Nach einer alten Sportlerweisheit hat der Pokal seine eigenen Gesetze. Für den Basketball-Pokalwettbewerb in Deutschland gilt das in ganz besonderem Maße. Und zwar nicht wegen der Floskel, dass in diesem Wettbewerb ein "Kleiner" auch einmal einen "Großen" schlagen kann. Sondern dahingehend, dass bei den Korbjägern die "Großen" im Pokalwettbewerb in der Regel unter sich sind und es außerdem für die Bundesliga-Basketballer nun schon im fünften Jahr der kürzeste Weg zu einem Titel ist.

Wildcard für den Gastgeber

In keiner anderen der populären Mannschaftssportarten Deutschlands ist es so einfach, Pokalsieger zu werden wie im Basketball - weil an diesem Wettbewerb nur sieben Mannschaften beteiligt sind. Maximal drei Siege, einer in der Qualifikationsrunde, zwei beim Top-Four-Turnier, sind dazu nötig.
Ulm, Ausrichter des Endturniers am kommenden Wochenende, reichen sogar schon zwei Erfolge. Denn der Gastgeber erhält von der Basketball-Bundesliga (BBL) für das Endturnier eine Wildcard. Die Brose Baskets, Bayern München und Alba Berlin haben sich mit einem Sieg im Qualifikationsspiel zumindest sportlich die Halbfinalteilnahme verdient.

Nach Ansicht der Liga hat sich der 2009 eingeführte Modus bewährt. "Wir haben den Pokalwettbewerb seinerzeit reformiert, um die Bundesliga-Hauptrunde aufzuwerten. Jetzt ist schon in der ersten Saisonhälfte Spannung drin, weil sich die sechs besten Mannschaften nach der Hinrunde für die Pokalteilnahme qualifizieren", sagt BBL-Sprecher Dirk Kaiser. Und das Top Four sei ohnehin ein Selbstläufer. Kaiser: "In den letzten Jahren war das Pokalturnier immer ausverkauft und die Stimmung in den Hallen grandios."

Treffen von alten Bekannten

Allerdings teilt der gegenwärtige Pokalmodus die BBL in eine Zwei-Klassen-Gesellschaft. Da sich nur die sechs besten Teams nach Abschluss der Bundesliga-Hinrunde für die Qualifikationsrunde qualifizieren, nehmen Jahr für Jahr fast immer die gleichen Teams teil - sofern sie als Ausrichter ohnehin nicht schon ihr Top-Four-Ticket sicher haben. Oldenburg war bislang fünfmal in der Quali dabei, Bamberg, Berlin, Bonn und Quakenbrück je viermal. Infolgedessen treffen sich auch beim Top Four regelmäßig alte Bekannte: An den fünf Endturnieren von 2010 bis heuer waren nur zehn verschiedene Teams beteiligt, wobei die Brose Baskets Rekordteilnehmer (4) sind.

Sieben Teams noch nie dabei

Auf der anderen Seite haben es seit 2010 sieben langjährige Bundesligisten bislang noch nicht einmal geschafft, sich für den Pokalwettbewerb zu qualifizieren: Bremerhaven, Ludwigsburg, Weißenfels, Tübingen, Hagen sowie die beiden fränkischen Klubs aus Bayreuth und Würzburg. Dennoch gibt es dezeit keine Bestrebungen, den Ligapokal zu modifizieren. "Aus sportlicher Sicht wäre es natürlich wünschenswert, wenn wir kleinen Vereine uns auch im Pokalwettbewerb mit den Goliaths der Liga messen könnten. Aber ich habe auch durchaus Verständnis für die Interessen der Liga. Der gegenwärtige Modus gewährleistet, dass die besten Mannschaften am Top Four teilnehmen. Damit verbunden ist eine große Medienpräsenz, und uns allen ist natürlich daran gelegen, Basketball einer möglichst breiten Öffentlichkeit präsentieren zu können", meint Martin Piotrowski, Geschäftsführer von Medi Bayreuth.

Zudem würde eine Ausweitung des Pokalwettbewerbs zu weiteren Problemen mit dem straffen Terminplan kommen. Aufgrund der Verpflichtungen der Spitzenteams in den europäischen Wettbewerben ist es bei der 18er-Liga schon jetzt schwer, bei Spielverlegungen Nachholtermine zu finden.

Konsens herrscht darüber, dass der gegenwärtige Modus weitaus besser ist als der alte, an dem neben allen Bundesligisten auch die Zweitligisten beteiligt waren. "Die Geschichte von David schlägt Goliath gibt es bei uns nicht. Basketball ist ein High-Scoring-Game, da setzt sich in der Regel immer die klassenhöhere Mannschaft durch. Beim Fußball reicht dagegen schon ein Tor Unterschied. Und außerdem waren bei den Pokalspielen früher die Hallen nie voll", erläutert Kaiser. Dennoch wolle sich die Ligazentrale Überlegungen über eine Modifizierung des Wettbewerbs nicht verschließen, sollten die Vereine dies wünschen. Kaiser sagt: "Nichts ist in Stein gemeißelt."