Osthausen
Tierskandal

Tierskandal in Franken: 2000 Schweine sterben qualvoll - warum der Stallbetreiber keine Strafe bekommt

2000 tote Schweine wurden 2018 in einem Stall in Unterfranken entdeckt. Die Kadaver verwesten teilweise schon seit Monaten, die meisten Tiere verendeten qualvoll. Trotz alldem kommt der Stallbetreiber ohne Strafe davon.
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Im Frühjahr 2018 sorgte der Schweineskandal von Gelchsheim für Aufsehen. Unser Bild zeigt den Abtransport der toten Schweine.  Foto:  Obermeier
Im Frühjahr 2018 sorgte der Schweineskandal von Gelchsheim für Aufsehen. Unser Bild zeigt den Abtransport der toten Schweine. Foto: Obermeier

Ein erschütternder Tierskandal bewegte im April 2018 die Region: In einem Stall bei Gelchsheim (Landkreis Würzburg) wurden über 2000 tote Schweine entdeckt, die augenscheinlich über Wochen hinweg qualvoll verendet waren.

Tierskandal von Osthausen: Stallbetreiber kommt ohne Strafe davon

Der damals 28-jährige Betreiber des Stalls geht laut Recherchen der "Mainpost" nun straffrei aus. Und ob er für die Kosten der Entsorgung der Tierkadaver aufkommen muss, ist fraglich.

Auf Anfrage bestätigte der Sprecher der Staatsanwaltschaft Würzburg, dass das Ermittlungsverfahren gegen den Landwirt eingestellt wurde. Es sei zwar nachgewiesen worden, dass der Schweinehalter den Tod der Schweine durch die Unterlassung seiner Pflichten verursacht habe. Aufgrund eines psychiatrischen Gutachtens sei aber davon auszugehen, dass der Beschuldigte zum fraglichen Zeitpunkt schuldunfähig war. Zur genauen Begründung der Schuldunfähigkeit mache die Staatsanwaltschaft aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes des Beschuldigten keine weiteren Angaben, so ein Sprecher auf Anfrage dieser Redaktion.

Landratsamt Würzburg untersagt Betreiber die Haltung von Tieren

Weil deshalb auch kein gerichtliches Tierhalteverbot ausgesprochen werden kann, untersagte inzwischen das Landratsamt Würzburg dem Landwirt auf dem Verwaltungsweg dauerhaft die Haltung und Betreuung von Tieren, wie die zuständige Geschäftsbereichsleiterin auf Anfrage mitteilte. Das Verbot gilt für alle Tierarten. Eine entsprechende Anordnung hat das am Landratsamt Würzburg gegen den Mann erlassen, wie es am Dienstag mitteilte.

Tote Schweine lagen monatelang im Stall

Die Polizei war in ihren Ermittlungen zu dem Schluss gekommen, dass einzelne Schweine seit vielen Monaten tot in den beiden Stallgebäuden lagen, bevor der Betreiber über seinen Anwalt Mitteilung ans Veterinäramt machen ließ. 2014 hatte die Behörde den Betrieb letztmals kontrolliert, nachdem damals 172 Mastschweine aufgrund eines Ausfalls der Lüftungsanlage verendet waren.

Wie das Landratsamt mitteilte, habe der Betreiber damals angegeben, dass die Alarmanlage nicht ausgelöst habe. Üblicherweise erfährt das Veterinäramt von der Tierkörperbeseitigungsanstalt, wenn in einem Betrieb auffällig viele Tiere sterben. Die Ermittlungsergebnisse der Polizei legen den Schluss nahe, dass der Landwirt in der Folge einzelne tote Tiere nicht mehr ordnungsgemäß entsorgen ließ, um nicht erneut aufzufallen.

Schweine teils stark verwest - Teil der Tiere wohl qualvoll verhungert

Die mehr als 2000 Kadaver, die Mitarbeiter des Veterinäramts im April 2018 in dem Stall vorfanden, waren unterschiedlich stark verwest und teilweise bereits skelettiert. Spuren von Kannibalismus deuteten daraufhin, dass zumindest ein Teil der Tiere qualvoll verhungert ist.

Nach wie vor unklar ist, wer die Kosten für die Beseitigung der stark verwesten Kadaver tragen muss. Zwar hatte das Verwaltungsgericht Würzburg Mitte März entschieden, dass der Bauer die Rechnung des Landratsamts in Höhe von rund 200.000 Euro nicht begleichen muss. Dagegen hatte die Behörde aber Berufung vor dem Bayerischen Verwaltungsgerichtshof eingelegt, über die noch nicht entschieden ist.

Von Gerhard Meissner (mit dpa)

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