Bamberg
Darmkrebs

Das sagen Experten zum Thema Darmkrebs

Darmkrebs ist eine der häufigsten bösartigen Erkrankungen in Deutschland mit etwa 27.000 Todesfällen im Jahr. Doch bei frühzeitiger Diagnose sind die Heilungschancen gut, erklärten zwei Experten bei unserer Telefonaktion.
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Ein angenehmes Thema ist es nicht gerade: Es geht um Blut im Stuhl, Polypen, eine ziemlich intime Untersuchung. Aber nur wer aufgeklärt ist, kann sich schützen: Darmkrebs ist eine der häufigsten bösartigen Erkrankungen in Deutschland mit etwa 27 000 Todesfällen im Jahr. Gleichzeitig gibt es bei keiner anderen Krebsart so gute Heilungschancen wie bei Darmkrebs - wenn er frühzeitig erkannt wird.
Wie Vorsorge, Diagnose und Therapie ablaufen, erklärten zwei Experten bei unserer Telefonaktion. Der Informationsbedarf ist enorm, wie die Resonanz zeigte: Prof. Michael Sackmann, Chefarzt am Bamberger Klinikum, und Dr. Roland Grüner, Gastroenterologe in Bamberg, beantworteten Dutzende von Leserfragen. Im Folgenden eine Zusammenfassung der wichtigsten Themen.

Kann man Darmkrebs vorbeugen?
Das Darmkrebsrisiko lässt sich durch eine gesunde Ernährung senken. Man sollte jeden Tag ausreichend trinken, frisches Obst und Gemüse essen, aber nur wenig Fleisch und Wurst. Kritisch ist vor allem rotes, frittiertes und stark angebratenes Fleisch. Auch regelmäßige Bewegung und der Verzicht auf Nikotin und Alkohol kann der Entstehung von Darmkrebs vorbeugen.

Gibt es Risikofaktoren für Darmkrebs?
Die Ursachen sind noch nicht genau geklärt. Eine Rolle spielen erbliche Belastung, chronisch-entzündliche Darmkrankheiten, das Vorliegen von Dickdarmpolypen, Übergewicht, die falsche Ernährung, wenig Bewegung sowie Rauchen und Alkohol.

Wann bezahlt die Krankenkasse Vorsorgeuntersuchungen?
Die gesetzlichen Krankenkassen bieten Frauen und Männern ab 50 Jahren kostenlose Früherkennungsuntersuchungen an: Zunächst einen jährlichen Test auf verstecktes Blut im Stuhl, ab 55 Jahren dann die Darmspiegelung (Koloskopie). Bei Beschwerden wird die Untersuchung auch früher von den Kassen bezahlt. Bei einer erblichen Belastung für Darmkrebs kann ein spezielles und engmaschigeres Früherkennungsprogramm sinnvoll sein.

Ist der Stuhl-Blut-Test zur Vorsorge ausreichend?
Er wird von den Krankenkassen ab dem 56. Lebensjahr alle zwei Jahre bezahlt und muss regelmäßig wiederholt werden, da durch eine einmalige Testung etwa die Hälfte der Darmkrebsfälle nicht erkannt wird. Die sicherste Methode der Vorsorge ist die Darmspiegelung.

Gibt es Symptome, die auf Darmkrebs hindeuten?
Am Anfang oft nicht. Im fortgeschrittenen Stadium können Blutungen auftreten, Schleim, Bauchschmerzen, Wechsel zwischen Durchfall und Verstopfung, Unregelmäßigkeiten beim Stuhlgang, Gewichtsabnahme und Kräfteverfall.

Ich habe Angst vor der Darmspiegelung. Kann bei der Untersuchung etwas passieren oder verletzt werden? Ist sie schmerzhaft?
Die Risiken sind minimal, wenn ein erfahrener Spezialist die Untersuchung durchführt. In extrem seltenen Fällen kann es zu einer Verletzung der Darmwand kommen, zu einer Blutung, einer Atemunterdrückung oder Störungen im Herz-/Kreislaufsystem. Meistens verläuft die Darmspiegelung schmerzfrei, da die Patienten ein Beruhigungsmittel bekommen.

Bei einer Darmspiegelung wurden kleinere, harmlose Polypen entfernt. Wann ist wieder eine Spiegelung notwendig?
Üblicherweise nach fünf Jahren, wenn keine bösartigen Polypen gefunden wurden.

Ich hatte Darmkrebs. Wann sollte ich wieder zur Kontrolle gehen, um nach Polypen schauen zu lassen?
Zunächst nach drei, dann nach fünf Jahren.
Bei einem Test auf verstecktes Blut im Stuhl war eine von drei Proben positiv. Sollte ich eine Darmspiegelung machen lassen?
Ja. Ein positiver Test auf verstecktes Blut im Stuhl (Hämoccult) muss immer endoskopisch abgeklärt werden. Die Wiederholung des Stuhltests macht keinen Sinn.

Bei mir wurde ein Tumor diagnostiziert. Wie geht es jetzt weiter?
Ein Tumor wird in den meisten Fällen operiert. Bei manchen Patienten wird der chirurgische Eingriff mit einer Chemo-, Strahlen- und/oder Immuntherapie kombiniert. In ganz frühen Stadien können beginnend-bösartige Geschwüre oftmals weniger ausgedehnt operiert oder endoskopisch ohne Operation entfernt werden. Bei frühzeitiger Diagnose kann auch die medikamentöse Behandlung schonender erfolgen als in den Fällen in denen der Tumor erst später erkannt wird.

I ch bin 80 Jahre alt. Lohnt sich da noch eine Darmspiegelung?
Selbstverständlich. Vorsorge ist immer angebracht.

Mein Vater hatte Darmkrebs. Bin ich dann erblich vorbelastet? Wann sollte ich zur Darmspiegelung gehen?
Lassen Sie die Untersuchung zehn Jahre früher machen, als der Krebs bei Ihrem Vater aufgetreten ist. Informieren Sie auch Ihre Geschwister und motivieren Sie sie zu einer Koloskopie.
Sollte man parallel zu einer Darmspiegelung auch eine vorsorgliche Magenspiegelung machen lassen?
Nein, eine Magenkrebsvorsorge gibt es nicht. Nur bei Beschwerden oder familiärem Magenkrebsrisiko ist eine Magenspiegelung sinnvoll.


So läuft eine Darmspiegelung ab

Vorbereitung
Voraussetzung für die Durchführung der Untersuchung ist eine gründliche Reinigung des Darms. Dazu darf der Patient bestimmte Speisen nicht mehr zu sich nehmen. Am Tag vor der Untersuchung muss er ein Abführmittel einnehmen und darf nichts mehr essen, nur Wasser trinken.

Untersuchung Eine Vorsorge-Darmspiegelung darf nur ein Arzt ausführen, der nachweislich bereits 200 Koloskopien durchgeführt und 50 Polypen abgetragen hat. Vor Beginn der Koloskopie bekommt der Patient ein Beruhigungsmittel. Mit Hilfe eines Endoskops, einem beweglichen optischen und zehn bis 15 Millimeter dicken Schlauch, kann der Arzt bei der Koloskopie den Darm von innen betrachten.

Polypen Während der Untersuchung können Gewebeproben entnommen und Polypen (Vorstufen von Darmkrebs) entdeckt werden. Durch die Entfernung der Polypen mit einer Zange oder Schlinge werden bösartige Entartungen vermieden. Die Koloskopie dauert in der Regel 20 Minuten, durch die Abtragung von Polypen verlängert sie sich auf etwa 30 Minuten.

Darmkrebsmonat Zur Sensibilisierung für das Thema Darmkrebs hat die Felix Burda Stiftung den März zum Darmkrebsmonat ausgerufen. Weitere Infos dazu, zu Vorsorge, Diagnose und Therapie gibt es bei der
Felix Burda Stiftung sowie bei der Deutschen Krebshilfe oder der Deutschen Krebsgesellschaft.