Würzburg
Polizeieinsatz

Razzia gegen fränkischen Hanf-Laden: Betreiber erhebt schwere Vorwürfe

Ermittler haben in Unterfranken bei Razzien zahlreiches Material sichergestellt. Dabei im Fokus: Ein Würzburger Hanfladen. Der Geschäftsführer wurde zu Hause überrascht.
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In Würzburg hat die Polizei eine Razzia in einer Wohnung durchgeführt.Der Bewohner erhebt nun schwere Vorwürfe. Symbolfoto: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa
In Würzburg hat die Polizei eine Razzia in einer Wohnung durchgeführt.Der Bewohner erhebt nun schwere Vorwürfe. Symbolfoto: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa
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In Unterfranken hat die Polizei am Dienstag (5. November 2019) Razzien durchgeführt. In Würzburg und Schweinfurt durchsuchten die Einsatzkräfte Geschäfts- und Wohnräume, wie es von Seiten der Polizei heißt. Der Verdacht: Gewerbsmäßige "Abgabe von Betäubungsmittel an Minderjährige". Konkret ging es dabei um THC-Produkte, die durch das Betäubungsmittelgesetz verboten sind. Teil der Razzia war auch die Durchsuchung der Wohnung von Lukas Schwarz. Er führt seit Anfang 2019 das "Cannameleon", ein Unternehmen, der "Cannabis-Produkte für jeden Bedarf" vertreibt, wie es auf der Homepage heißt.

Vor den Augen seiner Kinder: Mann in Handschellen gelegt?

Das "Cannameleon" geriet im Laufe der Ermittlungen in den Fokus der Polizei. Deshalb durchsuchten zahlreiche Polizisten am Dienstag die Privatwohnung von Schwarz in Würzburg. Dabei wurde der Unternehmer von den Beamten in Handschellen gelegt. Auf Nachfrage von inFranken.de teilt die unterfränkische Polizei mit: "Gegen den Wohnungsinhaber musste aufgrund seines Verhaltens unmittelbarer Zwang angewendet werden." Schwarz hingegen macht in einem Statement via YouTube deutlich, dass die Polizei "vorbildlich" und aus "reiner Willkür" gehandelt habe.

Darin sagt er beispielsweise, dass er den Einsatzkräfte die Tür geöffnet habe. Als er sein Smartphone habe holen wollen, um die Szenerie zu filmen, sei ihm ein Polizist in den Rücken gesprungen und habe ihn gewaltsam auf den Boden gedrückt. Rund zehn Minuten sei er in Handschellen, auf dem Boden, vor den Augen seiner zwei kleinen Kinder festgehalten worden. Anschließend habe er in Handschellen ins "Cannameleon" laufen müssen. Das Vorgehen wollte die Polizei im Detail nicht kommentieren, "da es sich um ein laufendes Verfahren" handle, erklärt Björn Schmitt, Pressesprecher der Polizei, inFranken.de. Man habe "nicht aus Willkür gehandelt, sondern einen richterlichen Durchsuchungsbeschluss durchgesetzt", fügte Schmitt hinzu.

Im Gegenzug leiteten die Behörden ein Ermittlungsverfahren gegen Schwarz wegen des "Verdachts des Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte" ein.

Cannameleon in Würzburg: Schwarz weist Vorwürfe zurück

Den Vorwürfen der Ermittler, das "Cannameleon" handle mit sogenannten "BTM"-Substanzen, sprich Betäubungsmittel, weist Schwarz zurück: "Wir vertreiben reine Nutzhanfprodukte. Alle unsere Produkte liegen in den geforderten Grenzwerten und werden aus EU-zertifiziertem Saatgut hergestellt und verarbeitet."

Die Nutzhanfprodukte seien aus Perspektive der Polizei nicht das Problem, sagt Schmitt. Die Ermittlungen hätten ergeben, dass es Indizien dafür gebe, dass "unerlaubt, gewerbsmäßiger Handel" mit Betäubungsmitteln geschehe, der die Werte an THC in Nutzhanfprodukten übersteigen. Im Rahmen der Razzia stellten die Ermittler "umfangreiches Beweismaterial" sicher.

Der Fall liegt nun auf dem Tisch der Staatsanwaltschaft. Es bleibt abzuwarten, wie es mit dem "Cannameleon" in Würzburg weitergeht.

Video: Cannabis als Heilmittel für Krebs

tu/dn

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