Bamberg
Behindertenschwimmen

Sehbehinderte ist Favoritin auf Gold beim Schwimmen

Die Sehbehinderte Elena Krawzow will sich in Kanada über 100 Meter Brust den Titel sichern.
Daumen hoch - Elena Krawzow hofft in Toronto auf den großen Coup. Foto: bwa
Daumen hoch - Elena Krawzow hofft in Toronto auf den großen Coup. Foto: bwa
Am Montagnachmittag landete Elena Krawzow, die im Vorjahr bei den Paralympics mit Silber dekoriert aus London zurückkehrte, in Montreal und bereitet sich auf die am Wochenende beginnenden Schwimm-Weltmeisterschaften der Behinderten vor. Die gebürtige Kasachin, die vor neun Jahren nach Bamberg kam und derzeit eine Ausbildung zur Physiotherapeutin in Nürnberg ausübt, geht als Sehbehinderte in der Wettkampfklasse S13 an den Start.

Angesichts der Tatsache, dass die letztjährige australische Olympiasiegerin nicht am Start ist und Krawzow die schnellste gemeldete Zeit in ihrer Paradedisziplin 100 Meter Brust (1:20, 04 Min.) aufweist, kann sie im wahrsten Sinne des Wortes selbstbewusst mit breiter Brust auftreten.

Trainer Heuer zuversichtlich

"Sie hat wirklich gute Chancen, in Montreal abzuräumen", gibt sich Trainer Michael Heuer sehr optimistisch und hofft neben dem Favoritensieg auch
auf drei Finalteilnahmen über 50 und 100 Meter Freistil sowie 200 Meter Lagen. Der Grund für die guten Aussichten liegt darin, dass neben ihrem Talent und dem hohen Trainingsaufwand im Becken (16 Stunden, um die 40 Kilometer pro Woche) und im Kraftraum seit Mai auf einer 50-Meter-Bahn in Feucht trainiert werden kann. Die Bedingungen im Schwimm-Leistungszentrum vor den Toren Nürnbergs haben sich gewaltig verbessert.

Dabei sah es bis Februar diesen Jahres gar nicht so gut für die 19-Jährige aus: Neben den vielen Öffentlichkeits-Terminen - so bekam sie auch vom Bundespräsidenten das "silberne Lorbeerblatt" - hatte sie mit Krankheiten zu kämpfen und musste ihr Pensum gewaltig reduzieren. Ihre trotzdem gute aktuelle Form unterstrich sie bei den internationen deutschen Meisterschaften: Über 50 und 100 m Brust kam zu sie zwei Titeln. Außerdem verbesserte sie ihren bestehenden Europarekord in der SB 13 über 100 m Brust.

"Es ist fast leichter Weltmeister als deutscher Meister zu werden", wirft Heuer ein und begründet dies damit, dass bei der "Deutschen" - anders als bei der WM - nicht isoliert die einzelnen Startklassen ausgeschrieben werden. Bei einer DM wird stattdessen ein Punktesystem angewandt. In Montreal wird "getrennt" nach Behinderungsgrad geschwommen.

Eine Zeit unter 1:20 Minuten und dazu noch Gold über 100 m Brust, das wäre für Elena Krawzow das Nonplusultra. Für sie hat die WM-Teilnahme Premieren-Charakter und könnte nach London 2012 zum zweiten Höhepunkt ihrer noch jungen Schwimmkarriere werden.