Hitzeschlacht mit viel Sportsgeist

Kindliche Begeisterung prägt die Spiele am Samstag im Bamberger Stadion. Aber auch Fußball-Sachverstand und bereits gut entwickeltes Können. An der Schwelle zur Jugend sind die Talente echte Vorbilder in Sachen Freude am Sport.
 

Die Polizei hatte die Sicherheitslage bei der Mini- WM am Samstag im Fuchs- Park-Stadion richtig eingeschätzt. Die Personalstärke vor Ort bewegte sich glatt gegen null, die Jalousien des Kontrollraums unter dem Dach der Haupttribüne waren heruntergelassen, die Tür verschlossen. Ansonsten standen den Fußballtalenten aus halb Nordbayern und ihren Fans in der altehrwürdigen, aber überwiegend auf neuesten Stand gebrachten Hauptkampfbahn alle Türen offen. Auch die, die in die Kurven des Stadionrunds auf die schattigen Stufen unter den mächtigen Kastanienbäumen führen – und ansonsten abgesperrt sind. Ob lauschiges Plätzchen unter dem Blätterdach oder Vollbad in den aufgestellten und immer wieder befüllten Plantschbecken: Die Youngster wussten sich zu helfen, um sich abzukühlen und wieder fit zu machen für das nächste WM-Spiel. Mineralwasser gab es kostenlos für die Kids, zwei Liter pro Kopf sollten reichen, meinten die Organisatoren. Schon gegen Mittag holten sie Nachschub. „Kein Problem“ auf den vier Kleinspielfeldern vermeldeten Teresa Wachter (16) und Anja Gebhard (15). Sie vertraten attraktiv und kompetent die Gruppe Bamberg als Schiedsrichterinnen. Zusammen mit ihren älteren Kolleginnen und Kollegen haben sie längst erkannt, dass gerade bei den jungen Fußballern der Unfrieden nicht zwischen den Toren entsteht, sondern jenseits der Aus-Linien. Der FC Eintracht Bamberg 2010 sorgte für die Organisation und Verpflegung im Stadion, die Spielleitung stellte der Bayerische Fußball-Verband mit seinen Gruppenjugendleitern Ludwig Dinger, Horst Deller und Thomas Sauerstein. Fair ging es zu auf den Spielfeldern, die Entschuldigung nach einem (ungewollten) Foul folgte auf dem Fuß. Das runde Leder stand bei den Zehn- und Elfjährigen wirklich im Mittelpunkt am Samstag, kein Pulk war auszumachen, in dem – wie so oft mittlerweile – die Smartphones den Ton angeben. Die Fifa-14-App wird zur Nebensache, wenn es leibhaftig und schweißgebadet zur Sache geht. Und Bundesliga-Ergebnisse sind in diesen Tagen ohnehin nicht abzurufen.

Keine Landeier aus Lichtenfels Es wird nicht über die neuesten „Selfies“ gelacht, sondern Humor produziert, der im Geist entsteht. „Wir sind die Außenseiter, wir sind die Landeier“, lassen die Jung-Stars des FC Fortuna Roth aus Lichtenfels auf ihrer Stadionrunde witzelnd wissen und zeigen so, dass ihnen bereits geläufig ist, was Selbstironie bedeutet. Duke ist der Sohn von Jeremiah Katatumba und aktiv für den FC Eintracht Erlach. Sein Verein vertrat Ghana. Vater Katatumba kommt aus Uganda. Kein Grund, nicht begeistert anzufeuern. „Hauptsache, ein afrikanisches Land“, lacht Jeremiah Katatumba. „Und ich freue mich halt einfach,wenn die Kinder gewinnen.“ Eine wertvolle Erfahrung am Samstag: Sich fremd sein, das kennen die Kids im Bamberger Stadionrund nicht. „Murat“ als Name des Mannschaftskameraden kommt ihnen über die Lippen wie David, Jonas oder Kevin. Für sie ist Murat nicht die fränkische Kurzform, wenn es darum geht, „Motorrad“ zu sagen. So soll es sein, so soll es bleiben – auf dem Weg zum großen Sportler, zum mündigen Mitglied des menschlichen Miteinanders. Die Mini-WM hat die Messlatte hochgelegt: DasBamberger Turnier ging originalgetreu mit perfekter Organisation und Motivation mindestens so groß wie bei Götze & Co. an nur einem Tag über die Bühne. Können da die Brasilianer mithalten?


 

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