Würzburg
Grabstein gestohlen

Würzburg: Grabstein auf dem Friedhof verschwindet plötzlich - war es Diebstahl?

Vor drei Wochen ist auf dem Würzburger Hauptfriedhof ein komplettes Grab verschwunden - und bei den Angehörigen schwindet mit jedem Tag ein bisschen mehr Hoffnung darauf, dass es wieder gefunden wird.
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Plötzlich war das Grab weg: Frank Renninger (links) und Gregor Olschewski stehen erschüttert vor dem Flecken brauner Erde auf dem Würzburger Hauptfriedhof, wo sich das Grab ihrer geliebten Angehörigen befand. Foto: Thomas Obermeier
Plötzlich war das Grab weg: Frank Renninger (links) und Gregor Olschewski stehen erschüttert vor dem Flecken brauner Erde auf dem Würzburger Hauptfriedhof, wo sich das Grab ihrer geliebten Angehörigen befand. Foto: Thomas Obermeier

Fassungslos stehen Frank Renninger und Gregor Olschewski vor der aufgewühlten braunen Erde auf dem Würzburger Hauptfriedhof. Bis vor kurzem war hier noch das Grab ihrer geliebten Angehörigen. Seit drei Wochen ist es nun verschwunden - und keiner weiß wohin. Mit jedem Tag schwindet ein bisschen mehr die Hoffnung der Angehörigen, dass das Grab wieder gefunden wird.

Grabstein, Platte und sogar die Blumen sind verschwunden

"Ich gieße zwei Mal die Woche bei der Hitze. Am Dienstag vor drei Wochen war alles noch da", erklärt Gregor Olschewski, der das Grab seiner verstorbenen Lebensgefährtin Gisela Renninger pflegt. Als er drei Tage später wieder zum Gießen kommt, ist alles anders. "Ich dachte erst einmal, dass ich im falschen Film bin", erzählt der 78-Jährige erschüttert. Grabstein, Platte, Umrandung, Blumen, sogar die extra für die Oma abgelegten Spielzeugfiguren und Bilder des sechsjährigen Enkels Mika - nichts ist mehr da. Zurück blieb nur ein ungepflegter Fleck Erde.

Olschewski läuft die Reihen suchend vor und zurück, aber er weiß, dass er nicht am falschen Platz im Friedhof steht: "Normalerweise sieht man den weißen Grabstein ja schon von weitem." Vor Schock muss er sich an einem fremden Grab abstützen. "Ich kann es immer noch nicht glauben, was da passiert ist", sagt der Rentner.

Tränen bei den Angehörigen

Der 78-Jährige ruft Frank Renninger, den Sohn seiner verstorbenen Lebensgefährtin, an. Als dieser die Nachricht am Telefon hört, kommen ihm die Tränen. "Ich bin dann zu Gregor gefahren, damit er nicht alleine ist", erzählt der 48-jährige Kürnacher. Am Freitagnachmittag erreicht Renninger jedoch niemanden mehr - und am nächsten Tag steht der bereits gebuchte Urlaub mit seiner Frau und den beiden Kindern an. Aus Österreich telefoniert er fast täglich mit Polizei und Friedhofsverwaltung. Sagen, was passiert ist, kann ihm keiner: "In der Friedhofsverwaltung erklärten sie mir, dass täglich so viele einfach in den Hauptfriedhof fahren, ohne sich anzumelden. Aber das geht doch nicht!"

War es Diebstahl?

Renninger und Olschewski sind empört. Schließlich war das Grab sehr gepflegt und bis zum Jahr 2022 bezahlt. Eine Auflösung kam für sie nicht in Frage. "Wir haben keinen Bescheid bekommen und es hing auch keine Notiz am Grab", erklären sie.

Was mit dem Grab Gisela Renningers sowie ihrer Eltern Inge und Gustav Weippert passiert ist, darüber rätseln sie immer noch. "Das Nachbargrab wurde am Montag vorher geräumt, vielleicht hängt das damit zusammen", mutmaßt der 48-Jährige. "Ich gehe nicht davon aus, dass es ein Diebstahl ist." Von der Friedhofsverwaltung sei ihm versichert worden, dass immerhin die Urne seiner Mutter noch in der Erde bestattet sei.

War es eine Verwechslung eines Steinmetzes, der ein anderes Grab auflösen sollte? "Man braucht ja schließlich schweres Gerät, um ein ganzes Grab mitzunehmen", sagt Renninger. Gemeldet hat sich jedoch keiner bei ihnen.

Keine Hoffnung mehr

"Der Stein wird nie wieder auftauchen", fürchtet Frank Renninger. Er sieht keinen Grund mehr, optimistisch zu sein. "Wenn ihn bis jetzt keiner zurückgebracht hat, wird sich auch keiner mehr melden." Denn sollte es sich tatsächlich um eine Verwechslung eines Steinmetzes bei einer Grabauflösung gehandelt haben, "dann wäre der ja auf ewig der Depp", so der 48-Jährige.

Nachforschungen noch ohne Ergebnis

Bei der Würzburger Polizeiinspektion, die wegen des Diebstahls ermittelt, sind mittlerweile Medienanfragen aus ganz Bayern eingegangen. Aber auch dort gibt es keine Ergebnisse zu vermelden, so der für die Pressearbeit zuständige Polizeihauptkommissar Bernd Steiner. "Unsere Nachforschungen haben bislang noch keinen Verantwortlichen zutage gebracht", sagt Steiner.

Auch bei der Stadt Würzburg laufen die Nachforschungen, wie das Grab vom Hauptfriedhof verschwinden konnte. "So ein Vorfall ist unangenehm und wir bedauern die Situation aufrichtig", erklärt Pressesprecher Christian Weiß. Bislang habe es solch einen Fall noch nicht gegeben. "Wie es dazu kommen konnte und was genau passiert ist, überprüfen wir gerade", so der städtische Pressesprecher.



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