München
Fußball-Europameisterschaft

Vier EM-Spiele in München: Werden Partien mit Zuschauern ausgetragen? Söder äußert sich

Die Fußball-EM steht vor der Tür. Noch ist unklar, ob die Spiele mit Zuschauern oder als Geisterspiele ausgetragen werden. Ministerpräsident Söder (CSU) vertritt dazu einen klaren Standpunkt.

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder sieht derzeit kaum eine Chance auf ein gefülltes Münchener Stadion während der Fußball-Europameisterschaft. "Im Moment kann ich mir das ehrlich gesagt nicht vorstellen mit großartigen Zuschauerzahlen zu operieren, es dauert ja nicht mehr lange", sagte Söder im Interview der RTL/ntv-Redaktion. Im Stadion des FC Bayern sollen die drei Gruppenspiele der deutschen Nationalmannschaft gegen Weltmeister Frankreich (15. 06.2021), Europameister Portugal (19. 06.2021) und Co-Gastgeber Ungarn (23. 06.2021) sowie ein Viertelfinale (02.07.2021) ausgerichtet werden.

"Ich halte auch nichts davon, wenn auf europäischer Ebene diskutiert wird: Es findet nur dort statt, wo möglicherweise Zuschauer komplett zugelassen werden", sagte Söder. Bis zu diesem Mittwoch mussten München und die weiteren elf EM-Gastgeberstädte ihre Konzepte für die Ausrichtung der Partien bei der Europäischen Fußball-Union UEFA einreichen.

Zulassung von Fans träfe auf bundesweiten Widerstand: Gute Erfahrungen mit Geisterspielen

Sollte München von der UEFA zur Zulassung von Fans verpflichtet werden, würde dies laut Söder "auch bei der deutschen Bundesregierung" auf Widerstand treffen. "Wir haben jetzt wirklich in der Frage der sogenannten Geisterspiele gute Erfahrung gemacht", sagte Söder. Bayerns Ministerpräsident wies jedoch darauf hin, dass sich trotz aller Sicherheitsmaßnahmen immer wieder Spieler mit Corona infiziert hätten.

Die bayerische Landeshauptstadt hofft hingegen weiter auf Spiele vor Publikum. Dafür gebe es "verschiedenen Szenarien, was mögliche Zuschauer im Stadion betrifft", hatte sie am Vortag mitgeteilt. Es sei "denkbar und wünschenswert, dass bei den vier Spielen in München Zuschauer im Stadion sein können".

Hygiene-Experte Florian Kainzinger hält Spiele der Fußball-EM in München mit begrenzter Besucherzahl für möglich. "Wir werden keinen Einstieg von Null auf Hundert finden. Vorausgesetzt wir haben zu diesem Zeitpunkt keine drohende Überlastung unserer Krankenhäuser, wäre es ein sinnvoller Ansatz bei den EM-Zuschauern, sich erstmal auf lokales Publikum zu begrenzen und keinen Global-Tourismus auszulösen. So ähnlich wie das Tokio bei den Olympischen Spielen machen will", sagte der Gesundheitsökonom am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur.

Hygiene-Experte spricht sich für lokales Publikum aus

Der 38-Jährige ist Mitglied der "Task Force Sportmedizin/Sonderspielbetrieb im Profifußball" der Deutschen Fußball Liga, war beim Hygienekonzept für die Basketball-Bundesliga federführend und koordiniert eine Initiative der großen deutschen Sportverbände und Kulturveranstalter zur Rückkehr von Zuschauern.

"Wir haben schon vor eineinhalb Monaten komplexe Konzepte vorgestellt, wie man das beim Fußball machen kann. Ein pauschales Nein halte ich da für den falschen Weg", sagte Kainzinger. "Es geht unter anderem um die Frage: Können Geimpfte auch ohne Tests rein - was ich sehr unterstütze. Dazu kommt ja, dass wir bis Sommer nochmal etwa 20 bis 30 weitere Prozent in der Bevölkerung geimpft haben werden."

Zuletzt hatte es Diskussionen darüber gegeben, ob die Europäische Fußball-Union (UEFA) in den zwölf Spielorten auf EM-Spiele mit Zuschauern bestehen werde. Wegen der Infektionslage in Deutschland sind derzeit aber keine Sportveranstaltungen mit Zuschauern erlaubt. München hatte als Spielort mitgeteilt, "weiterhin mit verschiedenen Szenarien, was mögliche Zuschauer im Stadion betrifft", zu planen.