Wunsiedel im Fichtelgebirge
Aktionstag

Neonazis, Antifa, "Wunsiedel ist bunt": Mehrere Demonstrationen am Samstag geplant

Mit einem Aktionstag am Samstag, 16. November 2019, will das oberfränkische Wunsiedel ein Zeichen für Frieden, Demokratie, Toleranz und Menschenrechte setzen.
Artikel drucken Artikel einbetten
Mit einem Aktionstag  will das Bündnis "Wunsiedel ist bunt" am Samstag, 16. November, ein Zeichen gegen Extremismus setzen.   Archivfoto 2015: David Ebener / dpa
Mit einem Aktionstag will das Bündnis "Wunsiedel ist bunt" am Samstag, 16. November, ein Zeichen gegen Extremismus setzen. Archivfoto 2015: David Ebener / dpa

"Wunsiedel ist bunt": Aktionstag als Zeichen für Menschenrechte und Frieden. Im Zeichen der Jahreslosung "Suche Frieden und jage ihm nach" setzt die oberfränkische Stadt Wunsiedel auch in diesem Jahr ein Signal für Frieden, Demokratie, Toleranz und Menschenrechte, wie der Evangelische Pressedienst meldet.

Aktionstag in Wunsiedel: Jugendliche im Blickpunkt

Zentrales Anliegen des Aktionstags am Samstag, 16. November 2019, ist es nach Mitteilung des Netzwerks "Wunsiedel ist bunt", Extremismus in jeder Form abzulehnen und einen Beitrag zu leisten, dass Jugendliche zu mündigen und kritischen Bürgern heranwachsen können. Den Auftakt für ein laut Ankündigung umfangreiches Kulturprogramm mit Workshops, Lesungen und Musik bildet um 16 Uhr ein ökumenisches Friedensgebet. Außerdem wird unter anderem der Spiegel-Journalist Hasnain Kazim erwartet, der über seine Erfahrungen mit Hass-E-Mails berichtet.

Wunsiedel gilt als Pilgerstätte für Neonazis aus ganz Europa

Hintergrund ist ein für Samstag geplagter Marsch von Rechtsextremen. Wunsiedel gilt als eine Art Pilgerstätte für Neonazis aus ganz Europa. Auf dem Friedhof befand sich bis 2011 die letzte Ruhestätte von Hitler-Stellvertreter Rudolf Heß (1894-1987). Nach seinem Tod im Kriegsverbrechergefängnis Berlin-Spandau war Heß im Familiengrab auf dem Friedhof der Fichtelgebirgsstadt beigesetzt worden. Seitdem war die Stadt immer wieder Schauplatz von Neonazi-Aufmärschen, die sich inzwischen auf das von der Kleinstpartei "III. Weg" veranstaltete alljährliche "Heldengedenken" am Vorabend des Volkstrauertags (17. November) reduziert haben.

Das Antifa-Aktionsbündnis "Nicht lange Fackeln" rief via Twitter zur Gegendemo auf. Man werde sich "entschlossen und gut vorbereitet" dem Naziaufmarsch entgegenstellen, hieß es. Außerdem wollen die Aktivisten es nicht länger hinnehmen, dass das "Who-is-who der militanten und terroristischen Naziszene" unbehelligt durch Wunsiedel laufe.

 

 

 

Gegen die Neonazi-Aufmärsche setzt sich Wunsiedel bereits seit vielen Jahren kreativ zur Wehr. Für internationale Aufmerksamkeit sorgte im November 2014 beispielsweise eine Protestaktion, bei der die Rechtsextremen auf ihrer Route durch die Stadt unfreiwillig einen "Spendenlauf" absolvierten. Für jeden zurückgelegten Meter floss seinerzeit ein Euro in den Spendentopf der Initiative "Exit", die sich für Aussteiger aus rechtsextremistischen Kreisen engagiert.

Im oberfränkischen Forchheim wurde zum Jahrestag der Pogromnacht 1938 jüngst der jüdischen Einwohner der Stadt gedacht. Auch nach über 80 Jahren sollen die grausamen Verbrechen nicht in Vergessenheit geraten.epd/rw/ak

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren