Kabul
Gewalt

Taliban sprechen von Vergeltung: Sechs Tote am deutschen Konsulat in Afghanistan

Angreifer haben einen Anschlag auf das deutsche Generalkonsulat im nordafghanischen Masar-i-Sharif verübt. Es gab mehrere Tote und viele Verletzte.
Artikel drucken Artikel einbetten
Das deutsche Generalkonsulat in Masar-i-Scharif wurde am Donnerstag Ziel eines Vergeltungsanschlags der Taliban mit mehreren Toten und vielen Verletzten. Archivfoto: Nicolas Armer/dpa
Das deutsche Generalkonsulat in Masar-i-Scharif wurde am Donnerstag Ziel eines Vergeltungsanschlags der Taliban mit mehreren Toten und vielen Verletzten. Archivfoto: Nicolas Armer/dpa
Die Taliban begründen ihren tödlichen Anschlag auf das deutsche Generalkonsulat im nordafghanischen Masar-i-Scharif mit einer deutschen Mitverantwortung an einem US-Luftangriff mit vielen Opfern. Das sagte der Deutschen Presse-Agentur am Freitagmorgen der Sprecher der Taliban, Sabiullah Mudschahid.

Deutschland sei an einem Luftangriff in der nordafghanischen Provinz Kundus beteiligt gewesen, bei dem in der Nacht des 3. Novembers mehr als 30 Zivilisten ums Leben gekommen waren. Die Deutschen hätten den US-Streitkräften die notwendigen nachrichtendienstlichen Informationen zukommen lassen. Deshalb sei in der Nacht das Generalkonsulat angegriffen worden.

Nach der Explosion der vor dem Konsulat gegen 23.00 Uhr gezündeten Lastwagenbombe ist die Zahl der Toten bis Freitagmorgen auf mindestens sechs angestiegen. Der Chef des Zivilkrankenhauses der Stadt, Nur Mohammed Fais, sagte, bisher seien fünf Leichen in das Krankenhaus eingeliefert worden. Nach Polizeiangaben war auch ein Attentäter ums Leben gekommen, als er vor dem Konsulat die Bombe zündete. Mehr als 120 Menschen sind nach Klinikangaben bei der massiven Explosion verletzt worden.


Keine Deutschen unter den Opfern

Alle deutschen Mitarbeiter des Konsulats sind laut einer Mitteilung des Auswärtigen Amtes "sicher und unverletzt". Der renommierte afghanische Journalist Bilal Sarwary berichtete unter Berufung auf Sicherheitskreise, sie seien in das von der Bundeswehr geführte, etwa zehn Kilometer entfernte Militärlager Camp Marmal gebracht worden. Im Generalkonsulat arbeiten etwa zwei Dutzend deutsche Mitarbeiter.

Unklar ist noch, wie viele Talibankämpfer an dem Angriff beteiligt waren. Der Polizeichef der Stadt, Saied Sadat, sagte, am Morgen sei gegen 6.00 Uhr ein zweiter Attentäter entdeckt und festgenommen worden. Er sei unter Schutt begraben gewesen oder habe sich dort versteckt. In der Nacht hatte er von einem Angreifer gesprochen. In der Mitteilung des Auswärtigen Amtes war die Rede von mehreren "schwer bewaffneten Angreifern", die "vom Sicherheitspersonal des Generalkonsulats, von afghanischen Sicherheitskräften und Sondereinsatzkräften von "Resolute Support" zurückgeschlagen worden" seien.


Taliban sprechen von Rache

In der Nacht hatten die Taliban eine Stellungnahme veröffentlicht, wonach der Angriff auf das Konsulat "Rache" für den Luftangriff in Kundus war. Deutschland wurde als "Invasorenland" bezeichnet. Nach Auskunft der Bundesregierung war die Bundeswehr am fraglichen Luftangriff aber nicht beteiligt. Der Sprecher der US-Streitkräfte in Afghanistan, General Charles Cleveland, hatte der dpa nach dem Angriff per E-Mail bestätigt, dass die USA einen Luftangriff zum Schutz einer unter Beschuss geratenen afghanisch-amerikanischen Bodenoffensive ausgeführt hatten.

Der Talibansprecher sagte am Morgen: "Wieso sollten wir die Deutschen nicht angreifen? Deutschland war direkt beteiligt an dem Luftschlag, der Zivilisten das Leben gekostet hat. Dieser Luftangriff basierte auf nachrichtendienstlichen Informationen, die deutsche Soldaten den US-Truppen gegeben haben. Jeder weiß, dass sie noch ein Lager in Nordafghanistan haben. Deutsche Soldaten sind noch immer dort."


Steinmeier beruft wegen Angriff auf Konsulat Krisenstab ein

Aus dem Lager Camp Marmal - etwa zehn Kilometer entfernt - seien nach Angaben des Einsatzführungskommandos der Bundeswehr sofort Kräfte der Schnellen Eingreiftruppe zum Konsulat entsandt worden, teilte das Einsatzführungskommando mit. In dem Lager sind derzeit noch etwa 1000 deutsche Soldaten stationiert.

Wegen des Angriffs hat Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) den Krisenstab seines Hauses einberufen. Dies verlautete am Donnerstagabend aus dem Auswärtigen Amt.
Verwandte Artikel