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Basketball

Heyder-Interview zur Trennung von Wright und Velickovic

Einen Tag nach dem Aus im Eurocup verkünden die Brose Baskets die Trennung von zwei Akteuren, die ihren Rollen als Führungsspieler nicht gerecht geworden sind. Die Bamberger sind weiter auf der Suche nach einem Aufbauspieler.
Novica Velickovic (l.) hat zwar viel mit seinen Teamkollegen geredet, auf dem Feld wurde er seiner Rolle als Führungsspieler aber ebenso wenig gerecht wie Spielmacher Zack Wright. Foto: sportpress
Novica Velickovic (l.) hat zwar viel mit seinen Teamkollegen geredet, auf dem Feld wurde er seiner Rolle als Führungsspieler aber ebenso wenig gerecht wie Spielmacher Zack Wright. Foto: sportpress
Gezeichnet vom Aus im Eurocup, verkündete Manager Wolfgang Heyder gestern, dass die Brose Baskets die Verträge mit Zack Wright und Novica Velickovic aufgelöst haben. Wright trug bei der 84:102-Pleite in Sassari zum letzten Mal das Bamberger Trikot und wird ab sofort für Panathinaikos Athen auf Korbjagd gehen. Hier ein Interview mit dem sportlichen Leiter zur aktuellen Situation.

Wie groß ist die Enttäuschung nach dem Eurocup-Aus?
Heyder: Die sitzt natürlich tief. Nachdem wir mit elf Punkten Vorsprung nach Italien gereist sind, haben wir uns natürlich eine große Chance ausgerechnet weiterzukommen, haben uns das Duell gegen Berlin gewünscht. Das Spiel war drei Viertel unter unserer Kontrolle und innerhalb von zweieinhalb Minuten durch individuelle Fehler - vorne und hinten - weg. Es war immer klar, dass Sassari eine extrem gefährliche Mannschaft ist, weil da immer vier Spieler auf dem Feld sind, die kreieren und auch Dreier werfen können. Obwohl wir das wussten, konnten wir es nicht abstellen. Und wenn du gegen so eine Mannschaft mit 16 oder 18 Punkten zurückliegst, ist es auch schwer zurückzukommen.

Nun verlässt Zack Wright die Brose Baskets in Richtung Panathinaikos Athen.
Es ist ja so, dass die Anfrage von Panathinaikos schon vor sechs Wochen bei uns war. Damals haben wir nicht zugestimmt. Insgesamt hat sich aber gezeigt, dass Zack nie richtig in Bamberg angekommen ist. Vor allem in dem, was wir von ihm wollten, die Mannschaft zu führen, der Leader zu sein, dem Team als Aufbauspieler den Impuls zu geben. Das ist nicht seine Rolle. Er ist ein Back-up-Point-Guard. Um der Mannschaft klare Strukturen, eine Hierarchie zu geben, haben wir uns entschlossen, ihn nach Athen abzugeben.

Für Nole Velickovic wurde viel getan im Lauf der Saison. Was sind die Gründe für die Trennung?
Nole kam nach einer längeren Verletzungspause nach Bamberg, wobei wir ihn nach ärztlichen Gesichtspunkten durchaus als gesund angesehen haben. Es hat sich aber schnell gezeigt, dass er die Fitness, die im Hochleistungsbereich notwendig ist, nicht nachweisen konnte. Er war bereit, auf Gehalt zu verzichten und hat über dreieinhalb Monate den Reha-Prozess in Bamberg fortgesetzt. Als er zurückkam, zeigte er in Mailand und Istanbul zwei sehr ansprechende Spiele. Aber es hat sich nach Weihnachten gezeigt, dass er diese körperliche Fitness nicht besitzt. Er hat es einfach nicht geschafft, der Mannschaft den Input zu geben, der notwendig ist. Da Rod Ford in den nächsten zehn Tagen nach seiner Knieverletzung zurückkommen wird und am 3. März gegen Würzburg sein erstes Spiel machen könnte, wäre es keine gute Botschaft, noch einmal Konkurrenz aufzubauen. Ich muss aber betonen, dass sich Nole von der Einstellung her immer hervorragend präsentiert hat. Aber es war zu sehen, dass er das, was er kann und bereits nachgewiesen hat, nicht umsetzen konnte.

Gibt es schon Kandidaten für die Nachfolge von Zack Wright?
Wir sind auf der Suche nach einer Ersatzlösung, werden aber keine Harakiri-Aktion starten. Wir haben klar gesagt, dass wir nur jemanden verpflichten, der die Mannschaft besser macht. Ansonsten würden wir versuchen, das Thema aus der eigenen Struktur heraus zu lösen.

Sind bei der Auswahl der Spieler vor der Saison Fehler passiert?
Die Position des Spielmachers und des Vierers sind die wichtigsten Positionen im Basketball. Das sind die Kreativen, die Führer. Diese Rollen haben in den letzten Jahren Brian Roberts, Peja Suput, Boki Nachbar oder P.J. Tucker ausgefüllt. Da war viel Führungsqualität vorhanden. Wir haben auch vor dieser Saison in diese Richtung gesucht, aber für den Aufbau und was die Vierer-Position betrifft, keine Ideallösungen gefunden. Da haben ich, der Trainer und der Scout Fehler gemacht, das steht außer Frage. In diesem Zusammenhang will ich aber auch betonen, dass Chris Fleming und sein Trainerstab einen hervorragenden Job machen. Es gibt keinen Grund, etwas an ihrem Tun zu kritisieren.


Kommentar

Zerbröselt

Die Brose Baskets müssen einen zweiten Tiefschlag verdauen: Vor der Saison mit dem Anspruch gestartet, in der Königsklasse zumindest wieder die Runde der besten 16 Mannschaften in Europa zu erreichen, war im Dezember schon der Abstieg in den Eurocup eine herbe Enttäuschung. In den beiden Partien gegen Ankara musste der deutsche Meister dann erkennen, dass auch in diesem zweitklassigen Wettbewerb ordentlicher Basketball gespielt wird. Am Mittwoch zerbröselten in Sassari innerhalb von zweieinhalb Minuten alle Hoffnungen. Nicht zum ersten Mal in dieser Saison waren die Bamberger über drei Viertel ein ebenbürtiger Gegner, um dann im Endspurt völlig aus den Fugen zu geraten. Diese mangelnde Konstanz mag in der Bundesliga gegen Bremerhaven oder Tübingen zum Sieg reichen, auf europäischem Parkett wird das eiskalt bestraft.
Jetzt gilt es für die Fleming-Truppe, eine verkorkste Saison ordentlich zu beenden. Noch ist vieles möglich. Wer im März letzten Jahres vom Titel gesprochen hätte, wäre für verrückt erklärt worden. Alle müssen begreifen, was es heißt, das Brose-Trikot zu tragen, sonst droht der K.o.