Die enttäuschten VfL-Spieler stapften mit leerem Blick vom Rasen, Florian Kohfeldt war der Frust deutlich anzusehen. Für die am Mittwochabend ganz schwachen Wolfsburger ist die Champions-League-Saison schon nach der Vorrunde vorbei.

Der Fußball-Bundesligist verlor sein letztes und entscheidendes Gruppenspiel gegen den französischen Meister OSC Lille mit 1:3 (0:1) und schied dadurch als Tabellenletzter der Gruppe G völlig verdient aus. Zum Abschied aus der Königsklasse gab es sogar vereinzelt Pfiffe der eigenen Fans.

«Gut war unsere Leistung heute nicht. Wir haben auf jeden Fall Luft nach oben», sagte Luca Waldschmidt nach der Partie und fügte mit Blick auf die Wolfsburger Negativserie an: «Wir brauchen nicht darüber reden: Vier Niederlagen in Folge sind ein schlechter Lauf.» Maximilian Arnold beklagte bei DAZN «fehlendes Spielglück». Das Team müsse «die Köpfe hochnehmen, weil schon in drei Tagen das nächste Spiel ansteht. So bitter das heute auch ist», sagte Arnold.

Frühe Führung der Gäste

Mit einem Sieg hätte sich das Team von Trainer Kohfeldt für das Achtelfinale qualifizieren können, doch schon in der 11. Minute traf der 36-jährige Burak Yilmaz zum 1:0 für die Franzosen. Jonathan David (72.) und Angel Gomes (78.) legten noch zwei weitere Treffer nach. «Wir wollten Gas geben und unbedingt weiterkommen. Aber nach dem schnellen Gegentor mussten wir der Musik schon wieder früh hinterherlaufen», sagte Waldschmidt. Das Tor von Renato Steffen (89.) kurz vor Schluss hatte keine Auswirkung mehr.

Die Wolfsburger setzten die enttäuschenden Leistungen der Vorwochen auch in diesem wichtige Spiel fort und kassierten im nationalen wie internationalen Wettbewerb bereits die vierte Niederlage nacheinander. Dass mit 6544 Fans nicht einmal die Hälfte der corona-bedingt nur noch erlaubten 13.281 Zuschauer ins Stadion kamen, trug ebenfalls zur Trostlosigkeit dieses Abends bei.

Dabei stand in diesen 90 Minuten viel auf dem Spiel. Ein Weiterkommen in der Champions League hat einen enormen sportlichen, finanziellen und gerade für den VfL-Mutterkonzern Volkswagen auch einen hohen Werbe-Wert. Knapp 20 Millionen Euro an Startgeld und Prämien nahmen die «Wölfe» schon vorher in dieser Gruppenphase ein. Durch einen Sieg gegen Lille und das Erreichen des Achtelfinals wären noch einmal 12,4 Millionen dazugekommen. «Für uns ist dieser Wettbewerb alles andere als selbstverständlich», sagte Aufsichtsratschef Frank Witter. Der VfL hatte zuvor nur in der Saison 2015/16 einmal die Gruppenphase überstanden und damals das Viertelfinale gegen Real Madrid erreicht.

Der VfL wurde der Bedeutung des Spiels nicht gerecht

Dass es diesmal schwer werden würde, zeichnete sich gegen Lille schon früh ab. Nach gerade einmal zehn ereignislosen Minuten ließen sich die Wolfsburger nach einem eigenen Eckball auskontern. Über Torwart Ivo Grbic, Rechtsverteidiger Zeki Celik und den nicht aufzuhaltenden Jonathan Ikoné landete der Ball bei Mittelstürmer Yilmaz und im Tor.

Der VfL antwortete zwar nur Sekunden später mit einem platzierten Weitschuss von Luca Waldschmidt (12.), legte ansonsten aber einen Auftritt hin, der der großen Bedeutung dieses Spiels nie gerecht wurde. Hinten leistete man sich vor lauter Nervosität zahlreiche Fehler im Spielaufbau. Vorne fehlten Tempo, Ideen und vor allem Mut.

Dabei hatte Trainer Florian Kohfeldt vor diesem Spiel beinahe die Hälfte seiner Startelf ausgetauscht und neben dem gesperrten Nationalstürmer Lukas Nmecha überraschend auch Ridle Baku und Dodi Lukebakio draußen gelassen. Die Apathie der Spiele beim FC Sevilla (0:2) und FSV Mainz 05 (0:3) trieb der Coach seiner Mannschaft aber auch durch diese Maßnahme nicht aus.

Mit Beginn der zweiten Halbzeit brachte Kohfeldt den Belgier Lukebakio, später auch Baku und den Franzosen Jerome Roussillon. Viel besser oder wuchtiger wurde es dadurch aber nicht. Der schnelle Ikoné hätte schon in der 53. Minute alles klarmachen können. Chancen dieser Qualität hatte der VfL auch im zweiten Durchgang nicht.