Rattelsdorf
Basketball

Gary von Waaden - die 2,10 m große Glücksfee

Gary von Waaden zieht am kommenden Mittwoch die Pokal-Halbfinal-Partien. Der in Rattelsdorf (Landkreis Bamberg) lebende 52-Jährige drückt den Ulmern wie den Bambergern die Daumen.
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In San Jose/Kalifornien geboren, in Rattelsdorf zu Hause.
In San Jose/Kalifornien geboren, in Rattelsdorf zu Hause.
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Unter einer Glücksfee stellt man sich gemeinhin etwas anderes vor als ein kräftiges, 2,10 m großes Mannsbild. Doch er ist der Ulmer Pokalheld, er warf die SSV-Basketballer 1996 zum bisher einzigen Titel - Gary von Waaden.

Es waren noch wenige Sekunden zu spielen, Bayer Leverkusen lag mit 79:78 vorn. Der SSV 1846 Ulm hatte den letzten Angriff. Der Spielzug war für den in solchen Situationen starken Jarvis Walker geplant. "Der hatte jedoch einen Verteidiger vor sich. Er passte zu mir auf die linke Seite und ich habe den Ball aus der Halbdistanz über Brett reingeworfen", erinnert sich von Waaden an die Schlusssekunden des Pokalfinales am 18. Februar 1996 in der Berliner Deutschlandhalle. Danach war nur noch Jubel.

Berlin und München die Favoriten

Ob der 1961 in San Jose geborene Kalifornier am kommenden Mittwoch erneut Jubel in Ulm auslösen wird? In der Halbzeitpause der Partie ratiopharm Ulm gegen den Mitteldeutschen BC zieht der in Rattelsdorf (Lkrs. Bamberg) lebende Ulmer Pokalheld die Halbfinal-Begegnungen für das Top-Four-Turnier am 29./30. März. Die vier Topclubs FC Bayern München, Brose Baskets Bamberg, Alba Berlin und Ausrichter Ulm liegen im Lostopf. Für drei der vier Vereine hat von Waaden in seiner 13-jährigen Bundesliga-Karriere gespielt. Zwei Spielzeiten in Berlin, vier in Bamberg und zum Abschluss sechs in Ulm, ehe er ein Jahr nach dem Pokaltriumph mit den "Spatzen" in die 2. Liga wechselte und dort für Paderborn und später Rattelsdorf auf Korbjagd ging.

Wunschfinale Ulm - Bamberg

Vor einer Antwort, wem er am Pokal-Endturnier in Ulm die Daumen drückt, drückt sich von Waaden. "Das ist schwer, eine politisch korrekte Antwort zu geben", sagt der längst in Oberfranken heimisch gewordene 52-Jährige. "Ich wünsche mir ein spannendes Finale, am liebsten Ulm gegen Bamberg", sagt er diplomatisch. Die Favoriten seien aber derzeit Berlin und München, fügt er an.

Die Kontakte nach Ulm und Berlin bestehen weiterhin, doch im Kreis Bamberg hat sich von Waaden niedergelassen und mit Alexandra "Sandy" eine Bambergerin geheiratet. Mit ihr führt der in Rödental als Logistiker arbeitende von Waaden auch ein Damen-Fitness-Studio in Breitengüßbach.

"Wenn Ulm im Pokal spielt, bin ich noch oft dabei", sagt er. So wird er sicher auch beim Top-Four-Turnier Ende März in der Ratiopharm-Arena in Neu-Ulm sein. Und wenn auch die meisten jungen Ulmer Fans Gary von Waaden wohl nicht mehr kennen, unter den Verantwortlichen in Ulm genießt von Waaden, der seine kalifornische Lockerheit beibehalten hat, hohes Ansehen. Vom aktuellen Trainer Thorsten Leibenath erhielt der Oberfranke vor dem Viertelfinalspiel 2012 der Ulmer gegen Oldenburg ein Ulmer Trikot mit der Nr. 96 und Pokalheld-Schriftzug überreicht. Für das Oldenburg-Spiel brachte er dann Glück, doch im Halbfinale in Bonn gegen Bamberg verloren die Schwaben nach Verlängerung.

"Hakenwurf ist ausgestorben"

Die Unterschiede im Spiel von 1996 zu heute sieht der A-Trainerlizenz-Inhaber neben der Athletik der Spieler vor allem in der schnelleren Ballbewegung und in der höheren Anzahl von Dreierversuchen. "Das wäre heute mein Spiel", grinst der stets auch aus der Distanz sehr gefährliche 2,10-Meter-Hüne. "Leider ist der Hakenwurf nahezu ausgestorben", bedauert er.

Nach seiner aktiven Zeit als Profi wechselte von Waaden vom Parkett auf die Trainerbank. Beim BBC Coburg war er vier Jahre tätig, zu Beginn noch als Spielertrainer. In Rattelsdorf führte er das Team in die Regionalliga, ehe er eine Pause einlegte. Nach dem Aufbau des Sportstudios mit seiner Frau coachte er in Ebensfeld in der Bezirksliga. Zurzeit betreut von Waaden die U18-Jungs und die Damen bei der BG Litzendorf vor den Toren Bambergs.

Sohn sehr erfolgreich

Auf die Frage, warum er nicht im Jugend-Konzept der Brose-Baskets integriert ist, sagt er lapidar: "Es hat mich noch nie einer gefragt." Von diesem Konzept profitiert auch sein Sohn Dominick, der nun für den erweiterten U15-Nationalkader nominiert wurde. "Mir ist der Umgang mit den Jugendlichen manchmal zu negativ. Die Kinder werden zum Teil wie Erwachsene behandelt. Doch werden sie gut ausgebildet, und der Erfolg ist da."
Erfolg hatte Gary von Waaden vor drei Jahren noch einmal. Da holte er nach dem Pokalsieg mit Ulm noch einen nationalen Titel. Mit dem TSV Breitengüßbach wurde er deutscher Ü45-Meister. Ob es für die Bamberger Bundesliga-Korbjäger in diesem Jahr noch zu einem Titel reicht, vermag er nicht zu sagen. "Auf jeden Fall können sie sich nach dem Eurocup-Aus nun auf den Pokal und die Meisteschaft konzentrieren." Den Final-Einzug traut er der Fleming-Truppe zu - im Pokal wie in der Meisterschaft.


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