Derbys machen nur so Spaß: Eine geklaute Kabinentür, Kickersfans, die durch die Stadt ziehen, fünf verschossene Elfmeter, ein Ausgleichstor, von dem die WFV-Anhänger sagen, der Ball war im Aus. Einen Meter. Mindestens. Oder so weit wie man die Arme auseinander kriegt. Mindestens. Tobias Riedner war es am Ende egal. Er grinste, schaute, ballte die Faust. "Das Stadtderby zu gewinnen, ist einfach geil", sagte er. Riedner spielt für Würzburg. Für die Blauen, den WFV. Riedner ist ein Joker, so einer, den man einwechselt und der dann oft ein Tor macht. Auch gegen die Kickers. Es war das 1:1. Riedner hat einfach den Kopf hingehalten, als die Roten schon wie Sieger aussahen. Die Roten. Die vom Dallenberg. Die eine Klasse höher spielen als die Blauen. Regionalliga. Normalerweise treffen die beiden großen Würzburger Mannschaften in der Liga nicht mehr. Weil der WFV nur Bayernliga spielt. An diesem Vormittag war es egal.
"Wir haben gezeigt, dass wir mithalten können, obwohl wir eine Klasse drunter spielen", sagte Riedner.

Und die Tür? Tobias Riedner hob die Schultern.

"Davon weiß ich nichts." Ein Grinsen konnte er sich nicht verkneifen. Irgendjemand hatte die Tür der Gäste-Umkleide mitgehen lassen. Im Gang umziehen wollten sich die Kickers nicht, deshalb fuhren sie in Trikots mit den Autos vor. Die fehlende Tür schien keinen zu stören. Derby eben. Die Kickers hatten zunächst die klareren Torchancen. WFV-Tormann Jan-Peter Grunz musste sich gegen zwei Freistöße von Ricardo Borba ganz schön lang machen, um zu halten. Kurz vor der Pause erzielte Manuel Duhnke die Führung für die Kickers.

Der WFV wurde immer dann gefährlich, wenn das Spiel über die linke Seite und über Wojtek Droszcz lief. Das kam oft vor, das Spiel des WFV war berechenbar. Trotzdem kamen die Gastgeber zum Ausgleich: Die Kickers vergaben beste Chance, Borba traf per Freistoß nur die Latte. Und der WFV kam durch lange hohe Bälle immer wieder gefährlich nahe vor das Kickers-Tor. Erst glich Tobias Riedner aus. Zwei Minuten später traf Pascal Kamolz zur WFV-Führung. Als aber mit dem Schlusspfiff Ricardo Borba den letzten Kickers Angriff startete, sich auf der Grundlinie durchsetzte und der Ball plötzlich im Tor lag, da wussten die 3000 Zuschauer nicht so recht, wie sie reagieren sollten. Die Kickers jubelten, der WFV schrie Aus. Mindestens ein Meter.

Der Schiedsrichter pfiff. Tor. Ausgleich. 2:2.

Weil im Elfmeterschießen WFV-Schlussmann Jan-Peter Grunz genau so stark hielt wie in den 90 Minuten davor, reichten dem WFV drei getroffene Elfmeter zum Derbysieg. Für Tobias Riedner war der auch verdient: "Wir waren die stärkere Mannschaft, haben mehr Herzblut gezeigt." Die fehlende Türe war nach Spielende noch nicht wieder aufgetaucht.