Man nennt es "lieblich" und "romantisch", das Tal der Tauber. Schon seit den Frühzeiten des Tourismus ist es beliebt bei Naturfreunden, Wein-Liebhabern, Wanderern und heute auch bei den Radlern. Sie schätzen das sanfte Auf und Ab an den Hängen des etwa 130 Kilometer langen Flüsschens zwischen der Quelle bei Rot am See und Wertheim am Main.
Etwa 15 Kilometer flussabwärts vom mittelfränkischen Rothenburg ob der Tauber liegt das baden-württembergische Städtchen Creglingen: Ein schöner Ausgangspunkt an der Romantischen Straße für leichte Wanderungen rund um den 4700-Einwohner-Ort und entlang der Tauberhänge. Etwa ein bis zwei Stunden braucht man zum Beispiel für den Kulturlandschaftspfad. Infotafeln weisen hier auf historische Formen der Bewirtschaftung und Besonderheiten von Boden, Pflanzen- und Tierwelt hin.
Berühmt ist der Creglinger Marienaltar des Bildhauers Tilman Riemenschneider (1460 bis 1531) aus dem Jahre 1505. Am 10. August des Jahres 1384 soll der Sage nach ein Bauer der Landarbeit am rechten Hang des Herrgottstalbachs etwas außerhalb der Stadt auf seinem Acker eine Hostie gefunden haben. Genau an dieser Stelle wurde dann 1389 die Herrgottskirche gebaut, gestiftet von Konrad IV. von Hohenlohe-Brauneck. In ihr steht der Marienaltar, ein Hauptwerk Riemenschneiders, das alljährlich Tausende von Besuchern bewundern.
Gleich gegenüber der Herrgottskirche ist das Fingerhutmuseum eingerichtet. Rund 500.000 Besucher haben seit der Gründung 1982 das einzigartige Spezialmuseum besucht und die gut 4000 zum Teil recht skurrilen Ausstellungsstücke aus aller Welt bestaunt.
In der Creglinger Altstadt, rund einen Kilometer bachabwärts, fällt der merkwürdig geformte Lindleinturm auf: Das Bauwerk war als Wehr- und Wachturm Teil der mittelalterlichen Befestigungsanlage der Stadt. Immer wieder diente er als Wohnturm. Jahrzehntelang hat noch im vergangenen Jahrhundert eine Frau im Lindleinturm gelebt. Heute beherbergt er ein kleines Museum, das einen Einblick bietet in die einzigartige Lebensweise seiner letzten Bewohnerin. Der jüdischen Geschichte des Ortes und dem schändlichen Pogrom vom Frühjahr 1933 widmet sich ebenfalls ein Museum, das die lange und facettenreiche Entwicklung der jüdischen Gemeinde Creglingens und umgebender Ortschaften anschaulich vermittelt.
Im Kulturzentrum Romschlössle, einem turmbewehrten jahrhundertealten Fachwerkbau, zeigen Künstler ihre Werke. Der örtliche Kunstverein hat hier sein Zuhause und zudem finden hier immer wieder Kulturveranstaltungen verschiedenster Art statt. In den am Hang darüber angelegten Gärten werden Rosen verschiedenster Art gezüchtet. Alljährlich finden im Sommer Rosenblüten- und Lichterfest sowie ein Rosenmarkt statt, die Liebhaber der duftenden Schönheiten auch von weither anlocken. Bekannt ist auch der Creglinger Pferdemarkt, zu dem regelmäßig im Februar Händler und Freunde dieser Tiere zusammentreffen.
Unweit des Romschlössles ist das einstige Wasserschloss Creglingens gelegen, ein Renaissancebau von 1544, darüber die evangelische Stadtkirche. Mächtig präsentiert sich ein wenig abseits der Faulturm, der schon von Ferne auffällt, und viele Bewunderer findet die historische Apotheke mit ihrem Pracht-Erker an der Straße zur Tauber hin, deren Fachwerk schon etliche Jahrhunderte überdauert hat.
Um das Städtchen herum finden sich viele alte Burgen, Burgruinen und Bodendenkmäler aus der Keltenzeit, die auf verschlungenen Wegen zu erreichen sind - es lässt sich herrlich wandern entlang dieser kleinteiligen Flusslandschaft zwischen Rothenburg und Bad Mergentheim. Joachim Rübel