Nürnberg
Fußball-Bundesliga

Club-Kapitän Schäfer: Fair Play ist mir jetzt scheißegal

Die nächste Niederlage, der nächste Aufreger: Der 1. FC Nürnberg hadert nach dem 0:2 gegen Gladbach vor allem mit einer Elfmeter-Szene. Im Kampf um den Klassenverbleib wird es für den Club immer enger. Kapitän Schäfer kündigte eine härtere Gangart an.
Der Nürnberger Trainer Gertjan Verbeek (rechts) gibt nach dem Abpfiff gegen Mönchengladbach seinemTorwart Raphael Schäfer die Hand. Später haderten beide mit der Leistung von Schiedsrichter Tobias Stieler. Foto: Daniel Karmann/dpa
Der Nürnberger Trainer Gertjan Verbeek (rechts) gibt nach dem Abpfiff gegen Mönchengladbach seinemTorwart Raphael Schäfer die Hand. Später haderten beide mit der Leistung von Schiedsrichter Tobias Stieler. Foto: Daniel Karmann/dpa
Beim 1. FC Nürnberg liegen die Nerven blank. Das 0:2 (0:1) gegen Borussia Mönchengladbach, die sechste Niederlage in sieben Spielen, der Absturz auf den vorletzten Tabellenplatz: Im verzweifelten Kampf um den Bundesliga-Klassenverbleib sieht es für die Franken immer düsterer aus. Torwart Raphael Schäfer verlor am Samstagabend endgültig die Beherrschung. Im Kabinengang fuhr er den sichtlich verdutzten Gäste-Stürmer Max Kruse an: "Du bist Nationalspieler! Das hat mit Profifußball doch nichts zu tun!" Der Gladbacher musste kurz schlucken, dann war Schäfer, den eine Szene in der Schlussphase erzürnte, auch schon von dannen gestapft.

Verbeek: Kruse lässt sich fallen

Nach einem Zweikampf mit Mike Frantz war Kruse im Strafraum etwas theatralisch zu Boden gegangen und hatte den folgenden Elfmeter zum Endstand verwandelt (79.
Minute) - nach dem 1:0 durch Juan Arango (17.) war das die Entscheidung. "Er lässt sich fallen", fand der Nürnberger Coach Gertjan Verbeek und sprach von "Schauspielerei". Kruse verteidigte sich, er habe "noch nie eine Schwalbe gemacht" - von einem hundertprozentigen Elfer sprach er aber nicht.

Die Clubberer fühlen sich verschaukelt, allen voran Schlussmann Schäfer, der für die verbleibenden fünf Matches eine andere Gangart als zuletzt ankündigte. "Ganz ehrlich: Fair Play ist mir jetzt scheißegal", meinte er, angesprochen auf die strittigen Szenen in Freiburg (2:3) und gegen Gladbach. "Vielleicht müssen wir uns mal die unfaire Spielweise der Gegner zu Gemüte führen."

Dann verzettelte sich Schäfer, auf dem Platz noch einer der besten Nürnberger, auch noch in krude Verschwörungstheorien. Zur Auswahl von Tobias Stieler als Schiedsrichter der Partie sagte der Torhüter in Richtung Deutscher Fußball-Bund (DFB): "Die werden sich schon was dabei gedacht haben, einen Hamburger hier anzusetzen."

Eine Benachteiligung des FCN im Abstiegskampf zugunsten des HSV? Das ging sogar Coach Verbeek zu weit. "Ich kann mir nicht denken, dass es Komplotttheorien gibt, um Nürnberg absteigen zu lassen", entgegnete der Niederländer und nannte einen ganz anderen Grund für die Pleitenserie: "Wir haben nun schon 24 Mal Aluminium getroffen. Das hat mit den Schiedsrichters nichts zu tun. Das müssen meine Spieler machen."

Taten sie aber nicht, Toptorjäger Josip Drmic per Kopf (35.) und Hiroshi Kiyotake (90.+1) trafen nur die Querlatte. So geht Nürnberg mit schlechten Karten in die finalen Wochen, denn in Wolfsburg, Leverkusen, Mainz und Schalke geht es gleich gegen vier Teams, die in den Europacup wollen. "Die Mannschaft gibt sich nicht auf, aber es stimmt schon nachdenklich, wenn man auch bei guten Spielen nicht punktet", sagte Hanno Balitsch.

Gekämpft wie Löwen

"Meine Spieler haben gekämpft wie Löwen", fand Verbeek - spielerisch waren die Defizite der fränkischen Rumpftruppe, die auf gleich sieben Stammspieler verzichten musste - aber unübersehbar. Und wenn Kruse vor dem Strafstoß eine oder zwei der fünf hochkarätigen Chancen nutzt, kassiert der zumeist ideenlose FCN sogar eine Klatsche.

Ans Aufgeben denken die Nürnberger nicht, zumal sie mit einem Sieg am nächsten Samstag in Wolfsburg die Abstiegszone schon wieder verlassen könnten. "Wir müssen weiter an uns glauben", mahnte Javier Pinola, und Markus Feulner fand: "Es ist egal, wie das Restprogramm aussieht. Wir wissen, dass wir gegen jeden Gegner bestehen können."