Würzburg
Soziales

Obdachlos in Würzburg - keine Arbeit, kein Zuhause

Die Mieten steigen, besonders stark in den Städten. So auch in Würzburg. Viele suchen hier schon seit Jahren nach einer Bleibe. Aber: Gerade die Ärmsten der Gesellschaft haben kaum mehr eine Chance auf die eigene Wohnung.
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Nahezu 300 000 Menschen haben einer Mitteilung der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe (BAG W) zufolge kein eigenes Dach über dem Kopf. Innerhalb von nur zwei Jahren habe es einen Anstieg um 15 Prozent gegeben, heißt es. Bis 2016 könnte die Zahl auf 380 000 ansteigen, so die Befürchtung. Wie kommt das? BAG W-Geschäftsführer Thomas Specht nennt zwei Gründe: Zum einen das drastische Ansteigen der Mieten in den Ballungsräumen, zum anderen die zunehmende Verarmung der unteren sozialen Schichten.

Und wo lebt derjenige, der über keinen eigenen Wohnraum verfügt? Meist bei Bekannten und Verwandten, und dann in immer beengteren Verhältnissen. Oder in Hilfseinrichtungen, wie sie zum Beispiel die Christophorus-Gesellschaft in Würzburg vorhält. Werner Schühler ist hier zuständig für die Beratung Wohnungsloser.
Er versucht zu helfen, wenn es mit der Wohnungssuche überhaupt nicht mehr vorangeht. Aber: "Der Wohnungsmarkt in Würzburg ist für arme Menschen zu," so Schühler. Für seine Klienten eine bezahlbare Mietwohnung zu finden, sei für ihn und sein Team zu einem Riesenproblem geworden.

Einer hatte Glück: Wolfgang Welsch. Der ehemalige Wohnungslose hatte zuletzt über ein Jahr vergeblich nach einer Wohnung gesucht. Bis sich die Christophorus-Gesellschaft einschaltete und eine geeignete Wohnung bei der Würzburger Stadtbau ausfindig machte.

Die Zeit vorher hat der 63-jährige Koch in schlimmer Erinnerung. Weil er bei der Wohnungssuche ständig abgewiesen wurde. "Die meisten Vermieter möchten wissen, wo man arbeitet und wo man wohnt," erzählt Welsch. Und er, der von 1995 an immer wieder, teilweise mehrerer Jahre lang, auf der Straße lebte, musste zugeben, dass er gerade keine Arbeit hat. Vielmehr in einer Wohnung der Christophorus-Gesellschaft lebt. Es gab die ewig gleichen Reaktionen. Entweder lag die Absage im Briefkasten, oder es gab eine telefonische Absage, oder es gab überhaupt keine Reaktion.

Keine Chance, auf eigene Faust an eine Wohnung zu kommen. Als Welsch vor drei Jahren nach Würzburg kam, fand er zunächst Aufnahme im Johann-Weber-Haus, einer Einrichtung der Christophorus-Gesellschaft für Obdachlose, die anderweitig nicht unterkommen. "Hier stehen allerdings nur acht Plätze zur Verfügung," so Geschäftsführer Günther Purlein. Welsch wechselte deshalb zuerst in ein Heim für betreutes Wohnen, schließlich in die Nachbetreuung.

Ein Jahr musste er dort ausharren, bis sich endlich doch noch eine Wohnung fand.
"Ein Glücksfall," unterstreicht Werner Schühler. Weil sich auf eine Ein-Zimmer-Wohnung zu günstigen Konditionen in Würzburg bis zu 100 Leute bewerben würden. Da bleiben Obdachlose, die sesshaft werden möchten, meistens außen vor.

Jedes Jahr sucht die Christophorus-Gesellschaft in Würzburg für etwa 20 ehemals wohnungslose oder aus der Haft entlassene Männer eine feste Bleibe. In sehr vielen Fällen gelingt das auch dem professionellen Team dieser ökumenischen Einrichtung der beiden großen Kirchen nicht mehr. Als Konsequenz der wachsenden Wohnungsnot muss die Gesellschaft selbst immer mehr Wohnungen anmieten. Inzwischen sind es schon 42. Ihre Klienten werden dann zu Untermietern.

Günther Purlein: "Das hatten wir so nie vorgehabt." Das Konzept sah bisher vor, Menschen ohne Wohnung oder Haftentlassene zunächst im Johann-Weber-Haus mit seinen acht Plätzen aufzunehmen. Weitere je acht Plätze standen zur Verfügung für Betreuung nach einem Auszug oder dienten der Nachsorge. Jetzt müsse man sich schon um 22 Menschen kümmern, für die es eigentlich keine Maßnehme mehr gebe, die aber bislang kein geeignetes Obdach finden konnten.

Weil sie keine Wohnung finden, müsse man sich weiter der Menschen annehmen, so Purlein. Die Alternative ist keine: Die Menschen müssten zurück auf die Straße.
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