Kitzingen
Flirten

Zwei "Flirtologen" in Aktion

Anmachen und anlachen: Studien zeigen, dass Männer flirtende Frauen fast nie abweisen - und sie oft attraktiver finden als sie sich selbst.
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Körpersprache spielt beim Flirten eine wichtige Rolle. Daniela Sandner und Hans Driesel haben sich launige Gedanken über Flirt-Erfolge gemacht.Diana Fuchs
Körpersprache spielt beim Flirten eine wichtige Rolle. Daniela Sandner und Hans Driesel haben sich launige Gedanken über Flirt-Erfolge gemacht.Diana Fuchs
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Du läufst gedankenverloren durch die Stadt. Als du aufschaust, kreuzt dein Blick den eines anderen Menschen. In 99 Prozent der Fälle gehen beide einfach weiter. Doch manchmal ist der Blick wie ein Blitz, der dich elektrisiert. Was ist das? Was passiert jetzt? Wird das ein Flirt? Daniela Sandner, Leiterin des Deutschen Fastnachtmuseums, und Literaturfreund Hans Driesel beantworten diese Fragen am Sonntag in Kitzingen auf ihre Art.

Wie sind Sie darauf gekommen, einen Abend übers Flirten zu veranstalten? Sind die Franken Ihnen zu spröde?

Hans Driesel: Nein, nein. Aber man kann ja immer noch was lernen. Auch als Mann...

Daniela Sandner: Ebenso wie als Frau. Ich jedenfalls hab' bei der Recherche einiges über das Thema Flirten erfahren, das mir sonst überhaupt nicht bewusst war.

Driesel: Unser Interesse begann mit einem Artikel, den Daniela Sandner gelesen und mir dann gemailt hatte. Thema: Der Flirt in Zeiten der Me-too-Debatte. Wie weit darf ein Flirt gehen, wo beginnt die Anmache?

Gibt es darauf eine Antwort?

Sandner: Ja, allerdings fällt die von Mensch zu Mensch unterschiedlich aus, was die Sache nicht ganz so einfach macht. Je nach Veranlagung flirten manche eher sexuell orientiert, andere eher spielerisch-leicht.

Was passiert, wenn verschiedene Flirt-Typen aufeinandertreffen?

Sandner: Um flirten zu können, müssen zwei Menschen ähnlich veranlagt sein. Sonst verstehen sie einander nicht. Dann kann es nichts werden mit einem Flirt.

Hat sich die Art des Flirtens im Lauf der Jahrhunderte verändert?

Sandner: Erstaunlicherweise kaum. Die Grundstrukturen sind über die Zeit gleich geblieben.

Driesel: Allein bei Goethes Faust gibt es drei herrliche Flirt-Szenen. Faust spricht Gretchen so an: "Mein schönes Fräulein, darf ich wagen, meinen Arm und Geleit Ihr anzutragen?..."

So würde heute niemand mehr fragen!

Sandner: Nein, aber auf die Worte kommt es auch gar nicht wirklich an!

Worauf denn dann?

Sandner: Es kommt darauf an, wie man etwas sagt, vor allem, mit welcher Körpersprache und Stimme. Untersuchungen haben gezeigt, dass 95 Prozent des ersten Eindrucks auf Körpersprache und Aura beruhen, nur fünf Prozent auf dem Gesagten.

Bedeutet das, man kann für einen guten Flirt quasi trainieren?

Sandner: Tatsächlich kann man so manches Defizit ausgleichen, indem man humorvoll, zugewandt und vor allem interessiert auftritt. Es geht nicht darum, interessant zu wirken, sondern interessiert zu sein - das macht einen attraktiv. Und das kann man trainieren.

Wie läuft ein idealer Flirt ab?

Sandner: Wissenschaftlich gesehen, ist es ein Spiel zwischen Zuwendung und Abkehr, zwischen Anlächeln und Verlegenheitsgebärden wie Haare-aus-dem-Gesicht-streichen. Die Naturwissenschaft beschreibt den Flirt als hormongesteuerte Aktion mit dem Ziel, Sexualbereitschaft auszulösen.

Driesel: Also das ist mir zu chemisch. In der Literatur klingt das viel romantischer. Gretchen zum Beispiel wehrt Faust ja zuerst verbal ab.

Aber allein die Tatsache, dass sie mit ihm spricht, macht ihm Hoffnung...

Driesel: Ja. Jeder Vertreter wird darauf trainiert, von der oder dem Angesprochenen eine Antwort zu erhalten. Ein Wort ergibt das andere, so wird weitere Annäherung möglich. So ist auch Faust entzückt vom kurz angebundenen Gretchen. Und entflammt noch mehr!

Ist das eine typisch männliche Reaktion?

Sandner: Ja. Männer springen auf schöne Frauen an, die sich erst ein bisschen bedeckt oder unsicher geben.

Driesel: Dazu gibt es ein wunderschönes Gedicht von Baudelaire: "...Anmutig, wie gemeißelt war das Bein. Und ich, erstarrt, wie außer mich gebracht. Vom Himmel ihrer Augen, wo ein Sturm erwacht, sog Süße, die betört, und Lust, die tötet, ein..."

Sandner: So schnell beginnen Männer zu lodern. Bei Frauen ist es etwas komplizierter. Sie achten nicht nur aufs Äußere, sondern auch auf das Sozialprestige des Mannes, also darauf, dass er eine gute Stellung in der Gesellschaft hat.

Aber es geht doch nicht bei jedem kleinen Flirt um Partnersuche!

Sandner: Nein, das natürlich nicht. Die meisten Flirts enden so abrupt wie sie begonnen haben. Aber das ist ja auch nicht schlimm. Das Wohlgefühl steigern sie in jedem Fall, auch wenn sie nur Sekunden dauern.

Und wenn mehr aus einem Flirt werden soll?

Sandner: Dann muss aus den Blicken ein Gespräch werden. Wenn man sich angeregt unterhält, folgt der erste Körperkontakt - das kann zum Beispiel die Hand auf dem Oberarm des Gegenübers sein. Je nach Reaktion wird deutlich, ob da "mehr" draus werden kann oder nicht.

Driesel: Im Moment der Berührung zeigt sich: Ja oder nein.

Sandner: Wenn nein, ist dass auch nicht so schlimm. Dann bricht man eben ab und gut is'. Man hat dadurch ja nichts verloren.

Heißt das, Sie ermutigen die Menschen, mehr zu flirten?

Sandner: Warum nicht? Vor allem Frauen können eigentlich nicht viel falsch machen. Wissenschaftliche Studien beweisen, dass Frauen kaum abgewiesen werden - umgekehrt schon. Das liegt wohl daran, dass Männer sich einfach leichter geschmeichelt fühlen. Das sollte uns Frauen auf jeden Fall Mut machen. Ebenso wie die Tatsache, dass Männer Frauen oft attraktiver einschätzen als sie sich selbst!

Okay. Dann brauchen wir nur noch einen richtig guten Anmachspruch!

Driesel: Wie wäre es mit: "Ich bin kein Mann für eine Nacht, aber bei Dir würde ich eine Ausnahme machen." Oder: "Ich habe meine Telefonnummer vergessen, darf ich Deine haben?"

Sandner: Ich erinnere mich gut daran, als ich mit einer Freundin unterwegs war und neben uns ein Auto hielt. Der uns unbekannte Fahrer rief total begeistert heraus: "Hey Ihr zwei, wo ward Ihr so lange? Wir haben schon ewig auf Euch gewartet." Das fanden wir ziemlich gut. Mir gefällt auch der Spruch: "Ich möchte so gern mit dir frühstücken. Darf ich dich zum Abendessen einladen?"

Flirt-Abend:

Am Sonntag, 19. Mai, lädt das Deutsche Fastnachtmuseum im unterfränkischen Kitzingen (Luitpoldstraße 8) ab 18 Uhr zu einem ungewöhnlichen literarischen Abend ein. Thema ist der Flirt. Museumsleiterin Daniela Sandner und Literaturfachmann Hans Driesel plänkeln heiter über das alte und ewig junge Spiel der Geschlechter. Sandner, die sich in ihrer Doktorarbeit mit dem Spannungsfeld zwischen Mann und Frau befasst hat, betrachtet das Thema von der Verhaltensforschung und der Psychologie her, Hans Driesel rezitiert "Flirt-Passagen" aus der klassischen und der modernen Literatur. Zu Wort kommen Autoren von Goethe über Heine und Baudelaire bis Fontane, Wilhelm Busch, Martin Walser und Eugen Roth.

Karten:

gibt's an der Abendkasse. Einlass ab 17 Uhr, Beginn 18 Uhr. Eintritt: 13 Euro. Der Erlös kommt dem Museum zugute.



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