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Basketball

Armin Andres: Vom Leistungssportler zum Funktionär

Seit Mai diesen Jahres hat Armin Andres eine neue Aufgabe. Der Hotelier und Gastronom in Bamberg ist zum Vizepräsidenten des Deutschen Basketball-Bund gewählt worden und verantwortet dort das Ressort Leistungssport. Damit ist der 55-jährige Ex-Nationalspieler und langjährige Bundesliga-Trainer verantwortlich für die deutschen Nationalteams.
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Der Präsident des Deutschen Basketball-Bundes, Ingo Weiss (links), mit seinem neuen Vizepräsidenten Leistungssport, dem Bamberger Armin Andres Foto: DBB
Der Präsident des Deutschen Basketball-Bundes, Ingo Weiss (links), mit seinem neuen Vizepräsidenten Leistungssport, dem Bamberger Armin Andres Foto: DBB
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Vor dem Vier-Nationen-Turnier in Bamberg vom Freitag, 1. August, bis zum Sonntag, 3. August,, dem Supercup, unterhielten wir uns mit Andres.

Welche Aufgaben hat ein Vizepräsident Leistungssport beim DBB ?
Armin Andres: Wie der Name Leistungssport schon sagt, bin ich verantwortlich für den gesamten professionellen Bereich beim Deutschen Basketball Bund, angefangen von der Nachwuchskonzeption über die A2- bis zur A-Nationalmannschaft. Ich arbeite an der Struktur, an der Kooperation mit der Basketball-Bundesliga, den Landesverbänden und den Bundesligisten. Und das sowohl im männlichen als auch weiblichen Bereich.

Das Förderkonzept für die Jugend-Nationalmannschaften in Deutschland hat Dirk Bauermann lange Jahre entwickelt und praktiziert. Was ist davon noch übrig?
Der Großteil besteht noch und wird auch noch durchgeführt. Es gibt ein durchgehendes Konzept von der U16 bis zu U20, vom Trainingskonzept und den Stützpunkten. Wir werden daran weiter feilen, etwas umbauen, weil schon viele Vereine sehr professionell mit dem Nachwuchs arbeiten - wie in Bamberg, München, Berlin oder Oldenburg. Nun gilt es, das Konzept im DBB wieder auf den neuesten Stand zu bringen.

Was heißt das konkret?
Mir schwebt zum Beispiel vor, dass wir vor allem die schwächeren Bundesligisten öfter besuchen und sie mehr Unterstützung von uns erfahren. Bei den starken Teams ist das nicht so notwendig, weil die ja ihr Jugendkonzept schon sehr gut verfolgen. Darüberhinaus wollen wir im Trainerpool des DBB mindestens einen Trainer von jedem Bundesligisten dabei haben, ob Assistenz- oder Nachwuchstrainer.

Wo fehlt es Ihrer Meinung nach, um in der Jugend in der europäischen Spitze mitzuspielen? Sind es die Trainer, die Motivation der Jugendlichen am Hochleistungssport oder die Rahmenbedingungen?
Sicher haben wir im Trainerbereich noch großen Nachholbedarf. Es steht zwar im Jugendkonzept, dass jeder Bundesligist zwei hauptamtliche Jugendtrainer beschäftigen muss, doch da waren wir in Deutschland relativ spät dran, das wird sich erst in ein paar Jahren entwickeln.Wir müssen viel mit den Heimvereinen und den Trainern kommunizieren, damit die Talente richtig betreut werden - auch im schulischen Bereich. Hier kann der DBB bei Nachhilfe unterstützen. Auch im medizinischen Bereich soll dies passieren. Bei den Jugendlichen selbst muss das Bewusstsein hergestellt werden, dass sie von der Nationalmannschaft nur profitieren können, wenn sie kontinuierlich dabei sind. Sie bekommen im Sommer sehr sehr gutes Training bei uns, sie haben hohe Wettkampfqualität und können internationale Erfahrung sammeln. Die kann man sich nirgendwo anders holen, als mit Europameisteschaften und Qualifikationsspielen. Nur da haben die Jugendlichen die Möglichkeiten, sich weiter zu entwickeln. Bei den Rahmenbedingungen müssen wir die Vereine auf die Möglichkeinten, die der DBB bietet, hinweisen. Auch der Kontakt mit Spieleragenten ist schon im Jugendbereich wichtig. Die Agenten nehmen schon sehr früh Einfluss auf die Jugendlichen. Denen muss man auch bewusst machen, dass die Nationalmannschaft wichtig ist für ihre Schützlinge.

Kommen wir von der Jugend zu den Männern. Welche Perspektiven hat Ihrer Meinung nach das deutsche Aushängeschild, die Herren-Nationalmannschaft, in den nächsten Jahren?
Wir haben jetzt eine Mannschaft, die fünf, sechs Jahre zusammenspielen kann. Sie ist, bis auf den schon etwas älteren Heiko Schaffartzik, von den Jahrgängen her so strukturiert, dass sie sich entwickeln kann. Sie hat großes Potenzial. Deshalb glaube ich, dass sich die Mannschaft in Europa unter den ersten Sechs etablieren kann.

Die NBA und die Summer-League, die Trainingslager der NBA-Klubs, bremsen aber die Planungen des DBB regelmäßig mächtig ein. Sehen Sie da eine Lösung?
Wir werden mit dem Problem leben müssen. Für die Spieler ist es das größte, in der Summer-League zu spielen und sich für ein NBA-Team zu qualifizieren. Man wird mit den Vereinen und Agenten kommunizieren müssen, wo es wirklich sinnvoll ist, in der Summer-League zu spielen oder am Sommerprogramm der Nationalmannschaft teilzunehmen, um sich dort eine gute Stellung zu erspielen. Man wird mit der BBL sprechen müssen, um Freiräume zwischen der Bundesliga-Saison und der Nationalmannschaft zu schaffen. Auf den internationalen Terminplan haben wir keinen Einfluss. Problematisch sind die Qualifikationsspiele, die sehr nahe am Play-off-Ende der Bundesliga liegen. Bei Europameisterschaften, die ja erst spät Ende August stattfinden, ist es mit der BBL und der Summer-League nicht mehr so problematisch. Wir werden mit der BBL eine Lösung finden müssen.

Die Versicherungssummen für NBA-Spieler sind hoch. Kann sich das der DBB leisten?
Wir müssen uns das leisten, um die NBA-Spieler, die bei uns spielen wollen, auch spielen zu lassen. Bisher hatten wir das Problem nur mit Nowitzki und Kamen. Wenn sich das jetzt verschärfen sollte, wäre dies eine gute Situation für die Nationalmannschaft, die dann sicherlich auch erfolgreicher wäre. Mit Erfolgen wäre auch die finanzielle Seite wieder besser aufgestellt, sodass wir uns die Versicherungsprämien leichter leisten können.

Aktuell fehlen Tibor Pleiß und Niels Giffey. Werden die beiden am Wochenende in der Brose-Arena auf dem Parkett zu sehen sein?
Bei Tibor gibt es noch Möglichkeiten, dass er doch noch spielt. Er hatte unklare Vertragsverhältnisse, eine NBA-Ausstiegsklausel und Angebote von vielen Topklubs in Europa. Jetzt scheint sich eine Lösung anzubahnen, sodass er noch zur Mannschaft stoßen kann. Bei Niels gibt es private Gründe. Er wird in diesem Sommer nicht mehr zur Mannschaft stoßen.

Ab morgen trifft Deutschland beim Supercup auf Lettland, Israel und Russland. Wie schätzen Sie die Gegner ein und was trauen Sie dem deutschen Team zu?
Die Gegner sind ein echter Maßstab. Die Russen haben immer ein Topteam am Start, die Letten spielen einen hervorragenden Basketball, und Israel ist nie zu unterschätzen. Finnland war schon ein guter Test, doch am Wochenende haben wir die Möglichkeit, die Spieler, die erst spät zum Team gekommen sind, noch besser zu integrieren und uns als Mannschaft noch besser entwickeln zu können.

Rechnen Sie in Bamberg mit Demonstrationen gegen das israelische oder russische Team wegen der derzeitigen Konflikte in Gaza und der Ukraine?
Von unseren Seite her bewegen wir und auf der sportlichen Seite und sehen gegenüber den beiden Gegnern keinerlei politische Konflikte. Und ich glaube auch nicht, dass es in Bamberg diesbezüglich Probleme geben wird.

In Bamberg geboren, in Rosenheim aufgewachsen und seit Jahren wieder in Bamberg. Ist Armin Andres mehr Bayer oder mehr Franke?
Natürlich ist Bamberg meine Heimatstadt geworden. Sprachlich bin ich immer noch a bisserl bayerisch angehaucht, aber durch die langen Jahre in Bamberg fühle ich mich doch eher als Franke.

Sie waren ein erfolgreicher Basketballspieler und Trainer. Viele Coaches sind erst in Ihrem Alter erst richtig erfolgreich. Warum haben Sie nicht auf der Trainerbank weitergemacht oder sind als Jugendtrainer aktiv, sondern sind nun in die Funktionärsriege eingetreten?
Ich habe mich nach meiner aktiven Zeit und meiner Trainertätigkeit ein bisschen aus dem Basketball zurückgezogen. Wenn man jahrelang Spieler war und direkt als Trainer weitergemacht habe, fühlt man sich doch etwas ausgepowert. Ich einfach die Zeit gebraucht, um zum einen meine berufliche Situation zu klären und privat etwas Abstand zum Basketball zu bekommen. Aber es lässt einen halt nicht los. Als ich im vergangenen Jahr von Ingo Weiss angesprochen wurde, in dem Bereich tätig zu werden, konnte ich mir das erstmal nicht vorstellen. Aber je länger ich darüber nachgedacht habe, ist dies doch eine Situation, in der ich als ehemaliger Spieler etwas zurückgeben kann. Außerdem gibt es nicht so viele Funktionäre, die Leistungssport betrieben haben. Deshalb tut es dem deutschen Basketball ganz gut, dass da jetzt jemand im Leistungssportbereich tätig ist, der selbst Leistungssportler war. Durch die Erfahrung als Spieler und Trainer hat man mehr Verständnis für die Entscheidungen in der Nationalmannschaft und kann mehr dazu beitragen, uns weiterzuentwickeln. Der DBB muss sich - neben den kurzfristigen Erfolgen - langfristige Ziele setzen.

Der Trainer, Emir "Mucki" Mutapcic, ist allerdings nur für diesen Sommer verpflichtet worden.
Das war auch von beiden Seiten so gewollt. Mucki hat bis 2016 noch Vertrag beim FC Bayern. Wir haben einen Trainer gesucht, der die deutsche Szene kennt, der die jungen deutschen Spieler kennt und anerkannt ist. Den haben wir mit Mucki gefunden. Was in der Zukunft passiert, entscheiden wir nach der EM-Qualifikation. Es kann durchaus sein, dass Mucki nicht nur Übergangstrainer ist, sondern auch langfristig Trainer der Nationalmannschaft bleibt.

Ist die Zwitterlösung - Nationaltrainer ist auch Assistenztrainer bei einem Bundesligateam - vom DBB auch langfristig gewünscht?
Nein - langfristig wollen wir wieder einen hauptamtlichen Trainer für den DBB, der sich das ganze Jahr mit den Vereinen, Spielern, dem Nachwuchskonzept auseinandersetzt, um Kontinuität reinzubringen. Also nicht jedes Jahr einen neuen Trainer, sondern einen, der über fünf, sechs Jahre arbeitet. So wie es Svetislav Pesic in den 90er Jahren, Henrik Dettmann und Dirk Bauermann waren.

Die Fragen stellte unser Redaktionsmitglied Udo Schilling


Zur Person Armin Andres

Privat Armin Andres wurde am 5. April 1959 in Bamberg geboren. Er arbeitet seit mehr als zwei Jahrzehnten als Hotelier und Gastronom. Von 2008 bis 2014 saß er im Bamberger Stadtrat für die SPD.

Spieler In der Bundesliga spielte Andres für Hagen, Bamberg, Gießen und Berlin. Er absolvierte 146 Länderspiele und bestritt dabei unter anderem die Weltmeisterschaft 1986 in Spanien und die Olympischen Spiele 1992 in Barcelona.

Trainer Andres coachte die Bundesligisten in Bamberg, Hagen, Gießen und Köln, wo er 2005 Pokalsieger wurde. Er fungierte als U22-Bundestrainer bei der EM 1997 (mit Dirk Nowitzki) und war von 1998 bis 2003 Assistenztrainer der A-Nationalmannschaft unter Bundestrainer Henrik Dettmann (Bronze bei der WM 2002 in den USA).
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