Das Amtsgericht Nürnberg habe den Haftbefehl gegen den 43-Jährigen aus Staffelstein (Landkreis Lichtenfels) aufgehoben, teilte die Justiz mit. Der Familienvater kam unverzüglich auf freien Fuß und wurde von seiner Frau abgeholt. Er war bei einem Prozess wegen eines Unfalls mit Fahrerflucht als Zeuge vernommen worden und anschließend in Untersuchungshaft gekommen.
Bei dem Unfall im April soll ein Lastwagen der Spedition aus Lichtenfels beim Ausliefern einer Küche in Schwabach ein geparktes Auto beschädigt haben. Der Sachschaden betrug 2500 Euro. Bei der Verhandlung gab der 43-Jährige an, er habe als Beifahrer im Führerhaus des Lastwagens gesessen, aber nichts von einem Aufprall bemerkt. Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft log der Mann, um seinem Kollegen einen Führerscheinentzug zu ersparen. Er wurde wegen des Verdachts der uneidlichen Falschaussage unverzüglich in Untersuchungshaft genommen.
Das neue Gutachten, das sich auf eine mikroanalytische Untersuchung gesicherter Lackspuren stützte, habe nun ergeben, dass der von einem Arbeitskollegen gesteuerte Lastwagen den Unfall überhaupt nicht verursacht habe, teilte die Justiz mit. Die Lackproben an dem beschädigten Auto und an dem Lastwagen stimmten nicht überein. Der Kraftfahrer, der angegeben hatte, den Unfall nicht bemerkt zu haben, habe daher keine falsche Aussage gemacht.
Die Staatsanwaltschaft nahm die Anklage gegen den 43-Jährigen zurück. Für die Freilassung ihres Kollegen, eines Vaters von zwei Kindern, hatten erst am Donnerstag rund 60 Mitarbeiter der Möbelspedition Kraus & Pabst aus dem oberfränkischen Lichtenfels vor der Justizvollzugsanstalt in Nürnberg demonstriert.
Justizsprecher Andreas Quentin sagte, die Untersuchungshaft sei nicht unverhältnismäßig gewesen. Auch der Sachverständige, der die mikroanalytischen Untersuchungen durchgeführt hatte, habe darauf hingewiesen, dass eine Betrachtung der gesicherten Spuren zunächst durchaus zu der Annahme führen konnte, dass der Unfall durch den fraglichen Lastwagen verursacht worden sei. Ob der 43-Jährige nun Anspruch auf Entschädigung habe, müsse geprüft werden, sagte Quentin. dpa