München
Fußball-Bundesliga

Ribéry erlöst FC Bayern im Derby

Über eine Stunde verteidigt der kampfstarke Club hervorragend, doch dann bricht der Superstar den Bann. Robben trifft nach einem tollen Solo zum 2:0-Endstand für den Triple-Sieger aus München.
Franck Ribéry lässt nach dem Führungstreffer seinen Emotionen freien Lauf und empfahl sich einmal mehr für die Wahl zu Europas Fußballer des Jahres am Donnerstag in Monaco.
Franck Ribéry lässt nach dem Führungstreffer seinen Emotionen freien Lauf und empfahl sich einmal mehr für die Wahl zu Europas Fußballer des Jahres am Donnerstag in Monaco.
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Franck Ribéry riss sich das Trikot vom Leib und sprintete über den halben Platz - sein Kopfballtreffer nach 69 Minuten war die Erlösung für den FC Bayern im Derby gegen einen klug verteidigenden 1. FC Nürnberg. Als dann Ribérys kongenialer Partner Arjen Robben (78.) auf der anderen Angriffsseite mit einem tollen Solo die müden Club-Spieler wie Slalomstangen stehen ließ und zum verdienten 2:0 vollstreckte, war die Bayern-Welt endgültig in Ordnung.

Schäfer hält Elfmeter von Alaba

Dritter Sieg im dritten Spiel - der Triple-Sieger ist auf Kurs, auch wenn noch genügend Luft nach oben ist. "Wir haben alles reingeworfen, was für den FCN machbar ist.
Jetzt müssen wir uns darauf konzentrieren, die Punkte, die wir brauchen, in anderen Spielen zu holen", gab Torhüter Raphael Schäfer gleich nach der Partie die Devise für das nächste Derby am kommenden Samstag gegen den FC Augsburg aus. Nach 32 Minuten hatte der FCN-Torhüter sogar einen Elfmeter von David Alaba gehalten und so seinem wacker kämpfenden Team (61 Prozent gewonnene Zweikämpfe in der ersten Halbzeit ) ein 0:0 zur Pause gesichert.

Michael Wiesinger ging mit einem defensiven Bollwerk - zwei Viererketten - in dieses 187. Derby. Und die Jungs auf dem Feld setzten das Konzept des Trainers perfekt um. "In den ersten 60 Minuten haben wir ein Riesenspiel gemacht und keine klaren Torchancen zugelassen. Wir können viele positive Dinge aus diesem Spiel mitnehmen", freute sich FCN-Angreifer Daniel Ginczek über die gute Defensivleistung. Ärgerlich war für den von St. Pauli gekommenen Stürmer, dass er zum dritten Mal in dieser Saison nur Aluminium getroffen hat: Sein Gewaltschuss aus 22 Metern prallte nach einer Viertelstunde von der Unterkante der Latte ins Feld zurück - der ansonsten beschäftigungslose Manuel Neuer wäre ohne Chance gewesen.

So freute sich Bayern-Coach Pep Guardiola später auch darüber, dass seine Mannschaft ähnlich wie schon in Frankfurt und im Gegensatz zum Auftaktspiel in Mönchengladbach kaum Konter zugelassen hatte. "In der zweiten Halbzeit haben wir besser gespielt. Wir haben über Ribéry und Robben die Angriffe schneller vorgetragen. Das hat mir gefallen. Ich bin zufrieden mit der Spielkontrolle. Der Club hat sehr kompakt und gut organisiert gespielt", analysierte der Startrainer. Die Bayern sind nun seit 28 Spielen in der Bundesliga ungeschlagen - Vereinsrekord.

Thiago fällt sieben Wochen aus

Guardiolas Konzept ging aber erst auf, als er nach gut einer Stunde mal eben zwei Neuzugänge, die zusammen 62 Millionen Euro gekostet haben, auf die Bank beorderte. Mario Götze und Thiago standen erstmals von Beginn auf dem Rasen, sind noch nicht in Bestform. Der etablierte Thomas Müller sorgte hingegen nach seiner Einwechslung für frischen Wind. Gestern wurde bekannt, dass Thiago auf Grund eines Risses des Syndesmosebandes im rechten Bein etwa sieben Wochen ausfällt.
"Wir mussten ein bisschen geduldig sein, das waren wir. Man hat in der zweiten Halbzeit gemerkt, dass wir einen Gang zugelegt haben. Dann ist das erlösende 1:0 gefallen. Wir wissen, dass wir noch besser spielen können, aber das wird kommen", versprach Bastian Schweinsteiger eine Steigerung.

Während die Bayern nach 60 Minuten so richtig Fahrt aufnahmen und ihre Angriffe jetzt mit der nötigen Geschwindigkeit - nach dem Standfußball in der ersten Halbzeit - vortrugen, ging den Nürnbergern "etwas der Sprit aus" (Wiesinger). Vor allem das Doppeln der Außen klappte jetzt nicht mehr wie gewünscht, so dass "Robbery" kräftig wirbeln konnten.

"Waren unangenehmer Gegner"

Der Club konnte aber dennoch erhobenen Hauptes nach Nürnberg zurückfahren: Anders als bei den letzten Auftritten in der Allianz-Arena (zweimal 0:4) war der 1. FCN "ein unangenehmer Gegner, der sich nach Kräften gewährt hat", wie Hanno Balitsch später treffend feststellte. "Die Leistung war o.k., auch wenn sie nicht mit einem Punkt belohnt wurde."
In Nürnberg hofft man auch, dass nach dem zweiten unberechtigten Elfmeter innerhalb einer Woche nun die "Strafe" für das nicht gegebene Tor beim Auftaktspiel in Hoffenheim abgebüßt ist. "Für die Fehlentscheidung von Herrn Kienhöfer konnten wir nichts. Zuletzt hatte man aber das Gefühl, dass man versucht, das gerade rücken zu wollen. Die kleinen Vorurteile, die man gegen den FCN hatte, sollte man jetzt wieder zurücknehmen", plädierte Torhüter Schäfer für eine gerechtere Behandlung. Und Stürmer Ginczek ist sich sicher, dass mit den Fans, die ihre Mannschaft trotz der Niederlage in der Allianz-Arena feierten, im Rücken gegen den FC Augsburg der erste Saisonsieg gelingt. Zumindest verfügt der FCA nicht über einen Weltklassespieler wie Franck Ribéry.