Rodenzenreuth
Musik

Ich vergesse niemals meine Heimat: Ein Song für das Fichtelgebirge - vom Jungen aus den Fichtelhills

Das Fichtelgebirge - Paradies für Naturfreunde und Menschen, die nach Ruhe suchen. Aber auch eine Region, die mit vielen Problemen zu kämpfen hat. Diese Widersprüche bringt Frank Pirner mit "DER400" musikalisch zum Ausdruck. Der Song "Ich komm heim" ist eine schonungslos ehrliche Liebeserklärung an die Heimat.
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Das Fichtelgebirge: Grenzgebiet zwischen Oberfranken, der Oberpfalz und Tschechien. Eine strukturschwache Naturidylle. Artenreich und menschenleer. Rau und herzlich. Hässlich, aber auch wunderschön.

Man merkt es schon: Das Fichtelgebirge ist irgendwie ambivalent, eine Region voller Gegensätze und scheinbarer Widersprüche. Einen guten Ruf genießt das Mittelgebirge im Nordostens Bayerns nicht unbedingt. Viele Bewohner verlassen die Region, vor allem die jungen Leute, aus Mangel an Perspektiven. Und doch hängen die Menschen dort an ihrer Heimat. Menschen wie Frank Pirner. Der Gymnasiallehrer und Musiker kam vor 32 Jahren in Rodenzenreuth im Fichtelgebirge auf die Welt - oder wie er sagen würde: in den "Fichtelhills".


Ich komm heim: Ein Song aus dem Fichtelgebirge - für das Fichtelgebirge

Einen Song über seine Heimat wollte Pirner schon immer schreiben. Den Text hat er bereits in seiner Studienzeit verfasst, vor einigen Monaten entstand das Musikvideo dazu. Beides zusammen ist seit Mitte Juni im Netz zu hören und zu sehen - unter anderem bei Youtube. "Ich komm heim" heißt der Track, in dem Pirner, der Junge aus den Fichtelhills, seine Sehnsucht nach der Heimat musikalisch verarbeitet. Denn auch er ist weggegangen aus dem Fichtelgebirge, um in Würzburg Lehramt zu studieren. Das ist jetzt schon circa zehn Jahre her. "Ich war damals eher selten in meiner Heimat und hatte Sehnsucht", erzählt der 32-Jährige, der inzwischen wieder näher ans Fichtelgebirge gezogen ist. Heute lebt Pirner in Weiden in der Oberpfalz und arbeitet am Beruflichen Schulzentrum in Schwandorf. "Gut zweimal im Monat fahre ich über die Wochenenden nach Hause, um Heimatliebe zu tanken, Freunde und Familie zu sehen."

2014 gründete Pirner "DER400", ein Musikprojekt mit wechselnder Besetzung. Pirner selbst ist Gründer, Ideengeber, Texter und Rapper der Musiker-Plattform. "Ich suche mir gute Leute und realisiere mit ihnen meine Ideen", erklärt er. So wurden in Kooperation mit anderen Produzenten, Musikern und Künstlern schon einige Projekte umgesetzt. Zum engeren Kreis gehören außer dem Pirner noch Amain Johnson (Musikproduktion), Alexander Draheim und Marcel Gollin (Filmproduktion und Fotografie) sowie Liquid Dreams (Artwork). Seit der Gründung wurden insgesamt fünf Songs mitsamt Musikvideos produziert und veröffentlicht, zuletzt eben "Ich komm heim".

Mehr zum Musikprojekt "DER400" auf Facebook

Seine Heimat sieht Pirner nicht durch die rosarote Sonnenbrille, sondern durchaus kritisch. So kommen in dem Song auch die unschönen Seiten der Region schonungslos zur Sprache. "Schon mit 13 mischt man Tabak und Haschisch im Blättchen, ja meine Heimat ist ein schattiges Plätzchen", lautet etwa eine Liedzeile. Von Dreck, Hass und Gewalt ist die Rede. Von Menschen, "die ohne Aussicht nach Tschechien gehen", von Spießern und von Parasiten, von Unzufriedenheit und von Lügen. Pirner ist das wichtig, "damit das Gesamtbild stimmt".

Auf der anderen Seite stehen Familie, Freunde, Zusammenhalt, Ruhe und eine immerwährende Liebe zur Heimat und zu einer ganz besonderen Region. "Die ambivalenten Facetten machen den Charme aus", sagt Pirner über seine raue aber herzliche Heimat. "Ich liebe es, dass ich mich hier nicht erklären muss. Die Leute wissen, wer ich bin und wie ich ticke". Dass diese Vorzüge zu Lasten einer gewissen Anonymität gehen, die einem etwa eine größere Stadt wie Würzburg bietet, daraus macht Pirner keinen Hehl. Neue Leute kennenlernen, den eigenen Horizont erweitern, neuen Input zu bekommen, das alles sei schwierig im Fichtelgebirge. Auch Pirner ging schließlich weg. "Die Region war lange Zeit sehr unattraktiv für junge Leute. Langsam ändert sich das aber. Man muss den jungen Menschen jedoch noch etwas mehr bieten, damit sie nicht abwandern", meint Pirner.

Vielleicht hilft ja die musikalische Liebeserklärung an die Heimat dabei, dass es im Fichtelgebirge künftig wieder häufiger heißt: "Mama, ich komm heim".

Ich komm heim von DER400 - wer steckt hinter dem Song?

Musikproduktion: Amain Johnson & Frank Pirner
Mixing & Mastering:Amain Johnson
Text & Rap: Frank Pirner
Piano & Vocals: Christina Berek
Gitarren: Moritz Kießling, Maximilian Teubner & Phillip Pürner
Bass: David Köllner
Drums: Johannes Holler
Recording: Backyard Studio Bayreuth
Videoproduktion: Marcel Gollin
Kamera & Schnitt: Marcel Gollin
Assistenz & Licht: Fabian Heinz
B-Roll-Material: Archiv Gollin, Archiv Pirner & Patrick Döring Single
Cover Artwork: Liquid Dreams

Artikel-Foto: Marcel Gollin


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