Altenkunstadt
Radsport

Grischa Janorschke ist bei der 34. Bayern-Rundfahrt mit dabei

Der Altenkunstadter Grischa Janorschke misst sich ab heute bei der Bayern-Rundfahrt mit den Besten seiner Zunft. Die 34. Auflage beginnt in Pfaffenhofen an der Ilm und endet am Sonntag in Nürnberg. Bis dahin haben die 20 Teams mit 140 Profis fünf Etappen, davon eine als Einzelzeitfahren, zu bewältigen.
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Im markanten grün-schwarzen Dress von Abus-Nutrixxion fährt der Altenkunstadter Grischa Janorschke ab heute die Bayernrundfahrt. Foto: H. A. Roth
Im markanten grün-schwarzen Dress von Abus-Nutrixxion fährt der Altenkunstadter Grischa Janorschke ab heute die Bayernrundfahrt. Foto: H. A. Roth
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Am heutigen Mittwoch beginnt die 34. Bayern-Rundfahrt für Radprofis in Pfaffenhofen an der Ilm und endet am Sonntag in Nürnberg. Bis dahin haben die 20 Teams mit 140 Profis fünf Etappen, davon eine als Einzelzeitfahren, zu bewältigen.

Die längste Etappe steigt am dritten Tag. Dann geht es über 196,8 Kilometer von Viechtach nach Kelheim. Für die Vorentscheidung im Kampf ums Gelbe Trikot könnte das Einzelzeitfahren am Samstag sorgen, das über 31,2 Kilometer im oberpfälzischen Schierling geht.

Im vergangenen Jahr sprinteten Michael Rogers und Alessandro Petacchi beim finalen Teilstück in Bamberg um den Sieg. Wenige Wochen vor dem Start der Tour de France wollen sich auch diesmal zahlreiche Spitzenfahrer von elf Pro-Tour-Teams einrollen. Sky-Kapitän Geraint Thomas hatte bereits 2011 die Bayern-Tour gewonnen, am Start ist auch der Franzose Pierre Rolland. Aus deutscher Sicht ist vor allem der Start von Gerald Ciolek von Interesse, der erst vor zwei Monaten überraschend den Klassiker Mailand-San Remo gewonnen hatte.

Vor einem Jahr in Bamberg musste der Altenkunstadter Grischa Janorschke verletzt zusehen. Umso mehr brennt der nächste Woche 26 Jahre alt werdende Oberfranke auf seinen dritten Einsatz nach 2009 und 2011 beim einzigen Mehretappenrennen Deutschlands der höchsten Kategorie (UCI 2.HC) mit Profi-Beteiligung. Nach einer Seuchsensaison beim Pro-Kontinental-Team Net-App mit einer Ellenbogen- und zwei Schulteroperationen erhielt Janorschke für 2013 dort keinen Vertrag mehr und kehrte zum Kontinental-Team Abus-Nutrixxion zurück, für das er schon in den Jahren 2009 bis 2011 gefahren war.

Nach letztjähriger Abstinenz bei der Bayernrundfahrt dürften Sie in diesem Jahr besonders heiß auf das Rennen sein. Welche Ziele haben Sie sich für die nächsten fünf Tage gesteckt?
Grischa Janorschke: Schade, dass ich letztes Jahr in Bamberg nicht dabei war, das hat mich echt gewurmt. In diesem Jahr rechne ich mir auf der ersten, dritten und fünften Etappe Chancen auf eine Top-Ten-Platzierung aus. Auf dem zweiten Tagesabschnitt muss ich sehen, wie ich über die Berge komme. Man muss allerdings abwarten, wie die anderen Teams das angekündigt schlechte Wetter wegstecken. Ich habe jedenfalls zwei Regenjacken eingepackt. Das Einzelzeitfahren am vierten Tag ist nicht meine Stärke.

Wie ist Ihre Form derzeit?
Unsere Vorbereitung war auf die Bayern-Rundfahrt ausgerichtet. Bis vor einer Woche bin ich zehn Rennen in 16 Tagen gefahren, zuletzt Rund um Köln, und regeneriere zurzeit, so dass meine Form am Start gut sein sollte. Doch das wird man erst nach dem Startschuss sehen.

Ab Mittwoch können Sie auch ihrer Teamleitung des vergangenen Jahres zeigen, dass es falsch war, Ihnen keinen Folgevetrag anzubieten. Ist das eine Motivation für Sie?
Natürlich ist es eine Motivation, es allen zu zeigen, die in der vergangenen Saison nicht mehr an mich geglaubt haben. Vor allem fahre ich aber für mein Team und mich und will mir selbst beweisen, dass ich es noch kann.

Was ist der Unterschied zwischen einem Pro-Kontinental-Team Net-App, für das Sie im Jahr 2012 gefahren sind, und dem Kontinental-Team Abus-Nutrixxion?
Das Rennprogramm ist bei einem Pro-KT-Team größer und die Rennen prominenter. Auch finanziell ist es noch ein großer Unterschied. Bei den Kontinental-Teams geht es wesentlich kleiner und familiärer zu. Das Programm ist eingleisig, nicht wie bei den Pro-KT-Mannschaften, die zwei Gruppen gleichzeitig fahren haben - etwa wie mein Ex-Team Net-App, das bei der California-Tour und bei der Bayern-Rundfahrt unterwegs ist. Bei beiden geht es aber ums Fahrradfahren und Treten.

Und was machen dann die Pro-Tour-Teams noch anders?
Die Pro-Tour-Teams haben alle großen Rennen fest gebucht. Das Programm ist noch umfangreicher und die Teams noch größer. Sie fahren alle Rennen auf höchstem Niveau. Für die ist die Bayern-Rundfahrt ein mittleres Rennen. Allerdings sind von den 20 Teams, die in Pfaffenhofen am Start stehen elf dabei, die auch die Tour de France bestreiten.

Welche Fahrer zählen für Sie zu den Favoriten der Bayern-Rundfahrt?
Die Gesamtwertung und Platz 1 für die beste Mannschaft ging in den vergangenen beiden Jahren an das Team Sky. Die können einem Rennen den Stempel aufdrücken, haben mit dem Waliser Geraint Thomas den Gesamtsieger von 2011 am Start, die besten Zeitfahrer und starke Bergfahrer. Aus diesem Team dürfte auch heuer wieder der Sieger kommen. Da das Zeitfahren mit 31 Kilometern sehr lange ist, dürften es die Bergfahrer schwer haben, einen so großen Vorsprung herauszufahren, den sie über das Zeitfahren retten könnten.

Nach ihrem Sturzpech im vergangenen Jahr bei den Eintages-Klassikern Dwars Door Drenthe und bei Paris-Roubaix auf einem Pflastersteinstück sowie bei der Solidarnocs-Rundfahrt, als Ihnen beim Zielsprint ein Hund ins Rad gelaufen war, wie geht man dann in einen Massensprint? Hatten Sie im vergangenen Jahr diesbezüglich psychologische Betreuung?
Direkt psychologische Betreuung hatte ich nicht. Ich habe viele Gespräche mit einem Mentor Helmut Dorsch, den ich, seit ich 15 bin, kenne, geführt, um dieses Unfallserie aus dem Kopf zu bekommen. Allerdings gehört Stürzen dazu, das lernt man von klein auf. 2012 war die Häufigkeit und die Schwere der Verletzungen bei mir schon extrem. Ich hatte aber auch schon Jahre ohne Sturz. Inzwischen stürze ich mich bedachter und bewusster ins Getümmel, nehme mal einen Tick raus und bremse eher. Ich bin etwas ruhiger geworden beim Sprint, wenn man bei Tempo 60 von ruhiger reden kann. Sagen wir mal so: Ich reize mein Glück nicht aufs letzte Prozent aus. In diesem Jahr habe ich aber schon mit 13 Top-Ten-Platzierungen, davon zwei zweite und zwei dritte Ränge, gezeigt, dass ich vorne mitsprinten kann. Jetzt fehlt nur noch ein Sieg.
Die Fragen stellte unser
Redaktionsmitglied Udo Schilling

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