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Wirtschaft

Paukenschlag in der Corona-Krise: Fränkischer Modekonzern s.Oliver kündigt rund 170 Mitarbeitern

In der Zentrale des fränkischen Modeunternehmens s.Oliver in Rottendorf müssen rund 170 Mitarbeiter gehen. Die Corona-Krise hat die Lage verschärft. Allerdings sei sie nicht der einzige Grund für die Kündigungswelle.
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s.Oliver rüstet sich für die Zukunft - so lautet der Titel einer Mitteilung des Modekonzerns vom Montagmorgen (23. März 2020). Was lapidar klingt, hat fatale Folgen für 170 der 1500 Mitarbeiter in der Zentrale in Rottendorf bei Würzburg: Sie müssen gehen. Eine Sprecherin bestätigte auf Anfrage der Redaktion, dass es sich dabei um betriebsbedingte Kündigungen handelt.

Die Geschäftsführung habe die Belegschaft darüber am Montag informiert. Wie zu erfahren war, geschah dies schriftlich, weil wegen der Corona-Krise auf eine Personalversammlung verzichtet wurde.

Entscheidung schon vor Coronakrise gefallen

Die Entscheidung für den Einschnitt sei schon vor der Coronakrise gefallen, sagte Konzernchef Claus-Dietrich Lahrs am Montag gegenüber der Redaktion. Die aktuelle Lage aber "verdeutlicht einmal mehr die Notwendigkeit zum Handeln", steht in der Mitteilung. Die vor der Kündigung stehenden Mitarbeiter werden laut Lahrs bis Donnerstag Einzelgespräche in der Personalabteilung haben, wo ihnen finanziell "großzügige Pakete" unterbreitet würden. Außerdem biete s.Oliver Beratung bei der Suche nach einem neuen Job an.

Sein Unternehmen arbeite hier mit der Düsseldorfer Agentur "von Rundstedt & Partner" zusammen, so Lahrs. Sie ist bundesweit darauf spezialisiert, Jobsuchende für eine neue Aufgabe fit zu machen. Nach eigenen Angaben will sich s.Oliver einem "Organisationsumbau" unterziehen, um das Geschäft noch mehr zu internationalisieren, die Digitalisierung voranzutreiben und die Kette eigener Modeläden zu stärken. In dem vor 51 Jahren in Würzburg gegründeten Unternehmen sind "nahezu alle Abteilungen" vom Umbau betroffen, wie Lahrs sagte.

Hinter vorgehaltener Hand war in den vergangenen Wochen darüber gesprochen worden, dass der neue Konzernchef den eisernen Besen herausgeholt hat. Lahrs löste im November 2019 den bis zuletzt umtriebigen Firmengründer Bernd Freier ab, der in den Ruhestand gegangen ist. Die jetzt eingeleiteten Schritte inklusive der Kündigungen seien schon vor Wochen beschlossen worden und "eindeutig unabhängig" von der Corona-Krise. Die aktuelle Lage habe freilich die Entscheidung beschleunigt, so Lahrs.

Hauptsponsor bei Würzburger Basketballern

Den geplanten Konzern-Umbau habe allein er in die Wege geleitet. Bernd Freier habe damit nichts zu tun - schon deswegen nicht, weil sich der 73-Jährige definitiv aus dem Geschäft ausgeklinkt habe. Lahrs bekräftigte am Montag das Engagement seines Unternehmens bei den Würzburger Bundesliga-Basketballern, deren Namensgeber und Hauptsponsor s.Oliver seit Jahren ist. Der Vertrag dazu sei turnusgemäß um ein Jahr verlängert worden. In der Mitteilung vom Montag heißt es zudem, dass s.Oliver Organisationseinheiten zusammenlegen und neu ausrichten will.

Damit hänge zusammen, so Lahrs, dass die einst fünfköpfige Geschäftsführung jetzt nur noch aus drei Mitgliedern besteht: Mathias Eckert, Kristina Szasz und eben Lahrs an der Spitze.

Die Rottendorfer verkaufen ihre Mode außerhalb der eigenen Läden zusätzlich über externe Händler. Lahrs hat nach eigenen Worten nicht nur die Organisation des Konzerns im Visier, sondern auch die blanken Geschäftszahlen. So machte s.Oliver weltweit 2017 und 2018 jeweils 1,3 Milliarden Umsatz. Für 2019 liegen noch keine Zahlen vor. Der Vorsitzende der Geschäftsführung ließ am Montag aber durchblicken, dass der Umsatz leicht gesunken ist.

Jürgen Haug-Peichl und Thomas Brandstetter

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