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Würzburg
Wohnungssuche

Wohnungssuche: Alleinerziehende haben es oft besonders schwer

Wer ohne Mann, aber mit einem Baby auf dem Arm zu einer Wohnungsbesichtigung kommt, hat keine oft Chance. Ein Projekt möchte Alleinerziehenden helfen.
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"Ich bin alleinerziehend, aber nicht asozial" Es gibt immer weniger Sozialwohnungen. Eine junge Mutter berichtet, dass es Alleinerziehende besonders schwer haben. Symbolfoto: Marcel Kusch/dpa
"Ich bin alleinerziehend, aber nicht asozial" Es gibt immer weniger Sozialwohnungen. Eine junge Mutter berichtet, dass es Alleinerziehende besonders schwer haben. Symbolfoto: Marcel Kusch/dpa
Wer ohne Mann, aber mit einem Baby auf dem Arm zu einer Wohnungsbesichtigung kommt, hat keine Chance. Dieses Fazit zieht Ines Enseleit nach der eineinhalbjährigen Suche nach einer günstigen Wohnung.


"Es war einfach frustrierend"

Sie hatte noch studiert und gerade das zweite Kind bekommen, als ihr Partner sie verließ und sie aus der gemeinsamen Wohnung sollte. Denn diese war für sie alleine zu teuer. Die Angst, bald mit ihren Kindern auf der Straße zu stehen, mobilisierte alle ihre Kräfte. "Ich hängte Zettel auf, klingelte bei Vermietern und meldete mich auf jedes Inserat, das irgendwie passte. Oft bekam ich nicht einmal eine Antwort." Die 31-Jährige hat diese Behandlung furchtbar geärgert: "Ich bin zwar alleinerziehend, aber nicht asozial."

Für Cathrin Holland, Sozialarbeiterin bei der Diakonie, ist Ines Enseleit kein Einzelfall. "Viele Vermieter suchen in der Anzeige nach einer ,älteren Person" als Mieter, weil sie keine Kinder im Haus wollen. Und wenn doch, dann lieber mit zwei Elternteilen." Alleinerziehende würden im Schnitt zwei Jahre nach einer neuen Wohnung suchen. "Manche geben aber auch vorher auf." Eine Betroffene erzählt der Redaktion, dass sie seit eineinhalb Jahren aus ihrer jetzigen Wohnung ausziehen will, weil ihr Sohn dort gesundheitliche Probleme hat. "Er leidet an einer Schimmelallergie." Sie hat sich viele Wohnungen angesehen, aber bislang keine bezahlbare Bleibe in ähnlicher Lage gefunden.


Ein Problem bei der Wohnungssuche liegt bei den Mietobergrenzen

Da sie von Unterhaltszahlungen und ihrem Teilzeitjob in der Pflege nicht leben kann, wird ihr Einkommen vom Jobcenter aufgestockt. Damit gelten bestimmte Mietobergrenzen. In Würzburg liegen diese bei 415 Euro Kaltmiete für eine Singlewohnung, 550 Euro für einen Zweipersonen-Haushalt und 610 Euro für eine Mutter mit zwei Kindern.

"Innerhalb dieser Spanne ist es schwierig, in der Stadt eine Wohnung zu finden", sagt Beraterin Holland. "Auch Sozialwohnungen liegen immer wieder darüber." Dies führe dazu, dass Einzelpersonen, die theoretisch 50-Quadratmeter-Wohnungen mieten könnten, ein 18-Quadratmeter-Zimmer nehmen, weil sie das für 415 Euro bekommen.

"Günstige Wohnungsangebote aus Ihrer Region finden."


Das Projekt "Fit for Move" hilft Alleinerziehenden bei der Wohnungssuche

Wer schon mit einem Bein auf der Straße steht, kommt zu Christine Lüneburg.
Die Caritasmitarbeiterin hilft im Projekt "Fit for Move" Alleinerziehenden, die seit der Trennung mit ihren Kindern bei Verwandten auf der Wohnzimmercouch schlafen, Rentnern, die bei Eigentümerwechsel ihre Wohnung verlieren, Flüchtlingsfamilien, die endlich aus der Gemeinschaftsunterkunft ausziehen wollen.

Eine schwierige Aufgabe. Denn zum einen nimmt die Zahl der Sozialwohnungen ab. Zum anderen verschärft laut Lüneburg die wachsende Zahl von anerkannten Flüchtlingen die Situation. Oft stünden ihre Klienten bei Besichtigungsterminen auch zusammen mit 50 Studenten in der Wohnung.
Wenn ein Vermieter dann die Wahl zwischen einem Dauerauftrag von Papas Konto und Geld vom Jobcenter habe, bevorzuge er häufig ersteres.


Wie das Projekt helfen kann

Eine Aufgabe Lüneburgs ist deshalb, Vermietern zu zeigen, dass es sich auch lohnt, an sozial benachteiligte Menschen zu vermieten. "Die Miete wird ja über das Amt bezahlt und wir kümmern uns, falls es irgendwelche Probleme geben sollte." Diese gebe es zwar selten, aber dafür häufig das Vorurteil, dass wenig Geld gleichbedeutend mit asozial sei.

Ines Enseleit hat es geschafft. Die kirchliche allgemeine Sozialarbeit der Diakonie hat sie dabei unterstützt, dass sie in ihrer Wohnung in der Sanderau bleiben konnte und das Jobcenter ließ sich auf eine flexible Lösung ein. Inzwischen hat sie ihr Studium beendet und drei Jahre nach ihrer Notsituation arbeitet sie jetzt in Teilzeit als Sprachtherapeutin.

"Manchmal wird es am Ende des Monats richtig eng", erzählt die junge Mutter. Denn die Miete ihrer 80-Quadratmeter-Wohnung kostet einen großen Teil ihres Einkommens. Doch das nimmt sie in Kauf. Denn ihre Wohnung in der vertrauten Umgebung möchte sie unbedingt behalten. "Ich will, dass meine Kinder eine gute Schule besuchen und hier weiterhin ihre Freunde haben. Sie sollen einfach in einer guten Umgebung aufwachsen."

Manuela Göbel

Einen Artikel zu "Alleinerziehende können sich jetzt ihren Unterhaltsvorschuss sichern" finden Sie hier

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