Update vom 08.12.2022, 7.45 Uhr: Flick bleibt Bundestrainer - Hopfen verlässt die DFL

Der Bundestrainer macht weiter, die DFL-Geschäftsführerin hört auf: Binnen 41 Minuten sind nach zwei Treffen im gleichen Hotel in der Nähe von Frankfurt/Main zwei zentrale Personalentscheidungen im deutschen Fußball verkündet worden. Zunächst teilte der Deutsche Fußball-Bund (DFB) am Mittwochabend nach einer Krisensitzung mit, dass Hansi Flick die Nationalmannschaft auch nach dem Vorrunden-Aus bei der Weltmeisterschaft in Katar weiter betreut. Die Deutsche Fußball Liga (DFL) und Donata Hopfen beenden zum Jahresende dagegen die Zusammenarbeit, wie der Ligaverband wenig später bekannt gab.

Der 57 Jahre alte Flick soll die DFB-Elf zur Heim-Europameisterschaft 2024 führen. Flicks Vertrag läuft bis nach dem nächsten Turnier. Nationalmannschafts-Direktor Oliver Bierhoff war dagegen zuvor nach 18 Jahren beim DFB aus der sportlichen Leitung ausgeschieden. Bierhoffs Nachfolge ist vom Verband bislang noch nicht geregelt worden.

"Mein Trainerteam und ich blicken optimistisch auf die Europameisterschaft im eigenen Land. Wir als Mannschaft können viel mehr erreichen, als wir in Katar gezeigt haben. Wir haben dort eine große Chance verpasst", sagte Flick. "Daraus werden wir unsere Lehren ziehen."

Flick saß am Mittwoch bei dem rund zweistündigen Krisengipfel mit DFB-Präsident Bernd Neuendorf und DFL-Aufsichtsratschef Hans-Joachim Watzke in einem Hotel in Neu-Isenburg zusammen. Das Trio konnte sich nach dem nächsten Scheitern der DFB-Auswahl in der WM-Gruppenphase vier Jahre nach dem historischen Aus unter Joachim Löw in Russland auf eine weitere Zusammenarbeit verständigen. 

"Ich habe Vertrauen in den heute verabredeten, gemeinsamen Weg mit Bernd Neuendorf und Aki Watzke. Wir alle möchten, dass sich bei der Heim-EM 2024 wieder ganz Deutschland hinter der Nationalmannschaft versammelt", sagte der Bundestrainer. Am Dienstag hatte Flick den Abschied von Bierhoff (54), seinem engsten Vertrauten, extrem bedauert.

Nicht einmal eine Stunde nach der Verkündung der Flick-Entscheidung teilte die DFL die Trennung von Hopfen mit. Grund dafür seien unterschiedliche Vorstellungen über die weitere strategische Ausrichtung der Gesellschaft, hieß es. Hopfen hatte den Vorsitz des Gremiums erst zu Jahresbeginn als Nachfolgerin von Christian Seifert angetreten.

Axel Hellmann von Eintracht Frankfurt und Oliver Leki vom SC Freiburg sollen nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur als Doppel-Spitze interimsweise die DFL-Führung übernehmen. Zur neuen Saison soll die Geschäftsführung wieder neu verteilt werden.

Original-Meldung vom 06.12.2022

Oliver Bierhoff ist weg - aber was wird aus Hansi Flick? Die Zukunft des Bundestrainers steht bezüglich personeller Konsequenzen im Zuge des WM-Debakels nun im Mittelpunkt, nachdem DFB-Direktor Bierhoff und der Deutsche Fußball-Bund am Montagabend die Trennung bekannt gegeben hatten.

Bei dem für Mitte dieser Woche anvisierten Krisengipfel wird damit Flick die Gründe für das Scheitern wohl allein erklären müssen - sofern die Analyse nicht schon von den Medien unbemerkt stattgefunden hat. DFB-Präsident Bernd Neuendorf hatte unmittelbar nach dem blamablen Vorrundenaus in Katar eine Sitzung mit ihm selbst, Bierhoff, Flick und Hans-Joachim Watzke als Aufsichtsratschef der Deutschen Fußball Liga (DFL) angekündigt. Erst wenn "die Analyse beendet ist", hatte Neuendorf betont, wolle man "auch mit einem Ergebnis" an die Öffentlichkeit gehen.

Kein "Grund zum Jubeln" - Bierhoff zieht Konsequenzen nach Katar-Katastrophe

Das erste Ergebnis stand bereits vier Tage nach dem WM-K.o. fest: Bierhoff ist nicht länger Direktor im DFB. Der 54-Jährige verlässt nach 18 Jahren den Verband, beide Parteien verständigten sich auf eine Auflösung des bis 2024 laufenden Vertrages. Der frühere Weltmeister Per Mertesacker reagierte mit Bedauern: "Er hat viel mehr gemacht als viele wahrscheinlich denken." Borussia Mönchengladbachs Christoph Kramer hoffte, "dass er es selber entscheiden durfte, was für ihn das Richtige ist".

Bei seinen Abschiedsworten ließ Bierhoff Stolz auf seine Arbeit, aber auch Selbstkritik anklingen. In den vergangenen vier Jahren habe man es "nicht geschafft, an frühere Erfolge anzuknüpfen und den Fans wieder Grund zum Jubeln zu geben". Einige Entscheidungen hätten sich "nicht als die richtigen" erwiesen. "Dafür übernehme ich die Verantwortung." Er mache nun "den Weg frei für neue Weichenstellungen". 

Wer künftig den Weg als für die Nationalmannschaften und die Akademie verantwortlicher DFB-Direktor vorgibt oder ob es zu einer Neustrukturierung der Aufgaben kommt, ist offen. Über die Nachfolge werden die DFB-Gremien beraten. Laut des Kicker wird Fredi Bobic, aktuell Geschäftsführer beim Bundesligisten Hertha BSC, für den Posten gehandelt. 

Wer wird Bierhoff-Nachfolger? Medien handeln heiße Kandidaten

Rekord-Nationalspieler Lothar Matthäus hatte schon vor dem Bierhoff-Aus in seiner Kolumne für den Pay-TV-Sender Sky dafür geworben, Leute wie Matthias Sammer, die "mit einer anderen Sichtweise und einer klaren Meinung neuen Spirit in den DFB bringen" könnten, in den möglichen Reformprozess des DFB einzubeziehen. Sammer, der früher beim DFB als Sportdirektor tätig war, ist zwar bereit zu helfen. Alle Ämter, wohl auch das des Sportdirektors, würde er selbst aber nicht mehr besetzen, sagte der externe Berater von Borussia Dortmund bei MagentaTV.

Sammer schlug seinerseits Matthäus als geeigneten Kandidaten vor. Der sieht eine feste Aufgabe im Verband aber skeptisch. Er sei "zu weit weg vom DFB" und habe aufgrund anderer Verpflichtungen "auch gar keine Zeit", sagte der 61-Jährige. Für Matthäus ist aber klar, dass über die Neuausrichtung nicht nur der innere Kreis des DFB bestimmen sollte, "wo alles 'Friede, Freue, Eierkuchen' ist".

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