Würzburg
Ankündigung

Plan von Söder: Reiterstaffeln für Polizei in Franken und Bayern - Hohe Kosten drohen!

Am Ende soll Bayerns Polizei über insgesamt 200 Dienstpferde besitzen. Mit Stallungen, dem Personal und vor allem den Kosten für zum Beispiel Tierärzte und Futter. Auch vier fränkische Städte könnten davon betroffen sein.
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Beamten auf Pferden: Das sind die Pläne von Bayerns Ministerpräsident Markus Söder. Symbolfoto: Sebastian Kahnert/dpa
Beamten auf Pferden: Das sind die Pläne von Bayerns Ministerpräsident Markus Söder. Symbolfoto: Sebastian Kahnert/dpa
In der aufgeregten Debatte um die Kreuz-Pflicht in bayerischen Behörden gingen einige Ankündigungen von Neu-Ministerpräsident Markus Söder (CSU) unter. Darunter eine ziemlich teuere Maßnahme, deren Nutzen nun infrage gestellt wird: Der Aufbau einer "bayerischen Kavallerie". So hatte Söder in seiner Regierungserklärung Mitte April für jede Großstadt im Freistaat den Aufbau einer Reiterstaffel der Polizei angekündigt.Über insgesamt 200 Dienstpferde soll die bayerische Polizei im Endausbau verfügen. Doch begeistert sind die Ordnungshüter nicht.


Vier fränkische Städte wären betroffen


Zu den Großstädten in Bayern - also Städten mit mehr als 100 000 Einwohnern - zählen München, Nürnberg, Augsburg, Regensburg, Ingolstadt, Würzburg, Fürth und Erlangen. In Würzburg sind nach Informationen dieser Redaktion 20 bis 25 Pferde eingeplant, die dann unterfrankenweit eingesetzt werden könnten. Das bayerische Innenministerium wollte diese Zahl auf Nachfrage "weder bestätigen, noch dementieren". Das Konzept werde derzeit noch erarbeitet, hieß es.

In Polizeikreisen sorgt das Vorhaben für Reaktionen von Schmunzeln bis Kopfschütteln. So beschreibt es unter anderem Christian Schulz, in der Gewerkschaft der Polizei (GdP) Vorsitzender der Kreisgruppe Würzburg und stellvertretender Vorsitzender der Bezirksgruppe Unterfranken: "Zuerst haben wir geschmunzelt. Nach weiteren Überlegungen ist die Meinung in der Polizei dazu aber grundsätzlich eher ablehnend", so der Gewerkschafter.


Teure Angelegenheit


Die GdP verwehre sich nicht komplett gegen die Pferde. Sie seien "ein gutes Einsatzmittel bei Demos oder Großveranstaltungen", so Schulz. "In Würzburg sehe ich da aber eher wenig Nutzen." Zumal der Aufbau der Reiterstaffeln nicht billig ist. Abgesehen davon, dass es laut Schulz nicht einfach werden dürfte, innerhalb eines kurzen Zeitraums 200 geeignete Pferde zu finden, kostet nicht nur deren Anschaffung Geld. Hinzu kämen der Unterhalt der Tiere, Tierarztkosten, Stallungen und Spezialfahrzeuge zum Transport der Pferde. Und "ein großes Personalpaket": neben Reitern auch Pfleger und Verwaltungsmitarbeiter.

Wie teuer die "bayerische Kavallerie" werden könnte, zeigt ein Blick Richtung Süden: In München gibt es bereits eine Reiterstaffel mit 35 Pferden, außerdem einen Reitertrupp mit fünf Tieren im benachbarten Rosenheim. Wie das Innenministerium vorrechnet, lässt sich der Freistaat die beiden Einheiten pro Jahr durchschnittlich 400 000 Euro kosten, wobei sich die Unterkunft und die Stallungen in München bereits im staatseigenen Besitz befinden.


Geld an anderer Stelle wichtiger


Die GdP Unterfranken hätte sich gewünscht, dass die notwendigen Mittel für den Aufbau und Unterhalt von Reiterstaffeln an anderen Stellen bereitgestellt werden: "Vor der Kür kommt die Pflicht", so Schulz. "Wir haben in ganz Unterfranken eine zu niedrige Personaldeckungsquote. Wir brauchen mehr Beamte an der Basis", fordert er - gerade im Hinblick auf die von Söder angekündigte Neugründung einer bayerischen Grenzpolizei, für die weitere Personalkapazitäten gebraucht werden.

Auch die Arbeitsbedingungen unterfränkischer Beamter sieht Schulz ausbaufähig. "Bevor wir Ställe für Pferde bezahlen, sollten unsere Beamten adäquate Arbeitsplätze haben", findet er. Das Dienstgebäude in der Würzburger Weißenburgstraße bedürfe einer Generalsanierung, für die Inspektion Kitzingen stehe ein Neubau an, die Dienststelle der Autobahnpolizei Würzburg-Biebelried sei ein Provisorium.

Immerhin: Die Ausbildung zum Reiter sei nicht langwierig, so Schulz. Und es gebe "viele pferdeaffine Kolleginnen und Kollegen", die bereits Interesse signalisiert hätten. "Grundsätzlich begrüßen wir es, wenn der Ministerpräsident für eine höhere Polizeipräsenz sorgen will", erklärt der Gewerkschafter weiter. "Aber für die Bürger ist es einfacher, einen Streifenpolizisten auf Augenhöhe anzusprechen, als einen Reiter in drei Meter Höhe."
Benjamin Stahl


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