Mainaschaff
Unterstützung

#SupportOurBro: Helfer aus dem Netz packen an

Danny Gandy hat bei einem Brand fast alles verloren. Nur knapp konnten sich der junge Mann und seine Freundin aus den Flammen retten. Stunden nach dem Unglück startete im Internet eine Hilfsaktion. Vorläufiger Höhepunkt: die Räumung der zerstörten Wohnung, organisiert über soziale Netzwerke.
Artikel drucken Artikel einbetten
Volker Bonacker (links) und Danny Gandy halten bei der Räumungsaktion ein verkohltes "Andenken" in ihren Händen. Foto: privat/Montage:inFranken.de
Volker Bonacker (links) und Danny Gandy halten bei der Räumungsaktion ein verkohltes "Andenken" in ihren Händen. Foto: privat/Montage:inFranken.de
+9 Bilder
Samstag, 21. März 2015, 09:07 Uhr: "Alle Freunde zur Info: mein Haus hat gebrannt. Wir haben uns retten können. Alles weg. Alles." Es ist ein Beitrag auf Twitter, rund hundert Zeichen lang, der ein lebensveränderndes Ereignis im Internet dokumentiert.

Vor zehn Tagen gehen bei der Rettungsleitstelle in Aschaffenburg Meldungen über ein brennendes Reihenhaus in Mainaschaff ein. Als die Feuerwehr eintrifft, schlagen die Flammen bereits aus dem Dach, eine Säule aus dunklem Qualm liegt über der unterfränkischen Gemeinde. Für den gebürtigen Amerikaner Danny Gandy und seine Freundin ist die Situation lebensbedrohlich: "Kurz vor 7 Uhr wurden wir durch Türklingeln geweckt. Ich hörte Schreie und dachte, es wären spielende Kinder. Als ich schlaftrunken aus dem Fenster geschaut habe, schlug mir Feuer entgegen."



Dann geht alles schnell. Die beiden ziehen sich die ersten Klamotten an, die sie finden können und rennen durch das verrauchte Treppenhaus. Sekunden später stehen sie auf der Straße und müssen dabei zusehen, wie alles verbrennt. Schuld am Großbrand war der Nachbar im Erdgeschoss. Er hatte am Morgen den Grill angeheizt und unbeaufsichtigt gelassen.


Welle der Anteilnahme
Der Beitrag, den Danny Gandy auf Twitter veröffentlicht, löst in kürzester Zeit eine Welle der Bestürzung und Anteilnahme aus. Freunde und Bekannte verbreiten die Kurznachricht, kommentieren und teilen sie in den sozialen Netzwerken.

Dabei war große Aufmerksamkeit nie das Ziel, gibt der 34-Jährige im Gespräch mit unserer Zeitung zu: "Wir standen draußen in der Kälte, waren unter Schock und haben unsere Angehörigen per Telefon informiert. Ich wollte auch meine Freunde wissen lassen, dass es uns gut geht. Also habe ich den Stand der Dinge auf Twitter gepostet."



Tage nach dem Brand ist Gandy der Stress anzusehen. Das Erlebte kann er in Worte fassen, so richtig begreifen kann er es noch nicht. Auf die Frage, wie es sich anfühlt, vor den Trümmern seiner Existenz zu stehen, reagiert er gefasst: "Ich dachte, es wäre schlimmer, alles zu verlieren." Hin und wieder lacht Gandy. Sein Blick wirkt gedankenverloren. Im Kopf ist er bei den Versicherungen, mit denen zu klären ist, wer für den Schaden von rund 600.000 Euro aufkommt. Bei der Polizei, die ermittelt, wie es genau zu dem Brand kommen konnte. Bei seinem Anwalt.

"Es läuft so viel gleichzeitig. Und ich bin wütend. Wütend darüber, dass ich eine Sache ausbaden muss, die ich nicht verschuldet habe. Andererseits bin ich auch überwältigt, von so viel Hilfe und Anteilnahme."


Unzählige Spendenangebote
Gandy spricht vom Hilfsprojekt "helpdannygetback". Volker Bonacker aus Darmstadt ist Mitinitiator der Aktion. Er erklärt, was genau dahinter steckt: "Wir wollen, dass Danny so schnell wie möglich wieder auf die Beine kommt. Unter dem Hashtag #SupportOurBro haben sich unzählige Spendenangebote und Anfragen in den sozialen Netzwerken angesammelt. Auf einem Weblog dokumentieren und koordinieren wir die Aktion."

Seit Tagen berichten Bonacker und weitere Unterstützer über Gandys Schicksal. Sie schreiben Firmen an, senden Videobotschaften und verwalten eine öffentlich zugängliche Liste für Sachspenden. Auch ein Online-Spendenkonto gibt es. Über 4000 Euro sind darauf schon eingegangen.

Der enorme Rücklauf hat Bonacker überrascht. "Wir haben aus dem Nichts nach nur einer Woche über 23.000 Zugriffe auf das Weblog. Uns erreichen Pakete mit Kleidung und Artikeln des täglichen Bedarfs, sogar ein Notebook wurde gespendet." Die Bereitschaft Wildfremder zur Hilfe sei überwältigend.



Das haben Danny Gandy und seine Freundin auch am vergangenen Samstag erlebt. Fast 20 Unterstützer reisten teilweise fast 400 Kilometer nach Mainaschaff, um beim Ausräumen und Entrümpeln der völlig verwüsteten Wohnung zu helfen. Die meisten Unterstützer kannten sich vorher nicht. Sie hatten nur über das Internet von der Aktion erfahren.


Spendenkonto
Für Danny Gandy geht nach der Räumung der zerstörten Wohnung der beschwerliche Weg zurück in den Alltag weiter. Aktuell sucht er ein Auto, um von seiner Notunterkunft aus mobil zu sein. Außerdem ist er auf Wohnungssuche.

Falls Sie helfen wollen: Alle Informationen finden Sie auf der Internetseite zum Hilfsprojekt "helpdannygetback". Zum Spendenkonto geht es hier.
was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren