Als "Bauchtanz" wird Orientalischer Tanz oft abfällig bezeichnet. Dabei ist er eigentlich ein perfektes Ganzkörpertraining, denn der Bauch ist beileibe nicht das einzige Körperteil, das bewegt wird. "Es gibt bestimmt 50 verschiedene Bewegungen und Schrittkombinationen", erklärt Sandra Bünger, choreographische Leiterin der Tanzgruppe "Mashallah" in Nürnberg. Anfänger lernen zunächst die Technik der Bewegungen und die Koordination. Am Anfang stehen für Tanz-Neulinge einfache Bewegungen für Schultern, Hüfte oder Arme. Das ist schon eine Herausforderung. "Im Alltag führen wir meist nur Massenbewegungen aus. Das heißt, wenn wir uns bewegen, arbeiten viele Muskeln zusammen", erklärt Simone Paulyn vom Bundesverband Orientalischer Tanz.
Typisch für den Orientalischen Tanz aber sind die isolierten Bewegungen einzelner Körperpartien, und sie sind ungewohnt: Ein Teil des Körpers bewegt sich, während ein anderer still steht oder sich in einem anderen Rhythmus bewegt. Ein bekanntes Beispiel dafür ist der Shimmy, bei dem die Hüften zittern - und nur die Hüften, nicht der Oberkörper.
Nach und nach werden die Bewegungen kombiniert, etwa das Schulterkreisen mit einem Hüftschütteln. Der Schwierigkeitsgrad kann gesteigert oder den eigenen Bedürfnissen angepasst werden. Auch Herz und Kreislauf kommen auf sanfte Weise in Schwung. "Man kommt ganz schön ins Schwitzen", erklärt Bünger. Vor allem die Muskulatur müsse arbeiten. "Wenn man fünf Minuten an der Schlängelbewegung der Oberarme feilt, hat man bis zum kleinen Finger jeden Muskel trainiert." Außerdem muss Spannung in Becken, Po, Oberschenkeln und Bauch aufgebaut werden.
Und das sieht nicht nur hübsch aus, sondern ist auch gut für die Haltung. "Der Orientalische Tanz trainiert vor allem die kleinen Muskeln und die Tiefenmuskulatur, die die Wirbelsäule stabilisiert", erklärt Paulyn. Die aufrichtende Muskulatur werde so aufgebaut, der Brustkorb geöffnet. "Das ist ein toller Ausgleich für Menschen mit sitzender Tätigkeit." Und sogar die Greifmuskulatur profitiert, wenn die Strecker der Hände in Aktion gebracht werden. Einsteigern empfiehlt Paulyn Schnupperkurse bei Tanzstudios für Orientalischen Tanz, die es in den meisten Städten mittlerweile gibt. dpa-mag