Die Deutschen als ein "Volk der Sitzenbleiber", mit dieser Feststellung schreckte der jüngste Gesundheitsreport der Deutschen Krankenversicherung auf. Aus der mangelnden Bewegung von Jung und Alt im Alltag erwachsen eine ganze Reihe von Fehlentwicklungen, wie die Wissenschaftler herausgefunden haben. Die bekannteste, auch als Volkskrankheit Nr. 1 bezeichnet: Rückenschmerzen.
Grundsätzliches Problem ist, dass der Mensch evolutionär auf Bewegung ausgerichtet ist, erklärt Professor Gerhard Huber vom Institut für Sport und Sportwissenschaft der Universität Heidelberg. Langes Sitzen bewirkt unter anderem, dass die Lendenwirbelsäule nur noch die Haltung rund nach hinten gebogen kennt, was ursächlich für die Schmerzen ist. Hier setzt Rückenyogalehrer Markus Daniel an. Mit der speziellen Yogaform will Daniel besonders die Neu-tralstellung der Wirbelsäule - die doppelte S-Form - stärken. Viele der Übungen zielen deshalb darauf ab, die Schüler wieder in die Lordose - die natürliche Vorwärtskrümmung der Wirbelsäule - im Lendenbereich hineinzubringen.
Die Übungen sind sanft, ein Stauchen der Wirbelsäule wird vermieden. "Es wird niemals in einen Schmerz hineingearbeitet", erklärt Michael Preibsch vom Deutschen Verband für Physiotherapie.
Ausgemacht ist auch Stress als Ursache von Rückenschmerzen. "Stressbewältigung spielt eine große Rolle beim Rückenyoga, da viele Menschen Lebensdruck, dem sie ausgesetzt sind, somatisieren", erklärt Reibsch. Das heißt: Psychische Belastungen äußern sich in Form von Rückenschmerzen, Entspannungsübungen sind daher wichtiger Bestandteil der Kurse.
Generell gilt Yoga als probates Mittel, um sich von Stresssymptomen wie Rückenschmerzen, Verdauungsproblemen, Kopfschmerzen, Schlafstörungen und Nervosität zu befreien. Wer Yoga praktiziert, gilt als gelassener, fröhlicher, begegnet dem Alltag mit Schwung und Energie.
Yogatherapeuten unterrichten in der Gruppe oder auch einzeln. Wichtig ist, dass der Yogatherapeut die Beschwerden kennt, um danach körperorientierte oder psychologische Verfahren auszuwählen. Beim individuellen Therapieplan stimmt der Yogatherapeut die Übungen auf das jeweilige Befinden ab. Ergänzt werden sie durch Yogatechniken, die zu Hause ausgeübt werden können.
dpa/dpa-mag/geb