Nürnberg
Premiere

50.000 Fans feiern ein Eishockey-Fest

Das erste Freiluftspiel der DEL begeistert die Zuschauer im Frankenstadion. Die Nürnberg Ice Tigers besiegen die Eisbären Berlin knapp mit 4:3.
Mit einem Feuerwerk ging das erste Freiluft-Spiel der Deutschen Eishockey-Liga spektakulär zu Ende.Fotos: DEL/citypress
Mit einem Feuerwerk ging das erste Freiluft-Spiel der Deutschen Eishockey-Liga spektakulär zu Ende.Fotos: DEL/citypress
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Block 2, Reihe 2. Viel näher kommt man als Zuschauer nicht ran an die Spielfläche beim Eishockey-Spektakel im Nürnberger Frankenstadion. Uwe-Heiko Schüller ist trotzdem mit seinem Stehplatz unmittelbar hinter dem Absperrzaun nicht zufrieden: "Ich hab' gedacht, man sieht von hier aus besser. Beim Fußball ist der Platz optimal, aber heute ist das nichts." Der Ice-Tigers-Fan aus Roth steht zwar "nur" 40 Meter von der Eisfläche entfernt, doch die Bande nimmt ihm die Sicht aufs Spielfeld.

Begeistert von der Freiluft-Premiere der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) im ausverkauften fränkischen Fußball-Tempel ist er dennoch. Ebenso wie Timo Eichardt. Der junge Mann aus Wolframs-Eschenbach steht auf der anderen Seite des Stadions. Zwar noch einmal 50 Meter weiter vom Eis weg als Schüller, dafür aber rund 40 Meter höher: Block 27, Reihe 27: die letzte unter dem Dach. "Das ist besser als in der Halle.
Von hier oben sehe ich alles, sogar den Puck", sagt Eichardt auf seinem Sitz, der fast Vogelperspektive bietet. Auch er zeigt sich beeindruckt vom Spektakel: "So ein Spiel könnte man ruhig öfters veranstalten."

Zu diesem Zeitpunkt war erst ein Drittel gespielt, doch die Stimmung war fast schon auf dem Siedepunkt. Die Musik-Band "The Boss Hoss" als Einheizer hätte das erste "DEL Winter Game" gar nicht nötig gehabt. Schon 30 Minuten vor Spielbeginn rollte "La Ola" durch das Achteck, und mit rhythmischem Klatschen fieberten die Zuschauer dem Eröffnungsbully entgegen. Busse mit Kennzeichen aus allen Teilen der Republik zeugten davon, dass sich Eishockey-Fans aus ganz Deutschland dieses historische Ereignis nicht entgehen lassen wollten.

Feuerwerk zum Abschluss

"Die Atmosphäre war unglaublich. Schon das Einlaufen war etwas ganz Besonderes", sagte Eisbären-Kapitän André Rankel. Weiße Teppichbahnen im Stadion gaukelten eine Winterlandschaft vor, eine Lichtershow in einer Drittelpause sowie ein Feuerwerk zum Abschluss gaben der Rekord-Partie einen spektakulären Rahmen. Mit 50 000 Zuschauer kamen so viele Besucher wie noch nie zu einem Freiluft-Ligaspiel auf europäischem Boden. Zugleich pulversierte diese Zahl die bisherige DEL-Höchstmarke von 18.700 Fans.

"Das war eine fantastische Veranstaltung. Die Bilder von heute werden um die Welt gehen", freute sich Gernot Tripcke. Nach der gelungenen Premiere ist es für den DEL-Geschäftsführer keine Frage mehr, ob es ein zweites Winter Game geben wird, sondern wann und wo. Nicht nur Erich Kühnhackl würde das begrüßen. "So ein Spiel tut unserer Sportart gut, weil sie ein anderes Klientel anspricht. Einmal im Jahr wäre ideal", meinte die deutsche Eishockey-Legende, die sich für das Vorspiel der Altstars selbst noch einmal Schlittschuhe angezogen hatte.
Bei der gelungenen Freiluft-Premiere spielte nur das Wetter nicht mit. Der permanente Nieselregen störte die Zuschauer kaum, die Spieler aber dafür umso mehr. Die auf dem Eis anfrierenden Regentropfen sorgten für eine holprige Spielfläche, auf der der Puck nicht sauber glitt. "Es hatte viel mit Glück zu tun, richtig zu raten, wo die Scheibe hingeht", sagte Rankel. Auch die Handschuhe seien durchnässt gewesen. "Es war schwer, den Schläger festzuhalten", fügte der Eisbären-Kapitän nach der knappen Niederlage hinzu.

Dem Sieger machten die widrigen Bedingungen naturgemäß weniger aus. "Ein bisschen Regen gehört zu einem Outdoor-Game einfach dazu", meinte Tim Schüle, der die Ice Tigers in der lange Zeit ausgeglichenen Partie zu Beginn des letzten Drittels mit 2:1 in Führung geschossen hatte.

Für Eistiger und Eisbären war das Winter Game am Tag danach schon wieder Schnee von gestern. Die Nürnberger traten am Sonntag in einem weiteren Heimspiel - diesmal wieder unter dem Dach der benachbarten Arena - gegen die Adler Mannheim an, die Berliner fuhren weiter nach Hannover.

Die Statistik des Spiels

Nürnberg Ice Tigers - Eisbären Berlin 4:3
(0:0, 1:1, 3:2)
Tore: 1:0 James (32:42), 1:1 Busch (39:58), 2:1 Schüle (42:05), 2:2 Rankel (42:32), 3:2 Reimer (46:19), 4:2 Jaspers (53:47), 4:3 Mulock (59:13)
Strafminuten: 6 / 6
SR: Brüggemann (Iserlohn) / Piechaczek (Finning)
Zuschauer: 50 000 (ausverkauft)