aus einer Gruppe von 15 bis 20 minderjährigen Asylbewerbern seien Flaschen und Steine in Richtung der Rechten geflogen, sagte der Bautzener Polizeichef Uwe Kilz am Donnerstag bei einer Pressekonferenz in Bautzen. Kilz machte aber auch deutlich, dass sich die Rechten zuvor im Netz verabredet hätten, um dann Flüchtlinge anzugreifen.

Bereits bei einer Konfrontation am vergangenen Freitag sei Gewalt zunächst von jungen Flüchtlingen ausgelöst worden. Der Landkreis Bautzen will den etwa 30 in der Stadt lebenden jugendlichen Flüchtlingen nun ein Alkoholverbot und eine Ausgangssperre ab 19.00 Uhr aussprechen.

Die Polizei ermittelt wegen des Verdachts des Landfriedensbruchs sowie gefährlicher Körperverletzung. Derzeit werde Videomaterial ausgewertet, sagte der stellvertretende Leiter der Polizeidirektion Görlitz, Klaus Mehlberg. Zahlreiche Personalien seien aufgenommen worden, eine Reihe von Personen der Polizei bereits bekannt.

Ein Großaufgebot von 100 Polizisten konnte am Mittwoch weitere Übergriffe zwischen den beiden Lagern verhindern.

Die Vorfälle in Bauzten sollen sich wie folgt zugetragen haben: Gegen 20.50 Uhr begannen die Auseinandersetzungen auf dem Kornmarkt. Dort hatte sich eine Gruppe von etwa 80 Personen zusammengerottet, die augenscheinlich gewaltbereit waren und nach Polizeiangaben zu einem großen Teil zum politisch rechten Spektrum gehörten. Sie skandierten Parolen, wonach Bautzen und der Kornmarkt den Deutschen gehören würden, in Richtung einer Gruppe von etwa 20 jungen Asylbewerbern.

Zwischen beiden Lagern hatte es bereits tätliche Auseinandersetzungen gegeben. Von der Polizei nicht näher genannte Zeugen berichteten von mehreren Flaschenwürfen und Körperverletzungen. Auslöser der Tätlichkeiten sollen den Angaben der unbekannten Zeugen nach Asylsuchende gewesen sein. Warum die beiden Gruppen überhaupt aufeinandertrafen, ist ebenso unklar.

Die Situation auf dem Kornmarkt ist seit geraumer Zeit angespannt, wie die Sächsische Zeitung berichtet. Der Platz sei Treffpunkt für junge Deutsche und Asylbewerber. Zwischen ihnen komme es immer wieder zu lautstarken Auseinandersetzungen, zuletzt am Montag und Dienstag. Ein Hotelbesitzer am Kornmarkt forderte die Stadt und die Polizei in einem Briefnun auf, zu reagieren. Durch den Lärm und die Streitereien gebe es "massive Beschwerden von Gästen", schreibt er. Er forderte die Abschaffung der offenen W-Lan-Spots und ein Alkoholverbot auf dem Platz.


Asylbewerber greifen Polizisten an

Nach der Trennung der beiden Gruppen bewarfen die Asylsuchenden die Polizisten unter anderem mit Flaschen und Holzlatten. Die Polizei setzte darauf Pfefferspray und Schlagstöcke ein.

Getrennt von der Polizei zogen die beiden Gruppen vor eine Asylbewerberunterkunft, in die die Asylbewerber flüchteten. Vor dem Gebäude verhinderte das Großaufgebot der Polizei weitere Übergriffe. Sie forderte die insgesamt 32 Asylsuchenden auf, das Gebäude nicht zu verlassen, was diese auch befolgten.


Einheimische lassen Rettungswagen nicht zu Verletzten durch

In der Unterkunft befand sich auch ein 18-jähriger Asylbewerber mit Schnittverletzungen an den Armen. Woher diese stammten, ist gegenwärtig ungeklärt. Die Polizei forderte einen Rettungswagen an. Dieser wurde von mehreren augenscheinlich rechtsmotivierten Männern an der Anfahrt gehindert und mit Steinen beworfen. Daraufhin brachen die Sanitäter die Anfahrt ab. Nur unter Polizeischutz konnte ein weiterer alarmierter Rettungswagen die Unterkunft erreichen. Der 18-Jährige wurde zur Versorgung seiner Verletzungen in ein Krankenhaus gebracht.

Später wurde bekannt, dass sich ein 20-jähriger Asylbewerber mit einer Bierflasche offensichtlich selbst am Kopf verletzt haben soll. Laut Polizeiangaben gebe es hierzu aber noch keine weiteren Informationen im Moment.

Mittlerweile hat sich auch der Bautzener Oberbürgermeister Alexander Ahrens zu den Vorfällen geäußert. "Ich bin wütend und entsetzt. Ich verurteile die Gewalt auf das Schärfste. Und das sage ich in aller Deutlichkeit, unabhängig von wem die Gewalt ausgeht", kommentierte er am Donnerstagvormittag die Geschehnisse. Auch verurteilte er die Versuche, auf eigene Faust für Ordnung in der Stadt zu sorgen. "Wir werden die Situation in den Griff bekommen", sagte Ahrens.


Die Polizei sucht nach Hinweisen

In Anbetracht der großen Anzahl an Polizisten - insgesamt waren an die einhundert Beamte im Einsatz - verließen die Personen nach und nach den Ort vor der Asylbewerberunterkunft. Die Polizei war auch im weiteren Verlauf des Abends sowie der Nacht mit starken Kräften im Stadtgebiet präsent, wobei es nach derzeitigem Stand der Polizei zu keinen weiteren Auseinandersetzungen kam. Um 02.30 Uhr wurde der Einsatz beendet.

Die Kriminalpolizei hat die Ermittlungen zum Verdacht des Landfriedensbruchs sowie gefährlicher Körperverletzung aufgenommen. Zeugen, die die Geschehnisse beobachtet haben und wissen, wer sich an den Straftaten beteiligt hat, werden gebeten, sich an die Polizei zu wenden. Sachdienliche Hinweise nimmt das Polizeirevier Bautzen auch telefonisch unter der Rufnummer 03591 356-0 sowie jede andere Polizeidienststelle entgegen.


Mehrere Vorfälle in Bautzen

In Bautzen war es in den vergangenen Monaten immer wieder zu Konflikten gekommen. Bereits am Vorabend war ein 32-jähriger Bautzener bei Ausschreitungen auf dem Kornmarkt durch einen Flaschenwurf verletzt worden. Im Februar hatten Schaulustige einem Brand in einer Flüchtlingsunterkunft zugesehen und die Löscharbeiten behindert. Im März war Bundespräsident Joachim Gauck bei einem Besuch in Bautzen beschimpft und beleidigt worden. Damals hatte er mit Bürgern über die Flüchtlingskrise diskutiert.